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Schwarzer in den USA posthum begnadigt

Juni 12, 2020 · Lesedauer 2 min

100 Jahre nach der angeblichen Vergewaltigung einer weißen Frau im US-Staat Minnesota, nach der drei Schwarze gelyncht wurden, ist ein damals verurteilter Afroamerikaner posthum begnadigt worden. Das zuständige Gremium sprach am Freitag eine Begnadigung für den 1942 verstorbenen Max Mason aus, wie Minnesotas Generalstaatsanwalt Keith Ellison am Freitag mitteilte.

Der Schritt erfolgte inmitten der Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in der in Minnesota gelegenen Stadt Minneapolis. "Die vergangenen Wochen in Minnesota haben uns gezeigt, dass wir eine bessere Justiz brauchen", schrieb Ellison im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Die Begnadigung von Max Mason ist ein seit Langem überfälliger Schritt in diese Richtung."

Der schwarze Zirkusmitarbeiter Mason war nach der angeblichen Vergewaltigung einer weißen Frau im Juni 1920 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde schuldig gesprochen, Irene Tusken nach einer Zirkusaufführung in der Stadt Duluth gemeinsam mit anderen Männern vergewaltigt zu haben.

Tusken und ihr Begleiter hatten Mason bei einer ersten Gegenüberstellung nicht erkannt - dann aber einen Monat später bei einer weiteren Gegenüberstellung erklärt, er sei einer der Täter. Es gibt starke Zweifel, dass die junge Frau überhaupt vergewaltigt wurde: Ein Arzt hatte damals keine Anzeichen für ein Sexualverbrechen festgestellt. Tuskens Begleiter berichtete seinem Vater erst am folgenden Tag von der angeblichen Tat.

Drei andere Afroamerikaner, die im Zuge der Ermittlungen in Duluth festgenommen worden waren, wurden von einem Mob gelyncht. Der in Duluth geborene Folksänger Bob Dylan nimmt in seinem berühmten Song "Desolation Row" Bezug auf die Lynchmorde. Heute erinnert ein Denkmal in der Stadt an die drei ermordeten Männer.

Mason wurde knapp fünf Jahre nach seiner Verurteilung aus dem Gefängnis entlassen. Ein Staatsanwalt hatte schon 1923 geschrieben, wäre Mason ein Weißer, wäre er vermutlich nie verurteilt worden.

Quelle: Agenturen