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Photovoltaik-Boom: Netzbetreiber fordern leichteren Förderprozess

05. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Photovoltaik boomt, immer mehr Österreicherinnen und Österreicher wollen ihren eigenen Sonnenstrom erzeugen. Das stellt auch die Strom-Netzbetreiber vor neue Herausforderungen - unter anderem wegen Lieferkettenproblemen, Fachkräftemangels und Preissteigerungen. Bei den Förderungen sehen Branchenvertreter einen engen Zeitplan und sprechen sich für Änderungen aus.

Die Anträge für kleine Anlagen würden zunehmen, so Linz-Netz- Geschäftsführer Johannes Zimmerberger am Donnerstag in einer Online-Veranstaltung. Bei den Netzbetreibern von Wien, Niederösterreich, Burgenland, Oberösterreich und Linz wurden im ersten Quartal fast 17.600 kleine Anlagen (Vorjahresquartal: mehr als 10.600) angemeldet , geht aus Daten des Forums Versorgungssicherheit hervor, in dem diese Netzbetreiber vertreten sind. Nach Branchenschätzungen entspricht dies rund der Hälfte der Anträge für kleine Anlagen mit einer Leistung unter 20 kWp in Österreich.

Vier Tage im Jahr für Antragstellung

Rund um die vier Stichtage, an denen Förderanträge eingereicht werden können, gebe es Engpässe, so Zimmerberger. Hier würden sich die Netzbetreiber Gleichmäßigkeit wünschen. Der Zeitplan rund um den Stichtag des Förderantrags sei eng: Der Antrag müsse vor Errichtung bzw. Bestellung der Anlage gestellt werden. Innerhalb von sieben Tagen nach Ziehen des Tickets kann der Antrag dann vervollständigt werden, darunter der Nachweis der Genehmigungen und der geplanten Kosten sowie Angaben zur Überschuss- bzw. Volleinspeisung.

Die Inbetriebnahme für Anlagen bis zu 100 kWp müsse innerhalb von sechs Monaten - mit einer Nachfrist von neun Monaten - erfolgen. Daraus könnten Probleme entstehen, etwa durch Lieferengpässe und Personalmangel bei Installateuren oder Dachdeckern. Die Frustration bei allen Beteiligten sei programmiert. Die Lieferzeiten für elektrische Betriebsmittel wie Transformatoren oder Kabel hätten sich auf bis zu 70 Wochen erhöht, die Preise dafür teilweise verdoppelt. Auch Komponenten für PV-Anlagen seien Mangelware.

Änderungen bei Einspeisung

Beim Förderprozesse sehen die Netzbetreiber eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten. So sollte etwa die Stichtagsregelung überdacht werden, um unnötige Häufungen bei der Antragstellung zu vermeiden. Durch die Konzentration auf die unmittelbar benötigten Daten könne der Prozess beschleunigt werden. Die Verzögerungen durch Engpässe bei Material und Fachpersonal dürften nicht zum Verlust der Zuschüsse führen. Eine Idee wäre ein Aussetzen der Fristen, bis sich die Lage bei diesen Engpässen beruhigt habe und dann wieder nachzuschauen, ob die Anlage in Betrieb ist.

Die Netzbetreiber haben die Pflicht zum Anschluss, wichtig sei, dass er die Anlage integrieren könne. Eine Begrenzung der Leistung in der Spitze würde mehr Anlagen mit höherer Einspeisung ermöglichen. Die maximale Leistung trete nur in wenigen Stunden auf. Wenn die Möglichkeit bestehe, die ins Netz eingespeiste Leistung etwa durch Eigenverbrauch zu reduzieren, könnten mehr Anlagen mit in Summe höherer Erzeugungsmenge ins Netz einspeisen. Selbst ein "Abregeln" auf 95 Prozent der maximalen Leistung würde nur Ertragseinbußen von 0,66 Prozent der Jahresarbeit zur Folge haben.

Quelle: Agenturen / pea