APA/dpa/Boris Roessler

Neue US-Atomwaffen in Europa: Russland sieht Schwelle gesenkt

29. Okt. 2022 · Lesedauer 2 min

Die USA beschleunigen laut einem Medienbericht die Modernisierung ihrer in Europa stationierten taktischen Atomwaffen. Russland wirft den USA vor, die Schwelle für einen Atomwaffeneinsatz zu senken.

Laut einem Bericht von "Politico" tauschen die USA ihre in Europa stationierten Atombomben bereits im Dezember gegen neuere Modelle aus. Die Plattform bezieht sich auf vertrauliche Diplomaten-Berichte und Expert:innen. Gegenüber "Politico" bestreitet der Sprecher des Pentagons Patrick Ryder aber, dass die Beschleunigung der Erneuerung der Waffen mit der aktuellen Lage in der Ukraine zusammenhänge. 

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin erklärte den NATO-Verbündeten in Brüssel, dass die USA an ihrer Strategie der "calculated ambiguity" im Bezug auf Atomwaffen festhalten will. Im Sinne dieser Strategie wären die USA im Falle eines Angriffs bereit, Gegenangriffe zu starten.

Die neuen Waffen des Typs B16-12 sind taktische Atomwaffen mit einer hohen Treffsicherheit. Dies hätten die USA bei einem NATO-Treffen bekanntgegeben. Wie die APA berichtet, ist etwa die Hälfte dieser Waffen in Italien, Deutschland, der Türkei, Belgien und den Niederlanden stationiert. Russland verfügt über rund 2.000 dieser Waffen. 

Die Erneuerung des B61-Programmes wurde in Budget-Dokumenten der NATO seit Jahren diskutiert. Laut "Politico" sehen es die Vertreter des US-Pentagons angesichts der aktuellen Eskalationen als notwendig an, die Lagerbestände auf den neuesten und sichersten Stand zu bringen. 

Russland sieht "Schwellensenkung für Atomwaffen-Einsatz"

Russland warf den USA deswegen am Samstag vor, die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen zu senken. Russland könne die Pläne zur Modernisierung der in Europa stationierten Atomwaffen der USA nicht ignorieren, sagte der Vize-Außenminister Alexander Gruschko der staatlichen Nachrichtenagentur RIA am Samstag. "Die USA modernisieren sie, erhöhen ihre Zielgenauigkeit und reduzieren die Wirkung der Atomsprengsätze, sie machen sie zu Kriegswaffen und damit senken sie die Schwelle", sagte Gruschko.

Russland hat seit der Invasion der Ukraine Ende Februar wiederholt mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht, zugleich aber auch vor einem Atomkrieg gewarnt. Zuletzt warf Russland der Ukraine vor, sie plane den Einsatz einer sogenannten schmutzigen Bombe. Sie hat einen konventionellen Sprengsatz, der bei seiner Explosion aber radioaktives Material in der Umgebung verbreitet. Die Ukraine weist den Vorwurf zurück.

Franziska SchwarzQuelle: Agenturen / Redaktion / frn