Schusswechsel mit Polizei - 59-Jähriger eingewiesen
Dem Mann hatte mehrere Schüsse abgegeben, als im September sein Nachbar und dessen Sohn auf der Straße am Haus seiner Eltern vorbeigingen. Angeblich hätten sich die beiden auf Privatgrund befunden. Vater und Kind flüchteten und erstatteten Anzeige. Darauf rückten Cobra-Beamte aus. Vor Ort soll der Betroffene mit einem Revolver neun Schüsse abgegeben haben, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Wiederholten Aufforderungen, die Waffe niederzulegen, sei er nicht nachgekommen. Darauf schoss ein Cobra-Beamter gezielt auf den Mann und traf ihn am linken Arm. Der 59-Jährige kam ins Spital auf die Intensivstation, sein Unterarm musste amputiert werden.
Der Staatsanwalt hatte vor Gericht die Unterbringung des Mannes in einem forensisch-therapeutischen Zentrum verlangt. Seit seinem 18. Lebensjahr leide der Betroffene an einer schweren psychischen Erkrankung, begründete er den Antrag. Der 59-Jährige "braucht Hilfe und die Bevölkerung Schutz", führte er weiter aus. Offenbar gebe der Betroffene inzwischen zu, was ihm zur Last gelegt wurde.
"Er hat es grundsätzlich gemacht und auch wieder nicht." Denn nicht sein Mandant, sondern dessen Krankheit habe die Tat ausgeführt, meinte der Verteidiger. Er sei nämlich ein "herzensguter, friedliebender Mensch". Zur gefährlichen Drohung sei er geständig, sagte der Anwalt.
Lebte im alten Elternhaus
Der Mann habe quasi wie ein Einsiedler im renovierungsbedürftigen Elternhaus gelebt. Dann kam es nach den Schüssen zur Anzeige durch den Nachbarn. Anstatt die Familie des Verdächtigen zu informieren, damit sie den Kranken beruhigen könne, seien Polizeistreifen und zwei Cobra-Beamte ausgerückt und es sei zum Schusswechsel gekommen, der seinem Mandanten den linken Unterarm gekostet habe, zeigte der Verteidiger kein Verständnis für das Vorgehen der Exekutive.
Der 59-Jährige übernahm aber auch die "volle Verantwortung zum zweiten Einsatz". Er leide an einer bipolaren Störung, sagte der Betroffene. Am 4. September des Vorjahres "ist es mir gar nicht gut gegangen". Seit er Medikamente erhalte, sei dies ganz anders, er fühle sich nun "ausgeglichen". Er sei einsichtig, was seine Krankheit angehe, wolle die Medikamente auch weiterhin einnehmen.
Seit 2022 Wahnideen
Viele Jahre habe der Mann an einer Stimmungserkrankung gelitten, war antriebslos in depressiven Episoden, dann wieder mit überschießender Energie in manischen Episoden, führte die psychiatrische Sachverständige Adelheid Kastner aus. Die Stimmung zu stabilisieren habe er lange nicht als notwendig erachtet. Ab 2022 entwickelte er dann Wahnideen, er würde über Steckdosen abgehört und gesteuert. Diese hätten auch zum Tatzeitpunkt seine Handlungen bestimmt, weshalb er nicht zurechnungsfähig war.
Die nachhaltige Störung lasse befürchten, dass er künftig wieder gefährlich sein werde, falls er die Medikamente absetze. Je mehr Eigenständigkeit ihm zugestanden werde, umso wichtiger sei es, dass geklärt werde, wie "nachhaltig seine Einsicht zur Krankheit ist". Dies sei derzeit noch schwer abschätzbar, so Kastner im Hinblick auf Lockerungen der Unterbringung.
Ermittlungen gegen Cobra-Beamte laufen
Gegen den Cobra-Beamten, der geschossen hat, laufen - in einem getrennten Verfahren - noch die Ermittlungen. Polizisten wurden bei dem Schusswechsel nicht verletzt.
Zusammenfassung
- Nach einem Schusswechsel mit der Polizei am 4. September des Vorjahres im Bezirk Freistadt wurde ein 59-Jähriger vom Gericht in Linz rechtskräftig in ein forensisch-therapeutisches Zentrum eingewiesen.
- Der Mann feuerte neun Schüsse auf Cobra-Beamte ab, nachdem er zuvor bereits auf einen Nachbarn und dessen Sohn geschossen hatte, woraufhin ein Cobra-Beamter ihn am linken Arm traf und dieser amputiert werden musste.
- Die Unterbringung wurde mit einer seit dem 18. Lebensjahr bestehenden schweren psychischen Erkrankung und seit 2022 auftretenden Wahnideen begründet, weshalb der Mann zum Tatzeitpunkt als nicht zurechnungsfähig galt.
