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Nicht nur HPV kann Genitalkrebs auslösen

Heute, 07:30 · Lesedauer 3 min

HPV (Humane Papillomaviren) sind nicht der einzige Auslöser von sogenanntem anogenitalem Krebs. Während HPV für 95 Prozent von Plattenepithelkarzinomen am Gebärmutterhals und Anus verantwortlich ist, wird nur etwa die Hälfte von Vulva- und Peniskrebs durch das Virus hervorgerufen. Das wurde am Montag im Vorfeld des im Austria Center Vienna stattfindenden internationalen HPV-Kongresses EUROGIN (18. bis 21. März) betont. HPV-unabhängiger Anogenitalkrebs ist häufig aggressiver.

"Generell unterscheidet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Anogenitalbereich, der umfasst Gebärmutterhals, Anus, Penis und Vulva, zwischen HPV-induziertem und HPV-unabhängigen Krebs. Während die HPV-assoziierten Karzinome als Spätfolge einer sexuell übertragenen HPV-Infektion gelten, sind die Ursachen für die HPV-negativen Karzinome noch nicht gänzlich verstanden", erläuterte die Dermapathologin Sigrid Regauer in einer Aussendung des Austria Center Vienna.

"Die Unterscheidung ist essenziell für die richtige Behandlung der entsprechenden Krebsvorstufen, denn die HPV-unabhängigen Krebserkrankungen entwickeln sich viel schneller als die HPV-induzierten Karzinome", betonte Regauer. Dagegen liegen beim HPV-induzierten Krebs zwischen der Infektion, der Entwicklung von nicht invasiven Krebsvorstufen und dem Fortschreiten zu invasivem Karzinom oft viele Jahre bis hin zu Jahrzehnten. Dieses langsame Fortschreiten ermöglicht es, in der Therapie der Krebsvorstufen neben der chirurgischen Entfernung oder Lasertherapie auch zeitintensive Therapieoptionen zu versuchen.

Zwei Drittel der HPV-negativen Vulva- und Peniskarzinome entstehen auf dem Boden von Dermatosen, also Entzündungen der Haut (Ekzeme). Dermatosen treten sehr häufig zeitgleich mit anderen Autoimmunerkrankungen auf, wie beispielsweise die Hashimoto-Schilddrüsenentzündung, die Weißfleckenkrankheit Vitiligo oder Schuppenflechte, oder bei Menschen, deren Immunsystem durch andere Umstände geschwächt ist. "Besonders wichtig ist, dass diese Dermatosen, die primär unangenehmen Juckreiz und Schmerzen auslösen, rasch behandelt werden sollten, denn leitliniengerechte Therapie der Dermatosen verringert das Krebsrisiko", berichtete Regauer.

Medizinerin: Keine falsche Scham

"Genau deshalb ist es hier besonders wichtig, Dermatosen früh zu erkennen, schnell zu behandeln, und dann zu regelmäßigen Kontrollen zu gehen. Das passiert leider - vielfach aus großem Schamgefühl der betroffenen Menschen - nicht immer", sagte Regauer. Sie appelliert an die Betroffenen, keine falsche Scham an den Tag zu legen und an die Gesellschaft, PatientInnen mit Anogenitalkrebs nicht zu stigmatisieren.

Auch am Gebärmutterhals gibt es seltene HPV-unabhängige invasive Plattenepithelkarzinome. Diese wurden erst in den vergangenen zehn Jahren dokumentiert. "Neben der molekularen und histologischen Charakterisierung der invasiven Karzinome am Institut für Pathologie der Med Uni Graz gelang unserer Arbeitsgruppe 2022 und 2023 auch die Erstpublikation der histologischen und molekularen Klassifikation der HPV-negativen zervikalen Vorstufen, die denen der Vulva und des Penis entspricht", berichtete Regauer vom Diagnostik- und Forschungsinstitut für Pathologie der Med Uni Graz.

HPV-Impfung gegen mehrere Krebsarten

Für die durch HPV ausgelösten Karzinome an Gebärmutterhals, Scheide, Vulva, Penis, Anus, Rachen und Kehlkopf gibt es die HPV-Impfung zur Vorbeugung, betonte Regauer. Für Personen vom neunten bis zum 21. Geburtstag ist die HPV-Impfung in Österreich gratis. Für Personen vom 21. bis zum 30. Geburtstag gilt: Wenn die erste Impfung im befristeten, kostenlosen Nachhol-Impfprogramm bis 31. Dezember 2025 in Anspruch genommen wurde, dann kann die zweite Impfung noch bis 30. Juni 2026 ebenfalls gratis erfolgen.

(S E R V I C E - www.eurogin.com )

Zusammenfassung
  • HPV ist für 95 Prozent der Plattenepithelkarzinome am Gebärmutterhals und Anus verantwortlich, aber nur rund die Hälfte der Krebsfälle an Vulva und Penis wird durch das Virus ausgelöst.
  • HPV-unabhängige Anogenitalkarzinome sind meist aggressiver, entwickeln sich schneller und entstehen häufig auf dem Boden von Dermatosen, die bei zwei Dritteln der HPV-negativen Vulva- und Peniskarzinome eine Rolle spielen.
  • Die HPV-Impfung schützt vor mehreren Krebsarten und ist in Österreich für 9- bis 21-Jährige gratis sowie im Nachholprogramm bis zum 30. Geburtstag kostenlos erhältlich.