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Prävention wirksam gegen neurologische Erkrankungen

Heute, 10:14 · Lesedauer 3 min

Hierzulande erleiden jedes Jahr etwa 20.000 Menschen einen Schlaganfall - statistisch gesehen eine Person alle 27 Minuten. Die Zahl der an Demenz erkrankten Männern und Frauen liegt aktuell bei etwa 170.000, mit deutlich steigender Tendenz. Neurologische Erkrankungen sind weltweit die Hauptursache für eine Zunahme an Lebensjahren mit Behinderung. Die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) erinnerte am Mittwoch nochmals an die enormen Vorteile von Prävention.

Die Erkrankungen bedeuten nicht nur für die Betroffenen und ihre Angehörigen große Herausforderungen, sondern auch für das Gesundheitssystem. Für die EU-27-Staaten sowie die Schweiz, Island und Norwegen wurde eine jährliche finanzielle Belastung von rund 800 Milliarden Euro durch neurologische Erkrankungen ermittelt, schreibt die ÖGN. Die Summe übersteige die Kosten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um das Dreifache.

Großes Potenzial sieht die Gesellschaft in der Prävention: "Wir wissen heute, dass mit entsprechender Lebensstilmodifikation bis zu 80 Prozent aller Schlaganfälle und bis zu 45 Prozent aller Demenzen verhindert oder verzögert werden können. Prävention ist möglich - das ist eine enorme Chance für die öffentliche Gesundheit", sagte Neurologin Julia Ferrari, Leiterin der Abteilung für Neurologie, Neurologische Rehabilitation und Akutgeriatrie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. Sie wird im April das Amt als ÖGN-Präsidentin antreten.

Als zentrale Maßnahmen für eine Schlaganfallprävention werden Nichtrauchen, mediterrane Ernährung und ausreichend körperliche Bewegung genannt. Zudem wirke Gewichtskontrolle sowie geringer Alkoholkonsum positiv. "Alkohol ist nun einmal ein Zellgift", sagte Ferrari. Weitere bekannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes sollten zumindest optimal behandelt werden.

Auch die Möglichkeit Demenz vorzubeugen, sei erheblich. Dabei gibt es laut aktuellem Bericht der Lancet Commission aus dem Jahr 2024 drei Ansätze in drei Lebensphasen. In jungen Jahren sollte die Bildung im Vordergrund stehen. Im mittleren Lebensalter werden konsequente Behandlung klassischer vaskulärer Risikofaktoren (vor allem Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen sowie frühzeitige Hörgeräteversorgung) empfohlen. Im höheren Alter gelten die Behandlung von Depressionen und die Vermeidung von sozialer Isolation als positive Faktoren.

Impfungen als zentraler Baustein

Als zentraler Baustein wurden auch Impfungen hervorgehoben. "Fast vergessen und überschattet durch die Diskussion über die Covid-Impfungen ist der Erfolg von Impfen gegen Gehirnhaut- und Gehirnentzündungen (Meningitis, Enzephalitis)", sagte Jörg R. Weber, Präsident der ÖGN und Vorstand der Neurologie im Klinikum Klagenfurt.

Veränderungen erfährt das Feld der Neurologie durch die digitale Entwicklung, wie die Experten der ÖGN im Vorfeld der Jahrestagung in Villach sagten. Die neuen Methoden hätten großes Potenzial, die Lebensqualität der Menschen zu erhöhen, aber mit Einschränkungen: "Die Sorge vor halluzinierenden KI-Modellen ist berechtigt. Die Systeme funktionieren nicht ohne menschliche Kontrolle - aber die moderne Medizin wird künftig auch nicht mehr ohne KI auskommen", so Roland Wiest vom Universitätsinstitut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Inselspital Bern.

Zusammenfassung
  • Jährlich erleiden rund 20.000 Menschen in Österreich einen Schlaganfall, und etwa 170.000 leben mit Demenz – beide Erkrankungen nehmen weiter zu.
  • Neurologische Erkrankungen verursachen in der EU, Schweiz, Island und Norwegen eine jährliche finanzielle Belastung von rund 800 Milliarden Euro, das ist dreimal so viel wie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Bis zu 80 Prozent aller Schlaganfälle und 45 Prozent aller Demenzen könnten durch Prävention wie Nichtrauchen, mediterrane Ernährung, Bewegung und Impfungen verhindert oder verzögert werden.