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Morddrohungen: Ärztin in OÖ muss Ordination schließen

28. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Wegen Morddrohungen via Internet hat eine Allgemeinmedizinerin in Oberösterreich ihre Ordination vorübergehend geschlossen.

Wie sie auf ihrer Homepage mitteilt, sei sie seit mehr als sieben Monaten in unregelmäßigen Abständen Repressalien "aus der Covid-Maßnahmengegner- und Impfgegner-Szene" ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft Wels hat im Juni das Ermittlungsverfahren gegen einen deutschen Verdächtigen eingestellt.

Erste Drohungen im November 

Bereits im November 2021 habe die Frau die erste Drohung erhalten und eine weitere am 4. April diesen Jahres, bestätigte die Polizei OÖ. Seitdem sei sowohl im Inter- als auch im Darknet ermittelt worden. Zudem habe die Medizinerin über längere Zeit umfassenden Polizeischutz erhalten.

Unterschiedliche Täter:innen 

Am 6. April wurde Anzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Wels wegen gefährlicher Drohung erstattet, bestätigte eine Sprecherin der Anklagebehörde. Im Zuge weiterer Ermittlungen sei ein Deutscher als möglicher Täter in Verdacht geraten. Er soll im März und April gegen die Ärztin gefährliche Drohungen in sozialen Medien ausgesprochen haben, auch wegen Stalkings sei ermittelt worden. Am 14. Juni sei das Ermittlungsverfahren "mangels inländischer Gerichtsbarkeit" aber eingestellt worden, hieß es weiter von der Anklagebehörde.

"Bis also ein Weg gefunden ist, die Ordination sinnvoll und sicher weiterführen zu können, werden die Sicherheitstüren der Ordination geschlossen bleiben", so die Konsequenz der Ärztin. Sei selbst habe bereits 100.000 Euro für Schutzmaßnahmen ausgegeben.

Polizei sieht Mitschuld bei Ärztin 

Im Mittagsjournal von Ö1 meint die Polizei, dass sich die Ärztin verstärkt "in die Öffentlichkeit" gedrängt habe und "ihr persönliches Fortkommen befördern" wolle. Sie trage also eine "Mitschuld" an den Drohungen durch die Verschwörungstheoretiker:innen gegen ihre Person. Deswegen seien die Ermittlungen auch teilweise eingestellt worden. Man sehe aktuell "keine Bedrohungslage" und bezieht sich auf Aussagen des Verfassungsschutzes. 

Kellermayr widerspricht auf Twitter den Aussagen der Polizei. Ihr wurde kein Polizeischutz angeboten. Die Ärztin sieht in den Aussagen der Polizei eine "Täter-Opfer-Umkehr". 

Auch der Präsident der Ärztekammer Oberösterreich, Peter Niedermoser, meldet sich zum Fall zu Wort und verweist auf eine einmalige Notstandshilfe. Diese soll an Ärztinnen und Ärzte ausgezahlt werden, wenn diese nicht selbstverschuldet in eine Notlage geraten. Diese habe Kellermayr laut Niedermoser allerdings nicht angesucht, wie der "Standard" berichtet. "Ich sehe ein, dass man sich wehren muss, aber es ist eine andere Frage, ob man sich bei jedem Thema auf Twitter exzessiv zu Wort melden muss, manchmal ist es besser, man zieht sich zurück", wird Niedermoser im Artikel zitiert.

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj