Mordversuch in Fitnessstudio: "Behördenversagen darf nicht passieren"

22. Dez. 2022 · Lesedauer 2 min

Im PULS 24 Interview richtet Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins "Autonome Österreichische Frauenhäuser" (AÖF) einen Appell an die Behörden: Frauen, die bei Gewalt um Hilfe ansuchen, müssen auch gehört werden.

Am Mittwochnachmittag soll sich ein 27-Jähriger unerlaubten Zugang zu einem Fitnessstudio in Vöcklabruck in Oberösterreich verschafft haben. Dort arbeitet seine 25-jährige Frau. Mit einem Messer soll er mehrmals auf sie eingestochen haben, die Frau wird schwer verletzt.

Im PULS 24 Interview richtet Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin vom Verein "Autonome Österreichische Frauenhäuser" (AÖF) einen Appell an die Polizei und die Behörden: Ein Behördenversagen, wie das in Oberösterreich, darf nicht mehr passieren. 

Disziplinarverfahren gegen Beamtin

Denn: Die 25-Jährige wählte vor dem Angriff den Notruf, weil sie ihren Mann bereits auf dem Parkplatz sah und sich bedroht fühlte. Sie soll während des knapp zweiminütigen Anrufs lediglich die Empfehlung bekommen haben, Anzeige zu erstatten. Mehr nicht. Wenige Minuten später tauchte der Mann in den Räumlichkeiten des Fitnessstudios auf und stach mehrmals auf die Frau ein. 

Laut "Kurier" sei die betroffene Notrufbeamtin nicht mehr im Dienst der Landesleitzentrale, sie soll einer anderen Stelle zugeteilt worden sein. Der Vorfall werde untersucht und ein Disziplinarverfahren soll gegen die Beamtin eingeleitet werden. 

Nicht ernst genommen und abgewimmelt

Viele Polizist:innen würden ihre Arbeit sehr gut machen, meint Rösslhumer. Trotzdem gebe es aber immer wieder Fälle, wo Frauen nicht ernst genommen oder "sogar abgewimmelt" werden. Wenn eine Frau hilfesuchend bei der Polizei anruft, sei es "das oberste Gebot der Polizei, sofort zu reagieren". Dem AÖF werde von Betroffenen oft berichtet, dass sie sich von Behörden "nicht adäquat und richtig unterstützt" fühlen.

Es müsse sich etwas ändern, so die AÖF-Geschäftsführerin. Angesichts der Tatsache, dass es so viele Morde und Mordversuche gegen Frauen gab - dieses Jahr bereits 28 mutmaßliche Femizide und 26 versuchte  - "müssen doch die Alarmglocken läuten".

Das Personal müsse "noch besser geschult werden" im Umgang mit betroffenen Frauen. "Weil, Frauen die Hilfe rufen und die Polizei anrufen, brauchen sie tatsächlich. Und das muss sehr ernst genommen werden", so Rösslhumer im PULS 24 Interview. 

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Dijana DjordjevicQuelle: Agenturen / Redaktion / ddj