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Raketen-Einschlag? Polen versetzt Streitkräfte in erhöhte Bereitschaft

15. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Am Dienstag kam es in einem polnischen Dorf nahe der ukrainischen Grenze zu einer Explosion mit zwei Toten. Laut US-Geheimdienst ist eine russische Rakete eingeschlagen, Polen bestätigte das nicht offiziell, beschloss aber noch am Dienstag in der Nacht, Teile der Streitkräfte in erhöhte Bereitschaft zu versetzen.

Laut US-Geheimdienst seien mehrere russische Raketen in Polen eingeschlagen und hätten zwei Todesopfer gefordert, wie die Nachrichtenagentur AP schreibt. Weder die polnische Regierung noch das US-Verteidigungsministerium haben die Berichte offiziell bestätigt. 

Der polnische Hörfunk-Sender ZET berichtete, zwei verirrte Raketen seien in Przewodow nahe der Grenze zur Ukraine niedergegangen. Die Feuerwehr bestätigt die Explosion und die beiden Todesopfer. "Feuerwehrleute sind vor Ort, es ist unklar, was geschehen ist", sagte der diensthabende Beamte.

Erhöhte Bereitschaft der Streitkräfte

Noch am Dienstagabend kam in Polen der Sicherheitsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Polen versetzt Teile seiner Streitkräfte in Bereitschaft. Die Explosion und die beiden Toten wurden bestätigt, über Russland wurde offiziell jedoch nichts gesagt. Die Regierung wolle prüfen, ob man den Nato-Artikel 4 beantragen wolle, also eine Konsultation mit anderen Nato-Staaten über die "Unversehrtheit" des polnischen Gebiets.  

Russland dementierte Attacken

Das russische Militär wies Berichte über den Absturz angeblich russischer Raketen auf ein polnisches Dorf nahe der Grenze zur Ukraine als "gezielte Provokation" zurück. Es seien keine Ziele im ukrainisch-polnischen Grenzgebiet beschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Dienstagabend mit. Auch die in polnischen Medien verbreiteten Fotos angeblicher Trümmerteile hätten nichts mit russischen Waffensystemen zu tun, hieß es.

EU "steht an der Seite Polens"

Die Europäische Union steht nach den Worten von EU-Ratspräsident Charles Michel an der Seite Polens. Er stehe zudem mit den polnischen Behörden, Mitgliedern des Rates und anderen Verbündeten in Kontakt, schrieb Michel auf Twitter.
 

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg gab auf Twitter bekannt, dass die NATO die Situation prüfe und die Mitgliedsstaaten sich beraten. Es sei wichtig, so Stoltenberg, zuerst alle Fakten zusammenzutragen. 

USA mit Bestätigung zurückhaltend

Außerdem erklärte das Pentagon, Berichte über den Raketeneinschlag prüfen zu wollen. Die Presseberichte seien dem Pentagon bekannt, sagte ein Sprecher in Washington. Zum jetzigen Zeitpunkt habe das Ministerium aber keine Informationen, die diese Berichte bestätigen könnten. "Wenn wir ein Update zur Verfügung stellen können, werden wir dies tun", sagte der Sprecher weiter.

Eine Stellungnahme der Regierung in Moskau lag zunächst nicht vor. Russland hatte am Dienstag Dutzende Ziele in der Ukraine mit Raketen angegriffen. Die ukrainische Luftwaffe berichtete von 100 Geschossen.

 

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam