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Öffi-Comeback nach Pandemie durch Bahnstreik kaum gebremst

30. Nov. 2022 · Lesedauer 3 min

Der 24-stündige Warnstreik der Eisenbahner hat bekanntlich nicht zu einem übergroßen Verkehrschaos geführt. Insgesamt war das Verkehrsaufkommen am Montag nur um wenige Prozentpunkte gegenüber einem "normalen" Montag reduziert, zeigen erste Daten von Forschern. Michael Cik von der Grazer Firma Invenium glaubt auch nicht, dass die zuletzt wieder auf Vorkrisen-Niveau gestiegene Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch den Streik nachhaltiger leidet, erklärte er der APA.

Invenium, ein Spin-off der Technischen Universität (TU) Graz, nutzt anonymisierte Mobilitätsdaten des Telekomunternehmens A1, um u.a. Analysen zum Verkehrsaufkommen im gesamten Bundesgebiet zu erstellen. Im Rahmen der Covid-19-Pandemie ging vor allem die Nutzung der "Öffis" stark zurück. Viele Menschen stiegen wieder auf den Individualverkehr - also das Auto - um.

Aus verkehrswissenschaftlicher Sicht sei der Montag interessant gewesen, da man einen "Kompletteinbruch" im Bereich Bahn in Echtzeit nachverfolgen konnte. Die Forscher fragen sich, ob solche Ereignisse längerfristig das Verhalten der Passagiere ändern können, sagte Cik: "Vor allem in den letzten Wochen hatte die Bahn nämlich wieder sehr gute Werte."

Das heißt, dass der pandemiebedingte starke Einbruch bei den Passagierzahlen gegenüber dem Stand von 2019 wieder ausgeglichen wurde. Teils verzeichneten die Öffis österreichweit sogar etwas höhere Werte als vor den Lockdowns und Co. Noch könne man es zwar nicht gesichert sagen, aber der Montag werde dieser Entwicklung keinen Abbruch tun, und sei eher als "einmaliger Ausreißer" anzusehen. "Spätestens in der nächsten Woche sind wir wieder auf dem Niveau davor", so Cik. Die Akzeptanz des Öffi-Angebots sinke durch solche Einzelereignisse in der Regel nicht.

Dass die Öffis insgesamt wieder im Aufwind sind, sei u.a. ein Effekt der Diskussionen rund um die Klimaerwärmung. Auch das Klimaticket habe nach einer Anlaufphase die Nutzungszahlen zuletzt etwas angehoben, so der Verkehrsforscher.

Zwar habe es am Streik-Tag vereinzelt Staus gegeben, größere Verkehrsinfarkte blieben aber aus. Durch die vorherigen Informationen zum anstehenden Bahn-Streik hätten sich die Menschen darauf eingestellt. Dazu komme: "Montag und Freitag sind immer noch die typischen Homeoffice-Tage", wie die österreichweiten Langzeitdaten zeigen. Das und das Faktum, dass nicht alle Kinder und Jugendliche in die Schulen gehen mussten, nahm den Druck aus dem Individualverkehr unter Bahn-Streik-Bedingungen. Die Auto-Nutzung sei am Montag jedenfalls nicht signifikant angestiegen, wie die Daten zeigen.

Die hohen Treibstoffpreise in den vergangenen Monaten tun der gesamten Auto-Nutzung übrigens noch keinen Abbruch. Die Schmerzgrenze, ab der sich das Verhalten tatsächlich ändern würde, liege in etwa bei drei Euro pro Liter. Wie stark das Thema Teuerung in den kommenden Monaten den Verkehr beeinflussen wird, lasse sich laut Cik auf Basis von wiederkehrenden Befragungen noch nicht einschätzen.

(S E R V I C E - https://invenium.io/de)

Quelle: Agenturen