Neuwirth über Mückstein: "Weiß nicht, ob er meine Zahlen kennt"

18. Juni 2021 · Lesedauer 2 min

Statistiker Erich Neuwirth warnt im PULS 24 Interview vor der Illusion, dass die Pandemie besiegt sei. Exponentielles Wachstum sei auch im sehr niedrigen Bereich gefährlich. Die Öffnung der Nachtgastronomie findet er "unvorsichtig".

Der Statistiker Erich Neuwirth betont im PULS 24 Interview, dass er ausdrücklich davor warne, die Pandemie als besiegt anzusehen. Besonders die Öffnung der Nachtgastronomie geht ihm zu schnell und zu weitreichend.

Jene Zeit im vergangenen Jahr, in der die Inzidenzen so niedrig waren, dass es einem Gutteil der Menschen so schien, als sei die Pandemie vorbei, "das war so zwischen Anfang August und Anfang September", sagt Neuwirth. Zu diesem Zeitpunkt, mit ca. Ende Juli, habe es aber bereits wieder ein erstes exponentielles Wachstum gegeben - wenn auch in sehr kleinen Größenordnungen.

Neuwirth warnt, dass diese exponentiellen Anstiege bei kleinen Maßstäben übersehen werden. "Wenn man das verschläft, hat man es bald nicht mehr unter Kontrolle", so der Statistiker. Verdoppelungen der Zahlen - auch wenn es in sehr niedrigem Bereich geschehe - berge eine große Gefahr.

Bei Jungen hohe Inzidenz und niedrige Impfungsrate

Bei den Öffnungsschritten mahnt Neuwirth zur Vorsicht. Gerade bei der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen sei die Sieben-Tages-Inzidenz etwa in Wien immer noch bei 70 - und das bei einer nach wie vor geringen Durchimpfungsrate. Genau diese seien aber die Zielgruppe für die Öffnung der Nachtgastronomie. "Ich halte das für ein bisschen unvorsichtig", sagte er.

Vor ähnlicher unüberlegter Öffnungs-Euphorie hatte zuvor auch bereits Umweltmediziner Hans Peter Hutter gewarnt.

Hutter: "Es braucht flankierende Maßnahmen"

Umweltmediziner Hans Peter Hutter spricht über die angekündigten Lockerungen und wie sich diese auswirken könnten.

Angesprochen auf einen Clip, in dem Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) Clubs als "sichere Orte" deklarierte, meint Neuwirth in Bezug auf seine Zahlen: "Ich weiß nicht ob er sie kennt." Auch auf das Gesundheitsministerium bezogen, sagt der Statistiker, er wisse, dass einige Mitarbeiter dort seine Statistiken verfolgen, aber "die Frage ist, inwieweit das in die höheren Ebenen des Ministeriums vordringt", so Neuwirth.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos