APA/NINA KORNBERGER

Neusiedler See: Grüne Burgenland warnen vor Folgen einer Wasser-Zuleitung

27. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Die burgenländischen Grünen haben am Mittwoch vor den Auswirkungen einer künstlichen Wasserzufuhr zum Neusiedler See gewarnt.

Wasser aus der ungarischen Moson-Donau, das das Land in den Steppensee leiten will, würde das natürliche System aus dem Gleichgewicht bringen und den See dadurch noch zusätzlich gefährden, meinte Landtagsabgeordneter Wolfgang Spitzmüller bei einer Pressekonferenz: "Mit der Zuleitung würde man ihm wahrscheinlich sogar den Todesstoß versetzen."

Der Neusiedler See mit seinem leichten Salzgehalt brauche Schwankungen bei der Wasserhöhe, weil er durch diese mit neuem Salz versorgt werde, das unter anderem durch Verdunstung verloren gehe. Der Salzgehalt sorge dafür, dass der Steppensee trüb ist. "Wenn wir hier Wasser hineinleeren, das dafür nicht geeignet ist - und dessen sind wir uns sicher - dann ist die Gefahr, dass der See die Trübung verliert und den Salzgehalt", betonte Spitzmüller. Das würde zu Algenwachstum und der Ansiedelung von Wasserpflanzen führen.

Grüne wollen Regenwasser sammeln

Letztlich könne es sogar sein, dass die Zuleitung dazu führe, dass der See schneller austrocknet - "weil das System komplett kippt und das Wasser dann schneller weg ist, als wir uns das heute vorstellen können. Das ist ein vielfältiges System und je mehr wir daran herumbasteln, desto eher besteht die Gefahr, dass wir es verlieren", sagte Spitzmüller.

Klubobfrau Regina Petrik kritisierte, die Machbarkeitsstudie des Landes zur Zuleitung behandle die wasserwirtschaftliche Perspektive, aber keine gewässerökologischen Aspekte. Auch dazu brauche es eine Studie, meinte Petrik. Als Maßnahme gegen die Austrocknung schlug sie vor, das überschüssige Regenwasser der umliegenden Gemeinden zu sammeln und in den See zu leiten. Immerhin nähre sich dieser natürlich aus Regenwasser. Außerdem seien eine Neuorientierung in der Landwirtschaft und ein neues Tourismuskonzept notwendig, so die Klubobfrau. Eine Zuleitung ins Grundwasser befürworten die Grünen.

ÖVP spricht von "Panikmache"

Für die SPÖ greifen die Vorschläge der Grünen zu kurz. Ohne eine zusätzliche Wasserzufuhr werde es in Hinblick auf den Klimawandel nicht möglich sein, eine ausgeglichene Bilanz im Seewinkel zu erreichen, betonte Natur- und Umweltschutzsprecher Erwin Preiner. Ein Gutachten habe ergeben, dass das Wasser aus der Moson-Donau sehr wohl geeignet und eine Zuleitung unter bestimmten Bedingungen und bis zu einem gewissen Ausmaß möglich sei.

FPÖ-Landesparteisekretär Christian Ries warf den Grünen "Panikmache" vor. "Fakt ist, dass der See in absehbarer Zeit verschwinden wird, wenn neben der Wulka nicht noch mit der Moson-Donau ein zweiter Zufluss geschaffen wird, der durch regulierte Zuleitung den See am Leben erhält", meinte Ries. Einen Austrocknen des Sees könne man sich nicht leisten - weder wirtschaftlich noch landwirtschaftlich.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf nahm am Mittwoch, ähnlich wie zuvor Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (beide SPÖ), die Landwirte in die Pflicht und forderte einen Paradigmenwechsel bei der Bewässerung. Das Ziel müsse sein, das Grundwasser zu schützen, Wasser in der Landschaft zu halten, wassersparende Anbaumethoden zu entwickeln und insgesamt die Landwirtschaft besser an das Klima anzupassen, betonte Eisenkopf in einer Aussendung. Sie fordert vom Bund eine Förderung für moderne und effiziente Bewässerungssysteme.

Regen half See nicht

Die ÖVP Burgenland sah in den Aussagen der SPÖ "Bauern-Bashing". Die Bewässerung sei nicht für den niedrigen Wasserstand verantwortlich - "die burgenländischen Bäuerinnen und Bauern zum Sündenbock zu machen, ist letztklassig", meinte Landesparteiobmann Christian Sagartz.

Die Regenfälle der vergangenen Tage haben dem Wasserstand im Neusiedler See jedenfalls noch nicht wirklich genutzt. Dieser lag am Mittwoch weiterhin bei 115,00 Meter über Adria - und damit am tiefsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1965. Im Vorjahr stand das Wasser Ende Juli um 20 Zentimeter höher, schon damals war der See für die Jahreszeit aber ungewöhnlich seicht. Auf das langjährige Mittel fehlen derzeit 47 Zentimeter und auf den maximalen Wasserstand für Ende Juli im Jahr 2009 ganze 79 Zentimeter.

Quelle: Agenturen / koa