Moria-Ausweichlager: Keine Heizung, 37 Toiletten für 7.316 Menschen

09. Dez 2020 · Lesedauer 3 min

Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos wurde ein Ausweichlager für rund 7.300 Menschen nahe des bestehenden Flüchtlingslagers Kara Tepe errichtet.

Nach den verheerenden Bränden im Flüchtlingslager Moria Anfang September musste die Behörden auf der griechischen Insel Lesbos Unterkünfte für mehr als 7.000 Menschen aus dem Boden stampfen. Auf einem alten Militärschießplatz nördlich des bereits bestehenden Asylzentrums Kara Tepe wurde seit September eine Zeltstadt errichtet. Behörden nennen dieses provisorische Ausweichlager "Mavrovouni", es gehört aber zum Asylzentrum Kara Tepe.

Dieses neue provisorische Lager Mavrovouni beherbergt derzeit 7.316 Menschen aus dem ehemaligen Lager Moria, rund 60 Prozent davon sind Frauen und Kinder. Die Asylwerber im Lager stammen zu 78 Prozent aus Afghanistan. Für die Menschen wurden seit September 864 Zelte errichtet, berichtet Peter Kessler, der für das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) vor Ort ist, gegenüber PULS 24. Von den Zelten stammen 669 direkt vom UNHCR und weitere 195 vom Deutschen Roten Kreuz.

Google Maps/Screenshot

Die provisorische Zeltstadt "Movravouni" auf einem Militärgelände auf Lesbos. Südlich davon ist das eigentliche permanente Asylzentrum Kara Tepe, zu dem das Ausweichlager gehört.

Die Zelte im Lager hatten zuletzt mit den heftigen Regenfällen zu kämpfen und wurden vielfach überschwemmt. Dem versucht man durch das Anlegen von Abflussrinnen und Streuen von Schotter entgegenzuwirken. Einen Eindruck davon, wie es dort derzeit aussieht, gibt Fayad Mulla, Vorsitzender der österreichschen Kleinpartei "Der Wandel" auf Twitter.

Die Wetterbedingungen bleiben eine große Herausforderung, sagt Kessler. Das Lager liegt direkt an der Küste und ist dort heftigen Winden ausgesetzt. Auch müssen die Zelte winterfest gemacht werden. Dies geschieht aktuell durch isolierende Zeltplanen, die über die Zelte gespannt werden, sowie Bodenisolierungen aus Styropor und Sperrholz.

Keine Heizung, eine Toilette auf knapp 200 Personen

Auch die Heizsituation ist aktuell noch sehr prekär. Es gibt noch keine funktionierende flächendeckende Stromversorgung, wodurch es derzeit auch noch keine elektrischen Heizgeräte für die Zelte gibt. Bis zum Winter solle dies aber stehen, hofft Kessler. Dementsprechend gibt es auch noch keine Warmwasserversorgung im Lager.

Flüchtlingslager auf Lesbos: "Viele haben Hautkrankheiten wegen der schlechten Hygiene"

Dora Vangi, Sprecherin von Ärzte ohne Grenzen, spricht mit PULS 24 Chronik-Chefreporterin Magdalena Punz über die gesundheitliche und hygienische Situation der Geflüchteten in den Lagern auf der griechischen Insel Lesbos.

Eine weitere Herausforderung ist die Sanität und die Gesundheitsversorgung. Seit September wurden im Ausweichlager Mavrovouni 37 chemische Toiletten errichtet. Acht weitere im älteren Kara-Tepe-Lager. Das bedeutet eine Toilette auf knapp 200 Personen. Manche Lagerbewohner würden allerdings selbst provisorische Toiletten bei oder in den Zelten einrichten, um sich in der Nacht lange Wege zu ersparen. Es gibt auch zuwenige Duschen und keine Schule für die Kinder.

PULS 24 Chronik-Chefreporterin Magdalena Punz schildert im Gespräch mit PULS 24 Anchorwoman Bianca Ambros, wie schlimm die Zustände im neuen Flüchtlingslager Kara Tepe sind.

Bisher 12 Corona-Fäll im Lager

Die Corona-Lage im Lager sei derzeit noch gut unter Kontrolle. Die griechischen Gesundheitsbehörden testen alle Neuankömmlinge im Lager, berichtet Kessler. Derzeit habe man 12 gemeldete Corona-Fälle im neuen Ausweichlager, insgesamt seien 14 Personen in Quarantäne. Ältere Asylwerber und solche aus Risikogruppen würden mit Priorität aus dem Lager aufs Festland verlegt, damit sie nicht dem Risiko einer möglichen Ansteckung ausgesetzt werden, so Kessler.

Es gibt medizinische Räumlichkeiten für den Notfall, inklusive einem Quarantäne-Bereich. Dort kommen auch die 22 Zelte, die das Österreichische Rote Kreuz gespendet hat, zum Einsatz. Die vom Innenministerium nach Griechenland gelieferten winterfesten Container sind bisher nicht im Lager Kara Tepe oder dem Ausweichlager Mavrovouni zum Einsatz gekommen.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos