Rund 27.000 Teilnehmer bei Corona-Demos in Wien - Demo-Organisator festgenommen

15. Jan. 2022 · Lesedauer 4 min

In Wien versammelten sich am Samstag wieder Tausende Impfgegner, Coronaleugner und Verschwörungstheoretiker, um gegen Impfpflicht und Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. FPÖ-Chef Herbert Kickl kündigte einen "richtigen Tanz im Parlament" gegen Impfpflicht an.

Laut PULS 24 Reporter Jakob Wirl werden die von der Polizei im Vorfeld der Demo ankündigten Kontrollen "rigoros umgesetzt". Ab Samstagmittag kontrollierte die Exekutive am Wiener Heldenplatz. Es gab Organmandate, Anzeigen und laut Polizeisprecher Christopher Verhnjak auch eine Festnahme, weil sich ein Aktivist trotz mehrerer Aufforderungen geweigert hatte, eine Maske aufzusetzen.

PULS 24 Reporter Jakob Wirl berichtet vom Heldenplatz, wo die Corona-Demo mit einer Auftaktkundgebung gestartet ist.

Ab etwa 12.00 Uhr hatten sich die Demoteilnehmer auf dem Heldenplatz und auf dem Maria-Theresienplatz versammelt. Auch im Votivpark gab es eine Kundgebung. Die Auftaktkundgebung allein dauerte bis kurz vor 16.00 Uhr, bevor sich die Demonstranten zu einer Runde um den Ring in Bewegung setzten. Verhnjak zufolge gab es zunächst keine größeren Zwischenfälle.

Die Polizei, die mit über 1.000 uniformierten und zivilen Polizistinnen und Polizisten im Einsatz ist, sprach am Nachmittag von jedenfalls mehreren Tausend Teilnehmern. Am Abend teilte sie via Twitter mit, dass rund 27.000 Menschen an den Demos in Wien teilnehmen. 

Kickl macht Stimmung gegen Regierung und Presse

Hauptredner bei der Auftaktkundgebung war FPÖ-Chef Herbert Kickl. Er verunglimpfte die Regierung ("Frankenstein alias Mückstein"), meinte unter anderem "die Regierung ist tot, die Demokratie lebt" und machte abermals gegen Journalisten Stimmung. Diese würden sich wohl nur mit falschem Bart unter die Demo-Teilnehmer trauen, höhnte er. Bei vergangenen Corona-Demos war es immer wieder zu Übergriffen auf Journalisten gekommen.

Besonders heftig kritisierte der FPÖ-Obmann die geplante Impfpflicht: "Verfassungsrechtlich ist dieses Gesetz nichts anderes als eine Vergewaltigung der Grund- und Freiheitsrechte." Und auch medizinisch sei nichts von den genannten Gründen für die Impfpflicht übriggeblieben. Kickl forderte auch die Abschaffung anderer Corona-Regeln wie die Maskenpflicht oder den Lockdown für Ungeimpfte.

Horacek analysiert Kickl-Rede auf Corona-Demo

Als Redner traten neben weiteren FPÖ-Vertretern wie NÖ-Obmann Udo Landbauer und Generalsekretär Michael Schnedlitz der Maßnahmen-Gegner Michael Rutter und der Mediziner Andreas Sönnichsen auf. Dieser war im Herbst von der MedUni Wien gekündigt worden, weil er sich laut Universität nicht an die Corona-Vorgaben gehalten und offenbar auch Studierende aufgefordert hatte, diese zu ignorieren. Darüber hinaus seien Weisungen nicht befolgt worden, so die MedUni im vergangenen Dezember.

Rund 1.500 Teilnehmer am Heldenplatz

Zur Auftaktveranstaltung am Heldenplatz fanden sich am frühen Samstagnachmittag zunächst rund 1.000 Teilnehmer ein, berichtete PULS 24 Reporter Jakob Wirl vor Ort. Im Laufe der Veranstaltung füllte sich der Platz dann allerdings mit rund 1.500 Personen. Unter den Teilnehmern befand sich augenscheinlich auch der ehemalige FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

"Fake-Polizisten" angezeigt

Mehrere Demo-Teilnehmer waren in Fantasie-Uniformen mit der Aufschrift "Personenschutz" gekleidet, die auf den ersten Blick allerdings Polizeiuniformen zum Verwechseln ähnlich sehen.

Dem Polizeisprecher zufolge wurden diese nach dem Sicherheitspolizeigesetz angezeigt, weil sie polizeiähnliche Uniformteile verwendeten. Zusätzlich hatten sie Pfeffersprays bei sich, was ebenfalls verboten ist. Konfisziert wurde auch eine Reichkriegsflagge, ermittelt wird in diesem Fall unter anderem wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz bzw. des Abzeichengesetzes.

Holocaust verharmlosenden Sujets

Auf Twitter kursierten auch Fotos mit den Holocaust verharmlosenden Sujets. So war auf einem Schild ein Foto des nationalsozialistischen Diktators Adolf Hitler mit dem Spruch "Impfen macht frei" zu sehen. Es handelte sich um eine offensichtliche Anlehnung an den Spruch "Arbeit macht frei" an den Eingangstoren von Nazi-Konzentrationslagern. Die Polizei twitterte daraufhin: "Die Person wurde bereits angehalten und zur Anzeige gebracht. Das Plakat wurde sichergestellt."

Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) ließ am Samstagabend mitteilen: "Erneut kam es heute zu absolut inakzeptablen antisemitischen Zwischenfällen in der Wiener Innenstadt. Erneut wurde von manchen das hohe Gut des Demonstrationsrechts missbraucht, um dieses verabscheuungswürdige Gedankengut zu verbreiten. Das ist schockierend und aufs Schärfste zu verurteilen."

Stephan HoferQuelle: Agenturen / Redaktion / hos/apb