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Schwierige Ermittlungen zu Missbrauchsfall um Wiener Kindergärtner

03. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Die polizeilichen Erhebungen zu neuen Missbrauchsvorwürfen gegen zwei Wiener Kindergartenpädagogen gestalten sich in einem Fall schwierig.

Die Eltern des betroffenen Kindes wollen nicht, dass die informierte Opferschutzeinrichtung die Opferdaten der Polizei bekannt gibt, hieß es am Donnerstagnachmittag seitens der Landespolizeidirektion. Im anderen Fall laufen Ermittlungen. Die für die Kindergärten zuständige MA 10 hat beide Verdächtige jedenfalls in den Innendienst versetzt.

An Kind und Jugendlicher vergangen

Die Pädagogen aus zwei städtischen Kindergärten werden unabhängig voneinander in zwei am Mittwoch öffentlich gemachten Fällen von Kindesmissbrauch beschuldigt. Ein Kind soll innerhalb der Betreuungseinrichtung missbraucht worden sein, berichtete der stellvertretende MA-10-Abteilungsleiter Kurt Burger bei einem Hintergrundgespräch für ausgewählte Medien.

Der zweite vermutete Übergriff eines Pädagogen soll außerhalb eines Kindergartens und nicht an einem Kindergartenkind, sondern an einer minderjährigen Jugendlichen verübt worden sein, wie Burger am Donnerstag im Gespräch mit der APA erläuterte.

Betonung auf Verdacht

Weitere Details zu den vorgeworfenen Taten und mutmaßlichen Opfern wurden mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre sowie laufende Ermittlungen nicht genannt. In beiden Fällen handle es sich bisher um einen Verdacht, betonte die MA 10. Der Missbrauchsvorwurf außerhalb des Kindergartens ist in der MA 10 vor zwei Wochen bekanntgeworden. Damals seien die Eltern der betroffenen Betreuungseinrichtung sofort informiert worden, warum der Pädagoge aus dem Kinderdienst abgezogen wurde, sagte Burger zur APA.

Eltern umgehend informiert

Es sei in beiden Fällen eine Informations- und Abstimmungskette zwischen MA 10, MA 11 (Kinder- und Jugendhilfe), Polizei und Kinderschutzexperten eingeleitet worden. Auch im zweiten bekanntgewordenen Verdacht des Missbrauchs innerhalb einer Betreuungseinrichtung wurden die Eltern nach Bekanntwerden der Vorwürfe in der MA 10 am Mittwoch umgehend per Mail informiert.

Für die Eltern wurde eine Hotline eingerichtet, um akute Fragen zu beantworten und die Eltern bei Bedarf an Kinderschutzeinrichtungen zu vermitteln. Auch die Kindergartenteams wurden laut MA 10 informiert und erhalten Unterstützung im Umgang mit der Situation.

Daten eines Kindes fehlen

Warum die Daten eines betroffenen Kindes laut Polizei von der informierten Opferschutzeinrichtung noch nicht an die Ermittler weitergeben wurden, wusste Burger nicht. Es könne rechtlich noch niemand als Beschuldigter geführt und vernommen werden, wenn die Daten der Opfer nicht übermittelt wurden, erläuterte die Polizei auf APA-Nachfrage.

Nach ersten Informationen hatten zunächst in beiden Fällen noch die Opferdaten gefehlt. Zu welchem Fall sie nun weiterhin nicht bei der Polizei gemeldet wurden, wurde nicht bekanntgegeben. Über weitere möglicherweise betroffene Kinder ist der MA 10 vorerst nichts bekannt. Die nun informierten Eltern aus den zwei Kindergärten hätten bisher keinerlei Verdachtsäußerungen gemacht, erläuterte Burger.

Kritik an später Information der Eltern

Im Frühjahr war die Stadt Wien in die Kritik geraten, nachdem sich bei einem erst heuer bekanntgewordenen Verdachtsfall des sexuellen Missbrauchs in einem städtischen Kindergarten in Wien-Penzing herausstellte, dass zwölf Eltern bereits seit 2020 Auffälligkeiten bei ihren Kindern bemerkt und großteils gemeldet hatten.

Dennoch seien die weiteren Eltern nur halb oder gar nicht über die Vorwürfe informiert worden, ergab ein im Sommer veröffentlichter Prüfbericht. Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) kündigte daraufhin u.a. Schulungen, eine Ombudsstelle in der MA 10 und eine Weiterentwicklung des Kinderschutzkonzepts der Stadt an. Die damalige Leiterin der MA 10 wurde abgesetzt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp