Möglicher Eltern-Mord: Prozess in Südtirol gestartet

04. März 2022 · Lesedauer 2 min

Am Freitagnachmittag hat vor dem Schwurgericht in Bozen der Prozess gegen einen 31-Jährigen begonnen, dem vorgeworfen wird, vor etwas mehr als einem Jahr seine Eltern getötet und anschließend in den Fluss Etsch geworfen zu haben.

Der Bozner hatte in Einvernahmen ein Geständnis abgelegt. Ihm droht im Falle eines Schuldspruchs lebenslange Haft.

Aufsehen in ganz Italien

Der Fall hatte nicht nur in Südtirol, sondern in ganz Italien für großes Aufsehen gesorgt. Lange Zeit gab es von den Eltern, die am 4. Jänner 2021 verschwunden waren, keine Spur. Zwar verdichteten sich die Hinweise, dass sie Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein könnten, aber erst mehrere Wochen nach der Tat wurden die Leichen in der Etsch gefunden.

Es war intensiv nach den Vermissten gesucht worden. Mehrfach wurde über den Fall auch in einer italienweit ausgestrahlten und sehr beliebten Fernsehsendung berichtet - in der Hoffnung, Hinweise auf den Verbleib der beiden Lehrer zu finden. Dem Angeklagten wird nicht nur Doppelmord, sondern auch das Verstecken der Leichen zur Last gelegt.

Zuerst bestritten, danach geschwiegen

Der 31-Jährige hatte anfänglich bestritten, etwas mit dem Verschwinden seiner Eltern zu tun zu haben, war aber sehr schnell in den Fokus der Ermittler gerückt. Daraufhin hüllte er sich in Schweigen und erst nach dem Auffinden der Leichen legte er ein Geständnis ab. Er soll die Eltern mit einem Seil erdrosselt haben. Der Tathergang konnte inzwischen von den Ermittlungsbehörden nahezu vollständig rekonstruiert werden.

Psychiatrisches Gutachten

Der Angeklagte wurde auch einem psychiatrischen Gutachten unterzogen. Demnach war er bei der mutmaßlichen Tötung seines Vaters nur teilweise zurechnungsfähig. Diese soll im Laufe eines Streites erfolgt sein. Bei der Tötung seiner Mutter soll er hingegen voll zurechnungsfähig gewesen sein.

Zum Prozess sind rund 100 Zeugen zugelassen. Die sechsköpfige Jury bestand ausschließlich aus weiblichen Mitgliedern.

Quelle: Agenturen