Prozess in Salzburg wegen Handels mit 215 Kilo Drogen
Der 31-jährige Hauptangeklagte kam nicht zur Verhandlung, er sei während der Anreise erkrankt, sagte sein Verteidiger. Der Prozess gegen zwei nicht geständige Angeklagte wurde fortgesetzt.
Die in Salzburg lebenden Angeklagten seien arbeitsteilig vorgegangen, erklärte die Staatsanwältin in dem Schöffenprozess. Insgesamt sollen 116 Kilo Cannabis, 55 Kilo Kokain, 43 Kilo Speed sowie 6.800 Stück Ecstasy mit beträchtlichen Gewinnen verdealt worden sein. Allein der Verkaufswert von 55 Kilo Kokain beträgt auf dem Schwarzmarkt mehrere Millionen Euro.
Als ein Haupttäter wurden der 31-jährige Zweitangeklagte genannt, der sich zuletzt offenbar in der Türkei aufhielt und der Verhandlung offenbar wegen einer Erkrankung fern blieb, und der bisher unbescholtene, 28-jährige Viertangeklagte, der sich nicht geständig zeigte. Die beiden sollen im Darknet enorme Mengen an Cannabis und Speed in den Niederlanden bestellt und sich die jeweiligen Drogenpakete an eine Paketstation in Freilassing in Bayern, nahe an der Grenze zu Salzburg, liefern lassen haben. Von dort sollen sie das Suchtgift nach Salzburg gebracht haben. Das Kokain wurde laut Anklage von einem Großlieferanten in Wien bezogen.
Die Beschuldigten wurden im Rahmen einer internationalen Polizeioperation ausgeforscht. Angaben der Staatsanwältin zufolge haben sie über den vermeintlich unentschlüsselbaren Kryptomessengerdienst Sky ECC gechattet. Im Zuge der internationalen Operation gelang es den Ermittlern, die Sky-ECC-Pins von Hunderten potenziellen Dealern, viele davon leben wie die fünf Angeklagten in Österreich, zu identifizieren und ihre Chats zu entschlüsseln.
Drogen-Packungen in Wohnungen gebunkert
Der Akt in dieser Causa umfasse über 10.000 Seiten in 17 bis 18 Ordnern, erklärte die vorsitzende Richterin. Es sei alles "schwarz auf weiß" dokumentiert. Es gebe zahlreiche Lichtbilder von Packungen an Geldscheinen und Drogen in Wohnungen von Angeklagten. Aus dem Chatverlauf gehe hervor, dass "Schlag auf Schlag" bestellt und geliefert worden sei, mit Angabe der jeweiligen Adressen. Aus Sicht des Gerichtes gebe es hier keine Zweifel.
Auch die Luxusgüter, die sich Angeklagte mit dem Geld aus dem Verkauf der Drogen gekauft haben sollen, beispielsweise teure Autos der Marken Ferrari und Porsche sowie Rolex-Uhren, seien den Beschuldigten zuzuordnen, sagte die Richterin mit Verweis auf die umfangreiche Aktenlage. "Man sieht die Zusammenhänge."
Prozess für mehrere Tage anberaumt
Der 31-jährige Erstangeklagte, der in dem Verfahren als Mitläufer gilt, und der 29-jährige, unbescholtene Drittangeklagte bekannten sich laut ihrem Verteidiger schuldig. Mit der Einfuhr an Suchtgift hätten sie aber nichts zu tun. Die beiden Männer wurden bereits am ersten Verhandlungstag schuldig gesprochen. Der Prozess ist für mehrere Tage anberaumt.
Der bisher unbescholtene, 28-jährige Viertangeklagte und der ebenfalls 28-jährige Fünftangeklagte, der offenbar eine untergeordnete Rolle spielte, zeigten sich nicht geständig, obwohl die Richterin ihnen eindringlich nahe legte, dass ein Geständnis der wesentlichste Milderungsgrund sei. Der Verteidiger des Viertangeklagten sagte, der Chatverkehr sei der einzige Belastungsbeweis. Es gebe keine Fingerabdrücke und keine biometrische Zuordnung, "nur Indizien". Eine zentrale Frage in dem Beweisverfahren sei, "wer hat die ganzen Chats geschrieben? Es könnte ja jemand anders das Handy benutzt haben". Der Verteidiger plädierte auf einen Freispruch im Zweifel.
Der Verteidiger des Fünftangeklagten erklärte, der Beschuldigte habe keinen einzigen Chat selber geschrieben, "er hat keinen Sky ECC-Pin gehabt" und er habe keine Drogen in der Wohnung der Mutter gebunkert, in der sein Mandant in einem Zimmer lebt. "Er hat auch keine Drogen bestellt." Der Angeklagte sei im Jahr 2024 in einem Suchtmittelverfahren freigesprochen worden.
Das Verfahren gegen den Zweitangeklagten, der nicht zum Prozess gekommen ist, wurde getrennt.
Zusammenfassung
- Fünf Männer im Alter von 28 bis 31 Jahren stehen in Salzburg wegen Handels mit rund 215 Kilo Drogen, darunter 116 Kilo Cannabis, 55 Kilo Kokain, 43 Kilo Speed und 6.800 Ecstasy-Tabletten, vor Gericht.
- Zwei Angeklagte gestanden und wurden bereits am ersten Verhandlungstag zu jeweils vier Jahren unbedingter Haft verurteilt, während das Verfahren gegen den erkrankten Hauptangeklagten abgetrennt wurde.
- Die Ermittlungen erfolgten im Rahmen einer internationalen Polizeioperation, bei der verschlüsselte Chats über Sky ECC entschlüsselt und über 10.000 Seiten Akten sowie zahlreiche Fotos von Drogen und Luxusgütern sichergestellt wurden.
