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Personalmangel: Wie sieht die Situation in österreichischen Krankenhäusern aus?

28. Juni 2022 · Lesedauer 5 min

In den steirischen Krankenhäusern wird der Personalmangel immer akuter. Betten müssen gesperrt und Operationen verschoben werden. Die Urlaubszeit, aber auch die steigenden Corona-Zahlen erschweren die Lage. Wie sieht die Situation in den anderen Bundesländern aus?

Wie der "ORF Steiermark" berichtet, sollen vermehrt Beschwerden bei der Patienten- und Pflegeombudsstelle eingegangen sein. Patienten berichten, sie würden keine Termine für Untersuchungen und Operationen bekommen. Sogar bei Tumor-Patienten soll es zu längeren Wartezeiten auf Behandlungen kommen. Michael Tripold, der Betriebsrat der Steirischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) bestätigt die angespannte Situation: Derzeit sollen 250 Vollzeitstellen nicht besetzt sein, wodurch 120 Krankenbetten gesperrt werden mussten. Außerdem sollen teilweise auch Patienten auf andere Stationen und in andere Krankenhäuser verlegt worden sein.

Urlaubszeit erschwert die Lage

Die Anzahl der gesperrten Betten dürfte sich während der Sommerzeit eher erhöhen statt sinken, so Tripold. "Den Kolleginnen und Kollegen muss der Urlaub ermöglicht werden, weil sie Erholungszeiten brauchen", sagt der Betriebsrat. Auch die steigenden Corona-Zahlen sorgen für eine erschwerte Lage. Tripold geht davon aus, dass die Krankenstände und somit auch die Engpässe in den Krankenhäusern steigen werden. 

Wie ist die Lage in anderen Bundesländern?

Wien: Mitarbeiter-Urlaube sind nicht die Ursache

"Es ist generell natürlich so, dass Betten ab und zu gesperrt werden - (das ist, Anm.) immer schon so gewesen. Das hat meistens technische oder personelle Gründe. Das wird aber auch nur dann genehmigt, wenn der Erhalt des Betriebes gesichert ist", heißt es aus dem Wiener Gesundheitsverbund. Ob eine Sperrung der Betten gerechtfertigt ist, müsse in der Zentrale überprüft werden.

Urlaube des Personals seien jedoch kein Genehmigungsgrund. Die Mitarbeiter müssten ihre Urlaube schon Anfang des Jahres oder im Frühjahr einreichen - damit dann besser koordiniert und geplant werden kann. "Aber natürlich gibt es einen Personalmangel - Wien ist keine Ausnahme vom Rest Österreichs und dem deutschsprachigen Raum", so die Pressesprecherin.

Niederösterreich: Normalbetrieb trotz 227 Krankenständen

In den niederösterreichischen Kliniken seien mit Datenstand 21. Juni 227 Mitarbeiter:innen durch eine bestätigte Corona-Infektion oder Absonderung als Kontaktperson dienstverhindert. Es herrsche aber Normalbetrieb in den Krankenhäusern, da die Dienstausfälle gut kompensiert werden können.

Oberösterreich: KUK - 140 Betten gesperrt 

Im Linzer Kepler Uniklinikum (KUK), dem mit 1.830 Betten und ca. 7.000 Beschäftigten zweitgrößten Krankenhaus Österreichs, sind derzeit aus Personalmangel 140 Betten gesperrt. "Schon zuvor (vor Corona, Anm.) haben nachweislich 20 Prozent zu wenig Beschäftigte im Krankenhausbereich in Oberösterreich gearbeitet", kritisierte Med Campus Angestelltenbetriebsratsvorsitzender Helmut Freudenthaler in einer Presseaussendung. Diese 20 Prozent würden sich auf viele Berufsgruppen - von Reinigungskräften bis hin zu Ärztinnen und Ärzten - verteilen.

Die Wartelisten würden "überdimensional" wachsen, das größte Problem sei die massiv unterbesetzte Pflege, so Betriebsratsvorsitzender Michael Gruber. Der oberösterreichischen Landesregierung werfen die Belegschaftsvertreter "Untätigkeit" vor. "Sollten sich keine konkreten Maßnahmen zeitnahe abzeichnen, werden weitere gewerkschaftliche Maßnahmen folgen", kündigte Gruber an.

Kärnten: LKH - 100 Vollzeitstellen nicht besetzt

Auch in den Häusern der KABEG (Klinikum am Wörthersee, LKH Villach Wolfsberg, LKH Laas und Gailtal-Klinik) sei die Personalsituation angespannt. Das sei jedoch nicht unmittelbar auf die COVID-19-Pandemie, sondern auf die generelle Situation am Personalmarkt zurückzuführen. Insgesamt sind über alle Berufsgruppen hinweg rund 100 Vollzeitstellen in den Kärntner Landeskliniken nicht besetzt, vorwiegend im Ärzte- und Pflegebereich. Aus diesem Grund mussten im Klinikum Klagenfurt aktuell 80 von insgesamt 1.125 Betten und im LKH Villach 38 von 590 Betten gesperrt werden.

"Sollten die COVID-Zahlen weiter steigen und auch wieder vermehrt Mitarbeiter betroffen sein, müssen - wie schon während der letzten COVID-19-Wellen -  planbare Leistungen reduziert werden.  Die Akutversorgung ist davon ausgenommen und ist selbstverständlich gewährleistet", so die KABEG-Pressesprecherin Kerstin Wrussnig.

Tirol: "Situation am Arbeitsmarkt trifft alle Branchen"

Von der Tirol Kliniken GmbH, zu der die Landeskrankenhäuser Innsbruck, Hall und Hochzirl - Natters gehören, erfahren wir, dass auch hier ein genereller Personalmangel herrscht. "Ja, wir merken wie alle Branchen einen generellen Mangel an Arbeitskräften. Das geht auch bei uns über die medizinischen Berufsgruppen hinaus (z. B. handwerkliche Berufe, IT-Fachkräfte). Auch wir müssen immer wieder Betten sperren und planbare, also nicht dringliche Operationen zum Teil verschieben. Natürlich ist auch die Pandemie ein Grund dafür, aber die derzeit vorherrschende Situation am Arbeitsmarkt trifft alle Branchen. Rein statistisch gesehen ist das auch nachvollziehbar. Zuletzt sind mehr Menschen in Pension gegangen als zu arbeiten begonnen haben", erklärt Johannes Schwamberger, Sprecher der Tirol Kliniken GmbH.

Vorarlberg: Personalsituation ist angespannt

"Wie in anderen Branchen spüren auch wir den Fachkräftemangel in den Vorarlberger Landeskrankenhäusern – vor allem im Pflegebereich. Die Personalsituation ist in manchen Abteilungen angespannt, der Druck im System vor allem seit Pandemiebeginn gestiegen", so Andrea Marosi-Kuster, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft m.b.H.

Die Personalknappheit verteile sich grundsätzlich "gut" auf alle Abteilungen und Berufsgruppen. Gelegentlich könne es dadurch in Spezialbereichen zu kurzfristigen, geringfügigen Reduktionen der Bettenanzahl kommen. "Grundsätzlich schaffen wir es in den Vorarlberger Landeskrankenhäusern aber noch recht gut, die Personalausfälle auszugleichen", sagt Marosi-Kuster.

Vor allem im Pflegebereich arbeite man an verschiedenen langfristig angelegten Projekten, um dem Pflegefachkräftemangel entgegenzuwirken. Dazu gehöre eine Neuorganisation der Pflegeausbildung in Vorarlberg. Mit einer breit angelegten Rekrutierungskampagne, in der neben Akutkrankenhäusern die Langzeitpflege eingebunden ist, soll das Interesse für diesen "interessanten, abwechslungsreichen und sinnvollen Beruf" geweckt werden.

Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj