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Nachtgastro: Ist die Party vorbei?

Mai 26, 2020 · Lesedauer 3 min

Bars, Clubs und Discos waren mit die ersten, die ihren Betrieb schließen mussten. Wann sie wieder öffnen ist ungewiss. Die Gefahr ein Virus-Hotspot zu werden ist hoch.

Schwitzende Menschen, stickige Luft und Enge. Ein Paradies für das Virus? Wahrscheinlich. Das zeigt das promineteste Hotspot-Beispiel in Österreich. In der Bar Kitzloch in Ischgl steckt ein Barkeeper zahlreche Menschen mit dem Coronavirus an und der Skiort wird zur Brutstätte des Virus in Österreich.

Ein Blick in die Welt zeigt, das Virus mag die Nachtgastro. In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul feierte ein 29-jähriger Corona-Infizierter in mehreren Clubs und Bars. Am Ende wurden knapp 200 Infektionsfälle damit in Verbindung gebracht, 65.000 Menschen mussten sich testen lassen. Auch in Berlin gibt es Hinweise. Demnach gingen von den ersten 263 Fällen in der deutschen Hauptstadt 42 auf Club-Besuche zurück.

"Perfekte Bedingungen"

Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), erklärt es gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Es ist eng, man schwitzt, schreit einander mit geringem Abstand ins Ohr - "das ist genau dieses Szenario, bei denen es in anderen Ländern bereits zu massenhaften Ansteckungen gekommen ist. Das sind die Viren-Hotspots - gerade für das Coronavirus."   

Zusätzlich können die Clubs "nicht für eine Belüftung sorgen, sie haben vielleicht nur Anlagen, die das umwälzen oder ein bisschen verblasen. Aber eigentlich sind das kleine enge Räume." Das sei der beste Zustand, den er sich für ein respiratorisch übertragbares Pathogen, also einen per Atmung übertragenen Krankheitserreger, vorstellen könne. "Also der schlimmste Zustand für den Menschen. Insgesamt ist die Situation einfach ideal, um sich dort infizieren zu können."

2.900 Bars, Tanzlokale und Diskotheken

Das heißt für die 2.900 Bars, Tanzlokale und Diskotheken die die WKO für Österreich auflistet vor allem eines: warten. Während für Veranstaltungen mittlerweile Lockerungen in Sicht sind, könnte es passieren, dass die Nachtgastronomie auf den Impfstoff warten muss. Denn das Sinnvollste wäre es laut Schmidt-Chanasit, in einen Club für sonst 100 Besucher nur fünf Gäste zu lassen. "Aber das will keiner und das macht auch keinen Sinn." Er glaubt auch: "Erst, wenn wir einen Impfstoff haben oder die Pandemie vorbei ist und die Immunität in der Bevölkerung angestiegen ist."

Interview: Holger Pfister, Betreiber A-Danceclub und Praterdome

Holger Pfister arbeitet derzeit an Konzepten, wie dennoch geöffnet werden könnte. Er warnt auch vor einem Aufkommen der Schwarzgastronomie. Die Menschen würden nicht um 23 Uhr nach Hause gehen, sondern sich dann eben an einer Tankstelle oder von einem Schwarzverkäufer am Donaukanal ihre Getränke holen. Mehr dazu im Video.

Quelle: Agenturen / Redaktion / moe