Neues Jugendgefängnis in Wien eröffnet
"Vom ersten Tag an" gehe es um die Reintegration und Resozialisierung inhaftierter Jugendlicher, betonte Sporrer. Mit den nunmehr gewährleisteten Ausbildungs- und Fortbildungsmaßnahmen, Beschäftigungsmöglichkeiten, einer umfassenden, auch psychosozialen Betreuung wolle man strafrechtlich verurteilten Jugendlichen einen "Weg in die Zukunft" weisen.
Zuvor hatte Anstaltsleiterin Seada Killinger Medienschaffende durch das historische Gebäude geführt, das ursprünglich ein Habsburger Jagdschloss war, später als Kaserne und Erziehungsanstalt fungierte und nun nach einer umfangreichen Sanierung und Umbauarbeiten straffällig gewordene Burschen wieder auf den rechten Weg führen soll. Drei Abteilungen für U-Häftlinge, Strafgefangene und Maßnahme-Patienten bieten insgesamt 72 Haftplätze, die Hafträume sind von maximal zwei Personen belegt.
Derzeit sind 35 Jugendliche in der JA Münnichplatz untergebracht. In den kommenden Wochen wird der Belag kontinuierlich erweitert, spätestens Ende März sollen sich alle Wiener Häftlinge im Alter zwischen 14 und 18 am Münnichplatz befinden. Damit kann dann die Jugendabteilung in der JA Josefstadt aufgelöst werden, was das größte Gefängnis des Landes entlasten wird. Die JA Josefstadt hat regelmäßig mit Überbelag zu kämpfen.
Dass die Kapazitäten der JA Münnichplatz nicht ausreichend sein könnten, befürchtet man im Justizministerium nicht. Obwohl es derzeit mit österreichweit 168 Inhaftierten im Alter zwischen 14 und 18 einen Höchststand gibt, seien die Kapazitäten "sehr weise und vorausschauend" gewählt worden, hieß es auf der Pressekonferenz.
Sechs Lehrberufe werden angeboten
Grundlage für die Konzeption und Umsetzung des neuen Jugendgefängnisses waren Empfehlungen einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe "Standards Jugendvollzug", die auch Empfehlungen der Volksanwaltschaft berücksichtigte. Der Fokus wurde dabei auf Ausbildungs-, Therapie- und Beschäftigungskonzepte gerichtet. Die am Münnichplatz Inhaftierten haben etwa die Möglichkeit, eine Lehre zum Bäcker, Maler, Tischler, Maurer, Schlosser oder Spengler zu absolvieren. Entsprechende Werkstätten sind ebenso vorhanden wie Klassenräume, um den Pflichtschulabschluss zu absolvieren bzw. nachzuholen, und eine sogenannte Kreativwerkstatt, die der Berufsfindung und -vorbereitung dient.
Zuletzt fertiggestellt wurde eine neue Besucherzone mit Räumlichkeiten für so genannte Tischbesuche und drei Kojen, in denen über Trennscheiben aus Glas überwachte Besuche stattfinden. Jeder Häftling hat mindestens ein Mal in der Woche Anspruch auf einen einstündigen Besuch. Ein Mal im Quartal gibt es die Möglichkeit für einen Langzeit- bzw. Familienbesuch in der Dauer von bis zu acht Stunden - der entsprechende Raum ist großzügig angelegt und verfügt über eine Kochmöglichkeit und ein Fernsehgerät. Eine Couch lädt zum Verweilen ein.
Sporthof seit Anfang November in Betrieb
Seit Anfang November ist ein so genannter Sporthof mit einem Fußball-Käfig und Tischtennis-Tischen in Betrieb. Bei entsprechenden Außentemperaturen kann auch Kraft- und Lauftraining absolviert werden, weiters kann Basketball gespielt werden. Zwei Stunden täglich kann der Sporthof genutzt werden, zeitlich großzügigere Öffnungszeiten ab dem Frühjahr sind angedacht.
Bis dahin steht den Insassen im Gebäude ein großer Fitnessraum mit modernen Trainingsgeräten zur Verfügung. "Hier haben sie die Möglichkeit, sich in Begleitung von Justizwachebeamten oder Sozialbetreuern auszupowern", erläuterte Anstaltsleiterin Killinger den Medienschaffenden bei einem Rundgang durchs Gefängnis.
Jugendliche Insassen im gelockerten Vollzug
Für die jugendlichen Insassen gilt ein gelockerter Vollzug. Sie sind nur von 17.00 Uhr bis 7.00 Uhr in ihren Hafträumen eingeschlossen. Dass das nicht nur am Papier garantiert bleibt, sei gewährleistet, betonte Friedrich Alexander Koenig, Generaldirektor für den Strafvollzug und freiheitsentziehende Maßnahmen im Justizministerium. Es sei ausreichend Personal vorhanden. 48 Arbeitsplätze seien derzeit besetzt, weitere Exekutivkräfte seien dienstzugeteilt, zukünftige Justizwachebeamte befänden sich in Ausbildung. Mit 71 Planstellen sei ein Betreuungsschlüssel von einem Justizwachebeamten pro Insassen gewährleistet, erläuterte Koenig.
"Ich wünsche es den Jugendlichen sehr, dass sich die Ankündigungen bewahrheiten", meinte dazu die für den Strafvollzug zuständige Volksanwältin Gabriela Schwarz (ÖVP). Die Volksanwaltschaft werde die Entwicklungen in der JA Münnichplatz "weiter mit wachem Auge verfolgen", betonte Schwarz gegenüber der APA und wünschte Anstaltsleiterin Killinger und ihrem gesamten Team viel Erfolg.
"Seit Jahren warten wir auf die Eröffnung der JA Münnichplatz. Nach etlichen Verschiebungen ist es nun so weit. Was lange währt, wird hoffentlich endlich gut", resümierte Schwarz. Das neue Jugendgefängnis biete "die baulichen und strukturellen Rahmenbedingungen, die für eine bestmögliche Resozialisierung entscheidend sind. Vorausgesetzt, es gibt genügend Personal."
Zusammenfassung
- In Wien-Simmering wurde mit der Justizanstalt Münnichplatz ein neues Jugendgefängnis mit 72 Haftplätzen für männliche Jugendliche eröffnet.
- Das Gefängnis bietet drei Abteilungen für U-Häftlinge, Strafgefangene und Maßnahme-Patienten, wobei die Hafträume mit maximal zwei Personen belegt sind.
- Den Insassen stehen sechs Lehrberufe, schulische Angebote und eine Kreativwerkstatt zur Verfügung, um die Resozialisierung und berufliche Zukunft zu fördern.
- Aktuell sind 35 Jugendliche untergebracht, bis Ende März sollen alle Wiener Häftlinge im Alter von 14 bis 18 Jahren am Münnichplatz sein, wodurch die überbelegte Jugendabteilung der JA Josefstadt entlastet wird.
- Der Vollzug ist gelockert, die Jugendlichen sind nur nachts eingeschlossen und profitieren von großzügigen Sport- und Besuchsmöglichkeiten sowie einem Betreuungsschlüssel von einem Justizwachebeamten pro Insasse.
