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Prozess um gestohlenen 400 Jahre alten Wandteppich

25. März 2022 · Lesedauer 3 min

Die Tat hatte im Sommer 2021 für Aufregung gesorgt: Am 1. August stieg ein Unbekannter in die Residenz der US-Botschaft in Wien-Döbling ein und stahl einen 400 Jahre alten Wandteppich. Zwei Monate später konnte der Dieb ausgeforscht werden. Es handelte sich um den ehemaligen Butler der Botschaft, der sich in dem Gebäude gut auskannte. Er wurde am Freitag zu einem Jahr bedingte Haft rechtskräftig verurteilt. Der Mann hatte aus Geldnot gehandelt.

Da das Gebäude im Besitz der Ländervertretung ist, wurde zunächst auch das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung hinzugezogen. In akribischer Arbeit konnte der 29-Jährige, der bereits versuchte, das Wandbild über das Darknet zu verkaufen, ausgeforscht und festgenommen werden. Zwei Monate saß der Südamerikaner in Haft, zeigte sich aber von Anfang an geständig. Nach seiner Arbeit in der Botschaft im Jahr 2020 hatte er ein Restaurant eröffnet, zwei Monate später brach die Pandemie aus. Seitdem war er von Schulden geplagt, meldete sogar Privatinsolvenz an.

Da kam er auf die Idee, in die Residenz, die zum Zeitpunkt des Einbruchs leer stand, einzubrechen. Zunächst kroch er durch einen aufgebogenen Zaun, danach kletterte er über die Fassade auf einen Balkon. Indem er sich gegen die Balkontür stemmte, konnte er in die Räume eindringen. Er holte den Teppich mit einer Größe von 280 mal 259 Zentimetern von der Wand und hängte stattdessen ein Leintuch hin. Um die Tat zu vertuschen, legte er mit Hilfe eines Brandbeschleunigers Feuer, was ihm neben der Anklage wegen schweren Diebstahls durch Einbruch auch eine Anklage wegen schwerer Sachbeschädigung einbrachte.

Laut Sachverständigen hat der Wandteppich einen Wert von 45.000 bis 55.000 Euro. Auf dem Werk von Jan Gheteels sind Atlas und Fortuna als Schutzpatrone der Welt zu sehen. "Ich habe zufällig erfahren, dass der Teppich was wert ist", sagte der Beschuldigte Richterin Mona Zink. In dem Gebäude kannte er sich aus, weil er früher dort Veranstaltungen abgehalten habe. Er habe gehofft, mit dem Diebstahl eine Lösung für seine triste Situation zu finden. "Durch den Stress und dem Druck habe ich diese Entscheidung getroffen", sagte er.

Sein Anwalt Arthur Machac plädierte für ein mildes Urteil, damit sein Mandant weiter in Österreich bleiben kann. Mittlerweile hat er einen Job als Restaurantleiter angenommen. "Wir wollen die Kirche bzw. den Teppich im Dorf lassen", meinte auch die Staatsanwältin und verwies ebenfalls auf den bisher tadellosen Lebenswandel des 29-Jährigen. "Ich bin der Meinung, dass man hier nicht mit voller Härte des Gesetzes vorgehen muss." Bei einem Strafrahmen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren fand die Richterin bei zwölf Monaten das Auslangen. Die Strafe wurde für eine Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen.

Quelle: Agenturen