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Mord an der Uni - Vocelkas Krimi "Der Dozent und der Tod"

Karl Vocelka hat schon viele Bücher geschrieben. "Österreichische Geschichte 1699-1815" etwa oder - gemeinsam mit seiner Gattin - eine Biografie Kaiser Franz Josephs I. Nach zahlreichen Schriften aus seinem Fachgebiet Geschichte hat sich der Universitätsprofessor im Ruhestand nun über das Abenteuer gewagt, einen Krimi zu verfassen. "Der Dozent und der Tod" ist im dem Autor bestens vertrauten Wiener Universitätsmilieu angesiedelt, die Handlung spielt sich im Jahr 1986 ab.

Der Zeitpunkt, an dem sich bei einem Hearing eines Kandidaten für die Nachfolge des vor der Pensionierung stehenden Ordinarius für Indologie ein Mord ereignet, ist kein Zufall: Mai 1986, einige Wochen nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl und zugleich mitten im Wahlkampf für die Stichwahl um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten - sprich Beginn der Waldheim-Affäre. Für einen Historiker eine äußerst interessante Zeit, in welche die Handlung des knapp 200 Seiten langen Kriminalromans eingebettet ist. Das Innencover des Buchs wird sogar von Slogans rund um die Waldheim-Wahl geziert, die zum Teil bis heute bekannt geblieben sind.

Beim Lesen gerät man rasch in den Sog des kriminalistischen Plots: Schon der erste Kandidat für das neu zu besetzende Ordinariat der Indologie an der Uni Wien kippt unmittelbar nach einem Schluck Wasser, den er sich in einer Sprechpause gegönnt hat, tot um. Die Frage, ob es sich um einen plötzlichen Herztod oder einen Giftmord handelte, wird durch die Obduktion eindeutig beantwortet und es kommt zu Mordermittlungen.

Im Mittelpunkt der Handlung steht ein Dozent, der als Repräsentant des sogenannten Mittelbaus jener Kommission angehört, die über die Besetzung des vakant werdenden Postens abstimmen hätte sollen. Weil er in der Vergangenheit keinen Hehl aus seiner Antipathie gegenüber dem nun toten Kollegen gemacht hat, gerät er als erster in Verdacht. Klar ist jedenfalls, dass eine der wenigen beim "Probesingen", wie diese Art der Vorträge im Uni-Jargon genannt werden, anwesenden Personen den hinterhältigen Mord begangen haben muss. Um den Verdacht gegen sich selbst zu entkräften, beginnt der Dozent eigene Nachforschungen anzustellen - und arbeitet schließlich mit dem die Ermittlungen leitenden Chefinspektor der Polizei zusammen, der ihm nach und nach vertraut.

Nun entspinnt sich eine Handlungsstruktur, die Krimi-Lesern bestens vertraut ist: Nach und nach ergeben sich Verdachtsmomente gegen bestimmte Personen, auch Mordmotive sind - mal konkreter, mal nicht ganz so konkret - bei den jeweiligen Verdächtigen rasch zur Hand. Denn einerseits könnte das Konkurrenzverhältnis zwischen den einzelnen Kandidaten um das vakante hohe Amt den Ausschlag gegeben haben, andererseits könnten Intrigen, persönliche Eifersüchteleien oder gar ein möglicher Erpressungsversuch seitens des Mordopfers eine Rolle spielen. Denn im Zuge der Ermittlungen kommt im vermeintlich soliden universitären Umfeld ein Gewirr aus Intrigen, sexuellen Affären und nicht ganz legalem Handel mit Kunstgegenständen und Manuskripten zutage.

Gerade die Ansiedlung des Mordfalls im Unimilieu, in welchem Unangepasste und Alt-68er, zu welchen sich der als Hauptfigur dienende Dozent zählt, einen schweren Stand gegenüber den Nadelstreif-Trägern und sogenannten "Speichelleckern" haben, macht den Unterschied zu vielen anderen Romanen aus diesem Genre aus. Dass der Autor, der mehr als 40 Jahre an der Uni gelehrt hat, sich in eben diesem Milieu bestens auskennt, wird bei der Lektüre augenscheinlich. Dass er sich im Ruhestand zum Verfassen eines Krimis entschlossen hat, erklärt Vocelka in einem Kurzinterview am Ende des Buchs mit der "Herausforderung", die das Verfassen eines "anderen" Buches als eines wissenschaftlichen für ihn dargestellt habe. Und auch damit: "Von Jugend an habe ich gerne Krimis gelesen und so lag es nahe, selbst einen zu schreiben." Was ihm durchaus gelungen ist.

(S E R V I C E - Karl Vocelka: "Der Dozent und der Tod. Ein Universitätskrimi", ueberreuter, 192 Seiten, 16,00 Euro)

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  • "Der Dozent und der Tod" ist im dem Autor bestens vertrauten Wiener Universitätsmilieu angesiedelt, die Handlung spielt sich im Jahr 1986 ab.