APA - Austria Presse Agentur

Mord wegen Maskenpflicht: Bevölkerung bestürzt, Rechtsextreme jubeln

21. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

In Deutschland hat ein 49-Jähriger einen 20-jährigen Tankstellen-Mitarbeiter erschossen, weil dieser ihn wegen fehlender Maske nicht bedienen wollte. Politiker und Bevölkerung sind geschockt über die Tat, in rechten Telegram-Kanälen wird der Mord gefeiert.

Die Ortschaft Idar-Oberstein im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz steht unter Schock. Ein 49-Jähriger hat am Samstagabend einen 20-jährigen Tankstellen-Kassier mit einem Kopfschuss getötet, weil ihn dieser auf die Maskenpflicht hingewiesen hatte.

Später stellte sich der 49-Jährige selbst den Behörden. In seiner Einvernahme gab er an, ein Gegner der Corona-Maßnahmen und Maskenverweigerer zu sein.

Rechtsextreme Telegram-Gruppen feiern Mord

In verschiedenen Telegram-Kanälen von Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern der sogenannten "Querdenker-Szene" wird der Mord hingegen gefeiert und sogar bejubelt. Der Täter habe wohl einfach die "Schnauze voll" gehabt, zitiert der deutsche "Tagesspiegel" aus dem Telegram-Kanal des Verschwörungstheoretikers Sven Liebich, oder auch: "Wenns die richtigen trifft, hab ich nichts dagegen". 

Wie gefährlich sind Corona-Leugner?

In einem anderen Kanal heißt es frohlockend: "Jetzt geht's los!!!" Ein anderer Telegram-Nutzer schreibt: "Kein Mitleid. Die Leute immer mit dem Maskenscheiß nerven. Da dreht irgendwann mal einer durch. Gut so." In anderen Kanälen werden Herzen und Daumen nach oben gepostet und die Tat abwechselnd als "Notwehr", "logischer Schritt" oder Beginn eines langersehnten Befreiungskampfs gegen die angebliche "Merkel-Diktatur" bejubelt

Bestürzung bei Bevölkerung und Politikern

"Das ist eine ganz unfassbare, schreckliche Tat, die hier in Idar-Oberstein passiert ist", sagte Oberbürgermeister Frank Frühauf (CDU) dem "Spiegel". Das merke man auch an der großen Betroffenheit der Bürger vor Ort. Viele hätten an der Tankstelle Blumen und Kränze niedergelegt. "Es wird eine Zeit dauern bis man das verarbeitet hat", so der Oberbürgermeister.

Groß ist die Bestürzung auch in der Politik. Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im deutschen Bundestag schrieb auf Twitter: "Der furchtbare Mord an einem jungen Mann in Idar-Oberstein erschüttert mich zutiefst. An jemandem, der darum bat, sich an die Regeln zu halten. Nur normal solidarisch zu sein. Mein Mitgefühl & Beileid gilt seiner Familie & Freunden. Es ist grausam, welche Auswirkungen der Hass hat."

Auch die Kanzlerkandidatin der Grünen Annalena Baerbock zeigte sich in einem Twitter-Post erschüttert: "Mich erschüttert der furchtbare Mord an einem jungen Mann, der nur darum bat, die geltenden Regeln zu befolgen, umsichtig und solidarisch zu sein", schrieb sie. Die "Die Radikalisierung des Querdenkermilieus" bereite ihr große Sorgen.

SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz zeigte isch ebenfalls "erschüttert" von der Bluttat. Er forderte: "Wir müssen uns als Gesellschaft dem Hass entschlossen entgegenstellen. Der Täter muss hart bestraft werden."

Ähnlich besorgt über die "zunehmende Radikalisierung der Gegner der Coronamaßnahmen" zeigte sich auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Er warnt: "Leider ist es nicht nur das Internet, wo gehetzt wird."

Verdächtiger kam nach Maskenstreit mit Pistole wieder

Der 49-jährige Mordverdächtige wollte am Samstagabend gegen 19.25 Uhr laut Polizeiinformationen ein Secherspack Bier kaufen, als der 20-jährige Mitarbeiter an der Kasse ihn auf die Maskenpflicht hinwies. Es kam zu einem Wortgefecht, der 49-Jährige verließ daraufhin den Tankstellenshop. Dabei hat er laut Polizei drohend die Hand gehoben.

Nach 21 Uhr kam der 49-Jährige erneut in den Laden, zunächst mit einem Mund-Nasen-Schutz. Er holte abermals Bier und ging zur Kasse. Dort nahm er die Maske demonstrativ ab. Als ihn der Mitarbeiter abermals auf die Maskenpflicht hinwies, zog der Mann einen Revolver aus seiner Tasche und schoss dem 20-Jährigen aus nächster Nähe gezielt in den Kopf. Dann flüchtete er zu Fuß.

Bei einer Hausdurchsuchung beim 49-Jährigen wurde die Tatwaffe sowie passende Munition gefunden. Der Mann habe keinen Waffenschein, die Herkunft der Waffe wird aktuell ermittelt, teilte Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann mit.

Ermittler sollen weitere Waffen gefunden haben

Laut "Spiegel" habe sich der Verdächtige in die Ecke gedrängt gefühlt. Er habe "keinen anderen Ausweg gesehen" und wollte ein Zeichen setzen, wird Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann zitiert. Für den 49-Jährige soll der 20-Jährige durch die Aufforderung verantwortlich für die Regelungen gewesen sein.

Erste Ermittlungen sollen zeigen, dass der Verdächtige mit den Themen der Coronaleugnern "bewandert" war, wie es im "Spiegel" heißt. Zudem habe man bei dem 49-Jährigen noch weitere Waffen und Munition gefunden.

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos