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Milchkühe sollen früher als geplant von der Kette loskommen

28. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Die dauernde Anbindehaltung für Milchkühe ist noch als Ausnahme erlaubt und wird laut Landwirtschaftsministerium in rund zehn Prozent der Milchviehbetriebe angewendet. Im Tierwohlpaket hat die Regierung das Ende für 2030 festgelegt, nun wird der Ausstieg vorangetrieben: Ab 2024 werden die Ausnahmen im AMA Gütesiegelprogramm nicht mehr anerkannt. Agrarminister Norbert Totschnig (ÖVP) will die Bauern mit einem Investitionsprogramm von 30 Millionen Euro pro Jahr unterstützen.

Mindestens die Hälfte der betroffenen 2.500 Betriebe werde laut Schätzungen bis 2024 wohl umsteigen, meinte Totschnig. "Der Umbau von Ställen ist sehr kostenintensiv. Darum stellen wir finanzielle Hilfe bereit, wenn Betriebe bis zu zwei Jahre vor der gesetzlichen Frist aus der dauernden Anbindehaltung umsteigen. Dafür investieren wir 30 Millionen Euro pro Jahr."

Die Haltungsform ist grundsätzlich verboten, aber mit behördlicher Ausnahmegenehmigung erlaubt. Viele der betroffenen Betriebe würden in Berg- oder benachteiligten Gebieten arbeiten, ihr Erhalt sei wichtig, sagte der Präsident der Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter, Helmut Petschar. Die Milchwirtschaft unterstütze die Verbesserungen, betonte er.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ), Josef Moosbrugger, forderte "die Molkereien und sämtliche Vermarktungspartner auf, in enger Abstimmung mit der Landwirtschaft praxistaugliche Übergangslösungen für unsere betroffenen Bauernhöfe zu erarbeiten". Für rinderhaltende Betriebe, die nun umrüsten wollen, "braucht es gesicherte Abnahmegarantien von weiteren 24 Monaten". Fachliche Unterstützung soll das "Bergmilchvieh-Projekt" mit innovativen Stallbaulösungen gerade für kleinere Bergbauernhöfe liefern. "Mit dem Investitionsprogramm ist schon ein erster wichtiger Schritt gelungen. Jetzt sind auch Handel und Konsumenten an der Reihe, die Kosten für höhere Standards in der Milchviehhaltung nachhaltig abzugelten", sagte Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

Im AMA System werde zudem ein freiwilliges Modul "Tierhaltung +" eingerichtet, das neben strengeren Standards in der Haltung auch zusätzliche Kontrollen sowie Dokumentationen bei Medikamenteneinsatz und Gesundheitsmonitoring garantieren soll, informierte Petschar. Dies soll ein mit der deutschen Haltungsformkennzeichnung der Initiative Tierwohl (ITW) kompatibles Kennzeichnungsmodell schaffen und die Exporte nach Deutschland sichern. Der deutsche Milchmarkt mit einem Anteil von rund 25 Prozent am Gesamtabsatz sei für Österreich sehr wichtig.

(S E R V I C E - Nähere Informationen unter https://www.landwirtschaft.at/)

Quelle: Agenturen