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Rückgang von Schnee und Gletschern wirkt auf Wasserhaushalt

Heute, 05:00 · Lesedauer 3 min

Das zweite Zwischenergebnis zum Forschungsprojekt "Wasser im Klimawandel" konzentriert sich auf die Auswirkungen schwindender Schneedecken und Gletscher auf den österreichischen Wasserhaushalt. Erneut zeigt sich hier eine künftig ungleichmäßigere Verfügbarkeit von Wasser in der Zukunft. Anpassungsmaßnahmen, um regionale Engpässe abzufedern, wären etwa eine stärkere Vernetzung der Versorgungssysteme oder eine auf die Entwicklung angepasste Steuerung von Stauseen.

Das berichtete die Sektion Wasserwirtschaft des Umweltministeriums in einer Aussendung am Mittwoch. "Die sichtbaren Veränderungen bei Gletschern und Schnee werden sich den Ergebnissen zufolge fortsetzen. Die Studie hilft uns zu verstehen, welche Folgen das für unseren Wasserhaushalt hat und wo wir gezielt sinnvolle Maßnahmen setzen können", wurde der zuständige Minister Norbert Totschnig (ÖVP) zitiert. Ziel sei es, die Versorgung mit der "wertvollen Ressource" langfristig sicherzustellen.

Sowohl der Rückgang der Schneedecken wie auch jener der Gletscher werden seit Jahrzehnten beobachtet. Zwischen 1960 und 2020 hat die Schneedeckendauer in tiefen Lagen bereits um rund 60 Prozent abgenommen, die mittlere Schneehöhe um etwa 70 Prozent. Ein Schneemodell, das im Rahmen der Studie entwickelt wurde, geht von einer weiteren Reduktion der mittleren Schneehöhe bis zur Jahrhundertmitte in niederen Lagen (0-500 Meter) um etwa die Hälfte im Vergleich zu heute aus. Für mittlere Lagen zwischen 500 und 1.000 Metern verringert sie sich um rund 35 Prozent - beides jeweils unter der Annahme von einem Temperaturanstieg von einem Grad bis 2050.

Wolfgang Schöner vom Institut für Geografie und Raumforschung an der Universität Graz, der für die Studie zum Thema Schnee und Eis forscht, verwies auf die Folgen von früheren Schneeschmelzen als Folge der Klimakrise: "Abflussmaxima rücken zeitlich nach vorne; im Sommer steht tendenziell weniger Wasser zur Verfügung." Besonders sei die Höhenlage um die Nullgradgrenze, wo sich entscheide, ob Niederschlag als Schnee oder Regen fällt. Diese Grenze verschiebe sich seit den 1980ern alle zehn Jahre 120 bis 140 Meter nach oben.

Einen negativen Beitrag leistet hier auch das bereits bekannte und wohl unaufhaltsame, rasante Abschmelzen der heimischen Gletscher. Sie haben eine wichtige Speicherfunktion, halten Wasser zurück und geben es in wärmeren und trockeneren Zeiten ab. "Dieser Beitrag nimmt deutlich ab, was insbesondere in hochalpinen Einzugsgebieten Auswirkungen haben wird", so Schöner. Als Alternative sei eine Identifikation alternativer Wasserquellen für Infrastruktur im Hochgebirge nötig, die bisher auf Gletscherwasser angewiesen ist.

(S E R V I C E - Der Endbericht zu "Wasser im Klimawandel" erscheint Ende 2026 und wird detaillierte Prognosen bis 2100 für Österreich enthalten. Weiterführende Informationen unter wasseraktiv.at/wasser-im-klimawandel)

Zusammenfassung
  • Die Schneedeckendauer in tiefen Lagen Österreichs hat sich zwischen 1960 und 2020 um rund 60 Prozent verkürzt, während die mittlere Schneehöhe um etwa 70 Prozent abgenommen hat.
  • Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird eine weitere Reduktion der mittleren Schneehöhe um etwa 50 Prozent in niederen Lagen (0-500 Meter) und um rund 35 Prozent in mittleren Lagen (500-1.000 Meter) erwartet, sofern die Temperatur um ein Grad steigt.
  • Das Abschmelzen der Gletscher schwächt die natürliche Wasserspeicherung, wodurch besonders in hochalpinen Gebieten alternative Wasserquellen und eine stärkere Vernetzung der Versorgungssysteme notwendig werden.