Nach Randalen am Gardasee: Italien diskutiert über brutale Jugendbanden

13. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Anfang Juni sorgten Krawalle von Jugendbanden im Touristenort Peschiera am Gardasse italienweit für Schlagzeilen. Mehr als 2.000 Minderjährige terrorisierten Urlauber, es kam zu Gewalttätigkeiten und sexuellen Übergriffen. Auf Social Media wurden weitere Randale angekündigt.

Am 2. Juni, dem italienischen Nationalfeiertag des "Fests der Republik" trafen 2.000 bis 2.500 Jugendliche - teilweise erst 10 bis 12 Jahre alt - in Peschiera am Gardasee zusammen. Der Anlass, für das die Jugendlichen großteils mit Zügen aus mehreren norditalienischen Großstädten anreisten, war ein über TikTok angekündigte Veranstaltung namens "Das ist Afrika".

Halb Konzert bzw. Rave, halb Flashmob, zog das Event vor allem Banden von jugendlichen mit großteils nordafrikanischem Migrationshintergrund an. Dabei kam es bald zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die Behörden berichten von Massenschlägereien und zumindest einer Messerstecherei zwischen den Banden. Hunderte Jugendliche zogen anschließend durch die Stadt, belästigten und bestahlen Touristen und demolierten Autos. In einem Regionalzug wurden sechs junge Mädchen anschließend von einer etwa 30-köpfigen Gruppe sexuell belästigt.

Weitere Randale angekündigt

Nun wurden auf TikTok - wo sich die Szene rund um Trap-Musik, eine Spielart des Hip-Hop, organisiert - bereits die nächsten Randale angekündigt. Diesmal drohen die "Babygangs", wie sie in der italienischen Presse getauft wurden, mit Ausschreitungen im Badeort Riccione, südlich von Rimini.

Die Krawalle sorgten in Italien aufgrund der Gewaltbereitschaft landesweit für einen Schock. Dass ein Großteil der noch Minderjährigen nordafrikanischen Migrationshintergrund hat und in zweiter Generation in Italien lebt, sorgt für eine Integrationsdebatte - insbesondere von Seiten der rechten Lega.

Jugendgangs durch Corona-Pandemie befeuert

Dem italienischen Magazin "Panorama" sagte Polizeigewerkschafter Franco Zucchelli, dass die Ausschreitungen am Gardasee äußerst ungewöhnlich seien - nicht nur was die Gewaltbereitschaft, sondern auch was den nordafrikanischen Migrationshintergrund angehe. Derartige Jugendbanden hätten, etwa in Großstädten wie Mailand oder Rom, üblicherweise einen südamerikanischen Migrationshintergrund gehabt oder aus italienischen Jugendlichen bestanden.

Das Problem der Jugendbanden hätte sich seit Ende der Corona-Lockdowns verschärft. Zum einen hätten soziale Medien wie TikTok als Organisationsweg an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig habe der Alkohol- und Drogenmissbrauch bei Jugendlichen enorm zugenommen. Die "Babygangs" würden oft als Gruppen beginnen, die Mitschüler auf Social Media mobben oder tyrannisieren. Befeuert durch Drogen und Alkohol steigen die Aggressionen, bis hin zu Revierkämpfen mit Fäusten und Tritten gegen andere Gruppen.

Oft käme es zu einem Abrutschen in die Kleinkriminalität, etwa um Drogenkonsum oder auch einfach die neuesten Marken-Sneakers und Mobiltelefone zu finanzieren. Das Problem sei deshalb vor allem durch Sozialarbeit in Schulen bzw. psychologische Hilfe für die Jugendlichen zu lösen, weniger durch polizeiliche Repressionen, meint Zucchelli.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos