Polizisten hörten Knall, eröffneten Feuer: Flüchtender 14-Jähriger verletzt

26. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

In St. Johann in Tirol (Bezirk Kitzbühel) schossen am Freitagfrüh in der Nähe des Bahnhofes nach einer Verfolgungsjagd Polizisten auf ein Auto und flüchtende Teenager. Dabei wurde ein 14-Jähriger verletzt.

Am Freitag verfolgte die Tiroler Polizei ein zwei Tage vorher als gestohlen gemeldetes Auto, nachdem dieses, statt bei einer Fahrzeugkontrolle in Wörgl anzuhalten, die Flucht ergriff. Die Verfolgungsjagt ging über die  Loferer Straße (B 178) und endete beim Bahnhof in St. Johann. Der flüchtende Wagen fuhr dort auf den Gleiskörper und konnte nicht mehr weiter, wie die Tiroler Polizei bei einer Pressekonferenz sagt. 

Auto fuhr auf Gleise, blieb stecken - dann knallte es

Die Beamten hätten sich dem Wagen zu Fuß genähert, erklärte die Polizei, als sie einen lauten Knall hörten. Das Auto habe sich noch langsam fortbewegt, daraufhin eröffneten die Polizisten das Feuer. Im Auto saßen drei Teenager, zwei 14-jährige Österreicher und ein 13-jähriger Russe, die bereits polizeibekannt waren.

Einer der 14- und der 13-Jährige flüchteten daraufhin, ein 14-Jähriger wurde zweimal getroffen, einmal in die Schulter, einmal in die linke Hand. Im Heck des Autos wurden anschließend neun Einschusslöcher gezählt. Der Verletzte wurde ins Spital nach St. Johann gebraucht und später nach Innsbruck überstellt, wo er operiert wurde. Im Kastenwagen wurde keine Waffe gefunden. 

Anwalt: Unabhängige Stelle sollte untersuchen nicht "die Polizei, die sich anschaut, ob die Polizei gute Arbeit geleistet hat".

Flüchtende nach zwei Stunden festgenommen

Die beiden geflüchteten Jugendlichen konnten zwei Stunden später gefunden und widerstandslos festgenommen werden. Ihnen wurde in der Vergangenheit unter anderem Nötigung, Körperverletzung und unbefugten Gebrauchs von Kfz vorgeworfen. 

Wie die Polizei bekanntgab, dürften vor der Verfolgungsjagd noch zwei weitere 13-Jährige mit im Auto gewesen sein, diese verließen den Wagen aber vor der Polizeikontrolle. Sie wurden bei Wörgl ebenfalls festgenommen. 

Bei einer späteren Untersuchung des Autos stellten die Beamten fest, dass zwei der Reifen beschädigt wurden. Das Auto wurde war bei der Verfolgungsjagd bereits seit zwei Tagen als gestohlen gemeldet. 

APA/APA/ZOOM.TIROL/ZOOM.TIROL

Nachdem die Teenager bei der Fahrzeugkontrolle flüchteten, wurde Verstärkung gerufen, insgesamt waren neun Streifen, eine Diensthundestaffel, die Cobra und eine Drohne im Einsatz. 

Der noch unmündige 13-Jährige wurde kurz befragt, beim 14-jährigen Unverletzten dauerte die Befragung am Freitagnachmittag noch an. Wie es mit dem festgenommen 14-Jährigen weitergehe, entscheidet nun die Staatsanwaltschaft, hieß es. Der 13-Jährige wurde wegen Strafunmündigkeit bereits wieder freigelassen.

Die Frage, ob die Handlung der Beamten überschießend war, wollte LKA-Leiterin Katja Tersch unter Verweis auf weitere anstehende Ermittlungen und Befragungen nicht sagen. Wie in solchen Fällen üblich, übernehme nun ein anderes Landeskriminalamt die Untersuchungen, in diesem Fall jenes von Kärnten. Jedenfalls gelten für Beamte strenge Richtlinien nach dem Waffengebrauchsgesetz, betonte Martin Reisenzein, Bezirkspolizeikommandant von Kitzbühel. Bei den beiden Polizisten handle es sich um solche mit fünf bzw. 36 Jahren Diensterfahrung.

Bahnverkehr unterbrochen

Weil der Kastenwagen auf den Gleisen stand, war laut "ORF Tirol" vorübergehend der Bahnverkehr zwischen Kitzbühel und Hochfilzen betroffen. Zwischen Kitzbühel und St. Johann wurde vorübergehend ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Quelle: Agenturen / Redaktion / pea