APA - Austria Presse Agentur

Schlamperei-Vorwürfe gegen Biontech-Studie: Experten beschwichtigen

04. Nov 2021 · Lesedauer 2 min

Bei einer kleinen Biontech/Pfizer-Studie in den USA (n=1.000) soll geschlampt worden sein - weltweit nahmen 44.000 Freiwillige an Studien teil. Biontech will Vorwürfe prüfen.

Gegen Ventavia, ein mit Studien zum Corona-Impfstoff beauftragtes Subunternehmen von Pfizer in den USA, sind schwere Vorwürfe laut geworden. Wie das Fachjournal "British Medial Journal" (BMJ) unter Berufung auf eine Ex-Mitarbeiterin berichtete, soll die Firma aus  Texas bei Studien zum Impfstoff von Biontech/Pfizer Daten gefälscht und bei der Nachverfolgung von Nebenwirkungen geschlampt haben. Die Frau hatte im Herbst 2020 zwei Wochen für ein Subunternehmen gearbeitet, das im Auftrag von Pfizer einen Teil der Studie zum mittlerweile weltweit eingesetzten Impfstoff durchführte. Sie warf ihrem ehemaligen Arbeitgeber vor, falsche Impfdaten generiert zu haben, weil unter anderem Laborproben falsch etikettiert, der Impfstoff falsch gelagert und Berichten über Nebenwirkungen nur schleppend nachgegangen worden sei.

1.000 von 44.000 Probanden

Laut ntv.de untersuchte das Unternehmen die Wirkung des Impfstoffes an tausend Testpersonen. Weltweit nahmen 44.000 Probanden teil. Damit spielt Ventavia eine recht kleine Rolle. Trotz Vorwürfen von Schlamperei sehen Experten die Wirksamkeit des Mittels nicht infrage gestellt. Ein Artikel im Fachmagazin "The BMJ" über Unregelmäßigkeiten und Fehler reiche nicht aus, "um an der Qualität der klinischen Studie von Biontech/Pfizer zu zweifeln", sagte Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Universität Tübingen.

"Das, was die Whistleblowerin aufgedeckt hat, ist ohne Frage unschön", sagt Experte Kremsner. Doch: "Das ist mir einfach zu wenig. Die Impfdaten wurden schon in zahlreichen Studien bestätigt."

Ähnlich äußert sich auch Oliver Cornely, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Klinische Studien Köln. "Die im "The BMJ"-Artikel geschilderten Fehler schränken die Aussagekraft der Zulassungsstudie des Impfstoffs nicht ein", erklärt er. Die Untersuchungszentren des Subunternehmens hätten zudem nur 2,3 Prozent der 44.000 Teilnehmer der Studie betreut.

Biontech will Vorwürfe prüfen

Biontech will den Berichten nachgehen. "Die sorgfältige Umsetzung und Datenerhebung in klinischen Studien hat für Biontech höchste Priorität", sagte am Donnerstag eine Sprecherin des deutschen Unternehmens der dpa. "Wir nehmen Aussagen, wie die im Artikel gemachten, ernst und prüfen sie umgehend nach der Kenntnisnahme", hieß es.

Hinweis: Der Artikel wurde um 11.30 Uhr um die Stellungnahme von Biontech ergänzt.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe