Schneechaos im Süden: 3.000 Kärntner Haushalte ohne Strom

07. Dez 2020 · Lesedauer 4 min

Teile Osttirols und Kärntens versinken im Schnee. Montagfrüh waren noch zahlreiche Straßen gesperrt. Wetterberuhigung ist erst für Montag angesagt. 3.000 Haushalte in Kärnten waren Montagfrüh noch ohne Strom.

Anhaltend starke Schneefälle haben am Samstagabend in Prägraten am Großvenediger in Osttirol zu einem Lawinenabgang geführt. Dabei wurden drei Häuser sowie ein Fahrzeug beschädigt. Verletzt wurde laut Polizei jedoch niemand. Bereits davor waren 29 Personen zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert worden. Teile Osttirols und Kärntens versinken im Schnee, es gibt Verkehrsbehinderungen und Stromausfälle. Wetterberuhigung ist erst für Montag angesagt.

3.000 Haushalte in Kärnten ohne Strom

In ganz Kärnten wurden seit Sonntagfrüh 300 Feuerwehreinsätze durchgeführt. Mehr als 2.000 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Montagfrüh waren noch zahlreiche Straßen gesperrt, 3.000 Haushalte waren ohne Strom. In den stark von den Schneefällen betroffenen Regionen in Kärnten - also dem Möll- und dem Lesachtal - bleiben die Schulen geschlossen. 

Vor dem Lawinenabgang hatte die Gemeindeeinsatzleitung Prägraten am Nachmittag insgesamt 29 Personen aufgefordert, ihre Wohnhäuser zu verlassen und ihren Aufenthalt vom westlichen in den östlichen Ortsteil von Bobojach zu verlegen. Rund 90 weiteren Personen in den Ortsteilen Bichl, Wallhorn und nördlich des Dorfzentrums wurden evakuiert. Die Feuerwehr Prägraten, die Bergrettung, Gemeindearbeiter und die Alpinpolizei Lienz standen im Einsatz.

Lawinenwarnstufe 4 für Osttirol

Teile Osttirols und Kärntens versinken im Schnee. Schon in der Nacht auf Samstag war die Schneedecke um bis zu 70 Zentimeter gewachsen. Das Lesachtal ist von Kärnten her nicht erreichbar. Auch im oberen Gailtal kam es zu Behinderung wegen der Neuschneemenge von über einem halben Meter. Am Spätnachmittag ging der Schneefall teils in Schneeregen über. Mancherorts herrschte rote und damit höchste Wetterwarnung.

Gesperrt waren Montagfrüh neben Bergstraßen auch einige Hauptverkehrsverbindungen. So waren die Großglockner Straße (B107) und die Mölltal Straße (B106) an mehreren Stellen wegen Lawinengefahr und Schneebruchs nicht befahrbar.

Von der Außenwelt abgeschnitten war weiterhin das Lesachtal, die Straße ab Kötschach-Mauthen war ausschließlich für Einsatzfahrzeuge befahrbar. Kein Durchkommen gab es auch am Iselsberg zwischen Kärnten und Osttirol und am Plöckenpass in Richtung Italien, auf zahlreichen weiteren höhergelegenen Straßen galt Kettenpflicht.

Verkehrswege waren in den Bezirken Hermagor, Feldkirchen und Spittal an der Drau wenn überhaupt, dann nur mit Schneeketten benützbar. Die örtlichen Freiwilligen Feuerwehren und Straßenmeistereien bereiteten sich angesichts der hohen Schneemengen innerhalb von 24 Stunden auf umfangreiche Einsätze vor. Weil es wärmer wurde, gingen an einigen Orten wie Dellach im Drautal, Kötschach-Mauthen und Mallnitz der Schnee in Schneeregen oder Regen über.

Am Montag haben die Experten des Lawinenwarndiensts Tirol für Osttirol die Gefahr am Montag mit der Stufe 4, also große Gefahr, angegeben. In Nordtirol herrschte verbreitet Lawinenwarnstufe 3, also erhebliche Gefahr. Auch hier waren an steilen Grashängen Nass- und Gleitschneelawinen zu erwarten. 

Prognose der Schneemengen in den Niederungen ist schwierig

"Die genaue Prognose der Schneemengen in den Niederungen ist schwierig, da die Schneefallgrenze je nach Region und Intensität des Niederschlags zwischen Tallagen und über 1.500 Meter Seehöhe schwankt", erklärte Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). "Am meisten schneit es aber in den Tälern in Osttirol und in Oberkärnten, speziell im Lesachtal und im Oberen Mölltal. Hier kommen am Wochenende nochmals 70 bis 130 Zentimeter Neuschnee dazu."

Wegen umgestürzter Bäume auf Stromleitungen waren in Osttirol Samstagnachmittag 500 Haushalte ohne Strom. Bei den betroffenen Gemeinden handelte es sich um Matrei in Osttirol, Kals am Großglockner, Ainet, Schlaiten, Nikoldsdorf und Tristach. In der Spitze waren Samstagfrüh kurzfristig rund 3.500 Haushalte ohne Strom.

Am Montag werden Regen und Schneefall schwächer

Am Montag werden Regen und Schneefall im Süden und Westen Österreichs schwächer oder legen überhaupt Pausen ein. In der weiteren Entwicklung gibt es dann noch Unsicherheiten, sagt ZAMG-Meteorologe Hohnwarter: "Mitte der Woche entwickelt sich wahrscheinlich ein weiteres Italien-Tief und es schneit und regnet erneut, wenn auch nicht so stark wie an diesem Wochenende. Allerdings wird die Zugbahn dieses Tiefs von den Vorhersagemodellen noch sehr unterschiedlich berechnet und damit auch die Auswirkungen auf Österreich."

 

Der Artikel wurde am 07.12.2020 um 08:35 Uhr und um 08:55 Uhr aktualisiert.

Quelle: Agenturen