Peter Habeler wird 80 - Bodenständig zum Gipfel, ein Leben lang

18. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Er ist der bekannteste und einer der erfolgreichsten Höhenbergsteiger in der Geschichte Österreichs. Sein Leben war ein einziger Gipfelsturm, ein Über-Sich-Hinauswachsen, eine einzige Überwindung. Aber vor allem eine einzige Freude am "Freund Berg". Er stieg zu den höchsten Höhen und ohne Zusatz-Sauerstoff auf das "Dach der Welt", den Mount Everest. Und blieb doch ein Leben lang "der Peter aus dem Zillertal". Am 22. Juli wird der ewige Sunnyboy Peter Habeler 80 Jahre alt.

Auch der, der ganz hinauf kam, hat einmal klein angefangen: Der am 22. Juli 1942 in Mayrhofen geborene Peter Habeler wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater starb als er sechs Jahre alt war. Von da an kümmerte sich allein seine Mutter um ihn, die ihm aber viel Freiraum ließ. "Ich war schon als Kind auf die Berge fokussiert. Fasziniert von den Bergführern, die bei uns vorbeigefahren sind. Mit den Pickeln und den Seilen. Ich wollte auch Bergführer werden - und bin es geworden. Von diesen Menschen habe ich sehr viel gelernt. Im Prinzip habe ich auch später immer bergführermäßig gedacht. Und habe Verantwortung übernommen", blickte Habeler im APA-Interview zum "80er" auf seine Anfänge zurück. Er blieb auch im Himalaya in gewissem Sinne der "Bergführer Peter" aus dem Zillertal.

Bereits als Elfjähriger unternahm Habeler alleine seine ersten großen Bergtouren, mit 21 Jahren erwarb er das Diplom als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. Mit Einfachheit, Fokussiertheit und Leidenschaft - mit dem Rüstzeug, in dem er auch im Leben bestand, "erging" er sich die Berge. "Es ist ein instinktives Bergsteigen. Minimalistisch. Aus dem Bergsteigen keine Wissenschaft machen. 'Einfach bergsteigen'. Die Sache nicht zu verkomplizieren. 'Keep it simple, stupid', wie die Amerikaner sagen" - dies seien seine Maximen gewesen. Ende der 1960er-Jahre begann eine Ära, in der der Tiroler zusammen mit Reinhold Messner völlig neue Wege im Alpinismus suchte. Mit geringstem technischen Aufwand und leichtester Ausrüstung wurden große Wände in kürzester Zeit durchklettert. Mit dem Rekord-Durchstieg der Eiger-Nordwand im Jahr 1974 in knapp zehn Stunden und der Tour auf den Hidden Peak (8.080 Meter) im darauffolgenden Jahr setzten sie mehr als Ausrufezeichen. In Habelers "8.000er-Lebensbilanz" verewigten sich zudem der Cho Oyu (8.188 Meter), der Nanga Parbat (8.125 Meter) und der Kangchendzönga (8.598 Meter).

Aber ein Datum und ein Berg - obwohl ihn Habeler nicht als den bergsteigerisch schwierigsten bezeichnet - überragt alles: Am 8. Mai 1978 steht das Duo Messner/Habeler ohne zusätzlichen Sauerstoff auf dem Mount Everest (8.848 Meter), dem höchsten Berg der Welt. Ein Moment für die Ewigkeit, eine Erstbesteigung, Peter Habelers ultimativer Triumph. Mit einem Schlag wurden beide weltberühmt- und bekannt, auch bei jenen, die Berge stets nur von unten betrachten.

Eine Legende ist er geblieben - und fit. Morgen stehe der Olperer am Programm, kündigte Habeler am Tag des Interviews an, ein 3.476 Meter hoher Berg im heimatlichen Zillertal. Mit Lebensgefährtin Jutta, einer 46-jährigen Allgemeinmedizinerin, ebenfalls aus dem Zillertal. "Es ist eine Gnade, wenn du 80 wirst und es tut dir nix weh und es geht dir gut", so der sein "Kampfgewicht" von 58 Kilo seit Jahrzehnten haltende Habeler. Und ergänzt schelmisch vorausahnend: "Besser wird ja nicht mehr viel mit dem Alter. Und vielleicht kommt auch irgendwann das Kreuzweh dazu". Den "90er" wolle er aber auf jeden Fall "derpacken, es nützt nix". Und um nachzulegen: "Wenn ich 90 bin werde ich sagen: Denn '100er' müssen wir auch noch packen".

Zum 75. Geburtstag hatte er zusammen mit dem leider bereits verstorbenen Ausnahmetalent David Lama, der als Fünfjähriger einen Kletterkurs bei ihm besuchte, die Eiger-Nordwand abermals über die Heckmair-Route durchklettert. Das würde er sich auch jetzt noch zutrauen, sagte Habeler.

Er sei immer ein "positiver, lustiger Mensch" geblieben, das Negative versuche er zu verdrängen, so Habeler, der in Finkenberg lebt und in Mayrhofen eine Ski- und Alpinschule gegründet hatte. Den "80er" begeht er am Jahrestag mit einem Fest in Mayrhofen. Auch "Freund Reinhold" wird kommen.

Was soll einmal bleiben von ihm? "Wenn sie daheim am Biertisch hocken und sagen: Der war gar nicht so ungut, wie ihr tut, der Peter". Bis dahin wolle er seinem Lebensmotto treu bleiben: "Der Höhe, dem Gipfel, der Sonne entgegen. Auch wenn Nebel ist: Die Sonne ist irgendwo dahinter".

(S E R V I C E - Servus TV sendet heute, Montag, um 20.15 Uhr die Doku "Peter Habeler - Die Berge, mein Leben, meine Freiheit....")

Quelle: Agenturen