Karner: Russlands Neutralitäts-Vorschlag nicht ernst zu nehmen

16. März 2022 · Lesedauer 2 min

Militärexperte und Offizier Gerald Karner geht im Newsroom LIVE davon aus, dass Putin die Friedensverhandlungen mit der Ukraine nur verzögern will, bis ihm militärische Erfolge gelingen. Er erklärt auch, warum der Angriff auf Odessa zwischen schwachen Seestreitkräften und fehlender Lufthoheit absolut nicht nach Lehrbuch abläuft.

Militärexperte und Offizier Gerald Karner erteilt baldigen Friedenshoffnungen für die Ukraine im PULS 24 Newsroom LIVE eine Absage. Der Vorschlag von Russlands Diktator Wladimir Putin, dass die Ukraine nach österreichischem Vorbild neutral werden könnte, sei "nicht ernst zu nehmen".

Russland will souveräne Ukraine verhindern

Bis 2014 sei die Ukraine "de facto neutral" gewesen, bis Russland die Krim annektierte. Russland habe aber immer gesagt, dass eine souveräne Ukraine nicht in Frage käme. Karner habe den Eindruck, "Russland will die Verhandlungen damit verzögern, bis der eine oder andere militärische Erfolg sichtbar sein könnte".

"Die Ukraine als Nachbar Russlands benötigt starke eigene Streitkräfte", ist sich Karner sicher, denn souverän sei ein Staat, "wenn er sich aus eigener Kraft verteidigen kann".

"Kaum jemand kommt mehr raus"

In Mariupol seien 300.000 Menschen eingeschlossen, "kaum jemand kommt mehr raus". Das sei ein humanitäres Desaster, das die Weltöffentlichkeit beschäftigen sollte, so der Experte. Am Mittwoch sei ein Theater voller Flüchtlinge zerbombt worden, hunderte Opfer werden befürchtet.

Würde die belagerte Stadt eingenommen, wäre nicht nur die Landbrücke zwischen der Krim und den Separatistengebieten geschlossen, es wäre für Putin auch politisch verwertbar. Damit hätte er sowohl ein Kriegs- als auch ein politisches Ziel erreicht.

Schwache Seestreitkräfte, fehlende Luftherrschaft

"Es gibt glaubwürdige Berichte darüber, dass Russland noch nicht die Luftherrschaft über die gesamte Ukraine hat, nicht einmal über die Ostukraine." Derzeit würde die Stadt Odessa deshalb von See beschossen. "Das könnte man als Vorbereitung deuten, für eine amphibische Landung." Die russischen Seestreitkräfte seien aber zu schwach dafür. Deshalb werde "punktuell" angegriffen, auch die Abstimmung zwischen Luft- und Landangriffen funktioniere nicht richtig.

Die ganze Sendung sehen Sie um 22.20 Uhr auf PULS 24 oder im Livestream.

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam