APA - Austria Presse Agentur

Beatnik-Dichter Lawrence Ferlinghetti ist tot

24. Feb 2021 · Lesedauer 3 min

Der US-Schriftsteller Lawrence Ferlinghetti, einer der wichtigsten Vertreter der literarischen Beat Generation, ist tot. Er sei am Montag im Alter von 101 Jahren in San Francisco gestorben, teilte der von dem Dichter gegründete legendäre Buchladen City Lights auf seiner Webseite mit.

"Wir werden ihn zutiefst vermissen", hieß es zum Tod Ferlinghettis, der in den 1950er Jahren mit seinen Beatnik-Kollegen Jack Kerouac und Allen Ginsberg die literarische rebellische Bewegung in der Westküstenmetropole San Francisco anführte. "Wir haben einen großartigen Dichter und Visionär verloren", sagte die Miteigentümerin und pensionierte Geschäftsführerin des Buchladens und Verlags, Nancy Peters, am Dienstag (Ortszeit) der Zeitung "San Francisco Chronicle". Sie würdigte Ferlinghetti, mit dem sie mehr als 50 Jahre lang eng zusammenarbeitete, als "Legende seiner Zeit". Der 1919 in der Stadt Yonkers im US-Bundesstaat New York geborene Autor brachte im Laufe seines Lebens Dutzende Werke heraus.

Ferlinghetti führte ein bewegtes Leben: Kindheit bei einer Tante in Frankreich, als Soldat im Zweiten Weltkrieg im Pazifik und beim D-Day in der Normandie, Studium an der Sorbonne in Paris, dann nach San Francisco, wo er zu einer der zentralen Figuren der Beat-Bewegung wird. Er gründet den legendären Buchladen und Verlag City Lights. Noch heute ist der historische Bookshop mit den alten Regalen und knarrenden Holzböden ein Treffpunkt für Intellektuelle und Poeten. Die Fassade des Buchgeschäft, mitten im Italienerviertel North Beach, ist seit Jahren eine Reklamewand für Protest-Worte. Es sind riesige Banner mit der Aufschrift "Andersdenken ist nicht un-amerikanisch", "Stoppt Kriege und Kriegstreiber", oder "Stoppt Abschiebungen".

Dort trug Allen Ginsberg 1955 sein berühmtes Gedicht "Howl" ("Das Geheul") über Sex, Rausch und ein neues Lebensgefühl vor. Der explizite Text löste einen Skandal aus, die Staatsanwaltschaft befand das Gedicht als obszön. Als Verleger wurde Ferlinghetti verklagt, doch er gewann den Prozess, der die Beatniks ins Rampenlicht rückte. "Ein mutiger Mensch und ein mutiger Poet", sagte der Sänger Bob Dylan einmal über Ferlinghetti. Doch der wehrte ab. "Für uns war es einfach Dichtkunst, die veröffentlicht werden musste."

"Seine Arbeit hat ihm einen Platz im amerikanischen Kanon eingebracht", schrieb City Lights. Zu Ferlinghettis bekanntesten Werken zählte der Gedichtband "A Coney Island of the Mind" ("Ein Coney Island des Bewusstseins") aus dem Jahr 1958, der in über zwölf Sprachen übersetzt wurde und City Lights zufolge einer der am besten verkauften Lyrikbände aller Zeiten ist.

Ferlinghetti brachte noch im Alter von 100 Jahren Gedichte heraus. Der runde Geburtstag des gefeierten Dichters und Denkers vor knapp zwei Jahren war mit zahlreichen Veranstaltungen begangen worden. An diesen "fantastischen Tribut" bat City Lights dem "San Francisco Chronicle" zufolge zu erinnern. Eine Gedenkveranstaltung zum Tod Ferlinghettis war demnach aufgrund der Corona-Pandemie zunächst nicht geplant.

Quelle: Agenturen