APA - Austria Presse Agentur

ÖSV-Cheftrainer Widhölzl: "Tun alles, um negativ zu bleiben"

27. Dez 2020 · Lesedauer 4 min

Zweimal gebeutelt von positiven Coronavirus-Fällen, Quarantäne und einer vor allem deshalb bisher sehr durchwachsenen WM-Saison hat sich Österreichs Skisprung-Team am Sonntag den Medien präsentiert. Am Tag vor Beginn der 69. Vierschanzen-Tournee in Oberstdorf sind die Erwartungen verhalten. Österreichs Springer sind allemal für Plätze ganz vorne gut, doch die Favoriten sind andere. Und im Vordergrund steht für viele eine anhaltende oder auch verbesserte Gesundheit.

So war ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl vor seiner ersten Tournee in dieser Funktion vor allem einmal froh, dass er überhaupt auf das stärkste Team zurückgreifen kann. "Es war doch eine Krankheit und es ist nicht so selbstverständlich, dass alles so positiv ausgeht. Wir sind sehr glücklich, dass alle wieder da sind und ich freue mich irrsinnig auf die Tournee. Ich traue jedem sehr viel zu", sagte Widhölzl, der selbst nicht nur Corona-positiv war, sondern auch Symptome gezeigt hat.

Eine der Maßnahmen, um noch einen Tick sicherer zu sein, ist im ÖSV-Team nun schon seit der Skiflug-WM in Planica das Einzelzimmer. "Wir haben im Vorfeld schon sehr vorsichtig agiert und sehr viel getestet, aber man muss sich bewusst sein, dass immer etwas passieren kann. Auch wenn man sehr genau ist", warnt der "Swider" genannte Ex-Weltklasse-Springer. Man halte sich an alle Bestimmungen. "Wir hocken auch beim Essen mit Maske da und tun das Mögliche, dass die Negativen auch negativ bleiben, und wir die restliche Saison ohne Fälle überstehen."

Inwiefern er selbst oder auch die positiven Fälle seiner Mannschaft, wenn sie Symptome hatten, auch noch unter Spätwirkungen leiden, erklärte er auf APA-Anfrage dann so: "Ich kann nur von mir reden. Mir geht es gut. Was ich schon merke ist, dass mir schneller die Energie ausgeht und meine 17 Bergtouren im Sommer haben es nicht gebracht, dass es mir besser geht. Ich bin eigentlich recht gut im Saft, aber wenn man Stiegen raufgeht, merke ich, dass man zwei oder drei Mal öfter stehen bleiben muss. Die Masken machen es natürlich auch nicht besser, man kriegt da wenig Luft."

Bei den Krafttests seiner Sportler zeige sich, dass diese auf gutem Weg sind. "Aber man darf nicht vergessen, es ist eine Krankheit und auch wenn die Symptome nicht so stark sind, macht es was mit dem Körper", so Widhölzl. Man müsse daher geduldig sein, den Sportlern Zeit geben, schrittweise besser zu werden. "Bei den Krafttests kommen sie jetzt schon in die 90-Prozent-Bereiche rein."

Auch den bisher wegen Corona und dann wegen Rückenproblemen punktelosen Weltcup-Titelverteidiger Stefan Kraft traut Widhölzl einiges zu. "Krafti, schätz ich, wird das auch machen und seinen "Nuller" bereinigen. Ich nehme gern den (Halvor Egner) Granerud als Beispiel her, mit dem hat am Anfang der Saison keiner gerechnet." Auch seine Team habe ein "Wahnsinnspotenzial".

Der angesprochene Kraft freut sich, dabei sein zu können und "ich hoffentlich die Tournee durchhalte". Dass er in Deutschland als Geheimfavorit gehandelt wird, berührt ihn im Moment sehr wenig, "Ich glaube schon, dass ich sehr gut springen kann, es ist halt sehr ungewiss. Ich habe einen Wettkampf in meinen Füßen und der ist schon ein Monat her", sagte der Salzburger.

Dass man keine Zuschauer vor Ort hat, ist schon fast Routine. Neu ist, dass beispielsweise das Zimmergespann Kraft/Michael Hayböck nun nicht gemeinsam wohnen kann. "Die Abstriche kann jeder sicher machen, wenn man weiß, dafür kann man wettkämpfen und machen, was wir am liebsten tun. Dann ist man halt mal in einem Einzelzimmer und sind leider keine Zuschauer da", meint Kraft.

Hayböck, der Skiflug-WM-Vierte, sah es genauso. "Ich bin in erster Linie dankbar, dass wir springen dürfen. Das ist nicht selbstverständlich so wie jetzt die Lage ist." Sowohl er als auch Kraft hätten sogar noch einen Antikörpertest gemacht. "Die haben wir beide sogar, aber es ist klar, es gibt Regeln, dass man da auf Nummer sicher geht."

Sportler sind normalerweise sehr vorsichtig, welche Substanzen sie ihrem Körper zuführen. Zur nun europaweit gestarteten Impfwelle gegen das Virus sind Widhölzl und Kraft, aber nur vorerst, zurückhaltend. "Ich stelle mich hinten an. Das Labor hat gesagt, ich habe viel Antikörper, da sollen mal die anderen zuerst gehen", hatte Kraft eine schnelle Antwort parat. Sein Cheftrainer stimmte überein. "Mein Arzt hat auch gesagt, vor dem Herbst brauche ich nicht zur Impfung gehen, ich habe viele Antikörper."

Wegen der doch verbreiteten Impfskepsis sieht Widhölzl Aufholbedarf. "Ich glaube, dass wichtig wäre, das man eine gut Aufklärung betreibt, was das Impfthema betrifft, weil so viel Verschwörungstheorien herumgehen", meint Widhölzl. Kraft wird sich später aber schon impfen lassen. "Wenn es so weit ist und es wirklich wichtig ist, würde ich mich auf jeden Fall impfen lassen."

Quelle: Agenturen