APA - Austria Presse Agentur

Mehr als 8.000 Corona-Fälle in Österreich

28. März 2020 · Lesedauer 4 min

Am Samstagnachmittag ist in Österreich die 8.000er-Grenze bei den mit SARS-CoV-2 Infizierten überschritten worden. Das Gesundheitsministerium meldete mit Stand 15.00 Uhr 8.030 behördlich bestätigte Erkrankte und weiterhin 68 Todesopfer. Mit einer Erhöhung der Infektionszahlen um 8,06 Prozent wurde im 24-Stunden Vergleich aber das geringste prozentuelle Plus seit zwei Wochen verbucht.

Die meisten Fälle gab es Samstagnachmittag in Tirol (1.849), gefolgt von Oberösterreich (1.337), Niederösterreich (1.262), Wien (1.067) und der Steiermark (848). Auf die einzelnen Bundesländer bezogen wurden von den 68 Toten (Samstag, 08.00 Uhr) die meisten in der Steiermark ausgewiesen (17), gefolgt von Wien (16), Niederösterreich (13) und Tirol (9). In Tirol war ein am Freitagabend bekannt gewordener Fall allerdings noch nicht in der Statistik berücksichtigt worden. Im Verlauf des Samstages kamen allerdings mehrere weitere Todesfälle dazu.

Erfreulich war, dass sich die Infektionszahlen nur um 8,06 Prozent erhöht hatten. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will die täglichen Zuwachszahlen in den niedrigen einstelligen Bereich drücken, hatte er am Freitag bekräftigt. 839 Erkrankte befanden sich dem Krisenstab im Innenministerium zufolge am Samstag in einem Spital, davon 135 auf einer Intensivstation. Am Freitag hatten sich 800 Infizierte in Krankenhäusern befunden, davon 128 auf einer Intensivstation. Allerdings wurden am Samstag bereits 410 Personen als genesen ausgewiesen - um 185 mehr als am Freitag.

Knapp 43.000 Tests auf SARS-CoV-2 wurden bis Samstag in Österreich durchgeführt, wobei die NEOS errechnet haben, dass die Testzahlen im Verlauf der vergangenen Woche entgegen der von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ausgegebenen Devise ("Testen, testen, testen!") nicht zu, sondern abgenommen haben. Demnach sank die Zahl der Test von 4.962 am Montag kontinuierlich auf 3.198 am Freitag. NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker zeigte sich angesichts dieser Entwicklung gegenüber der APA am Samstag "schwer enttäuscht". "Offenbar steigt nur die Zahl an Pressekonferenzen rapide, nicht aber die der überlebenswichtigen Corona-Tests, die essenziell zur Bekämpfung des Virus sind", stellte Loacker fest. Wenn die Regierung schon 15.000 Tests pro Tag verspreche, so erwarte er sich zumindest einen spürbaren Anstieg seit der Ankündigung, nicht aber einen Rückgang.

Diese Entwicklung sorgte auch bei der SPÖ und der FPÖ für heftige Kritik. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz sprach von einer "Verhöhnung der Bevölkerung". Die Politik von Kurz und Anschober bestehe "aus Tarnen und Täuschen. Die Österreicherinnen und Österreicher werden zum Narren gehalten". "Fassungslos" zeigte sich SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher. Er warf der Regierung auch "Zögerlichkeit" bei der Beschaffung der für Corona-Patienten wichtigen Beatmungsgeräte vor. Bundeskanzler Kurz habe vor kurzem bei einem deutschen Hersteller für Medizinprodukte 1.000 Geräte bestellt, sei aber offenkundig zu spät dran gewesen, so dass jetzt nur 50 Geräte geliefert würden, bezog sich Kucher auf einen Bericht des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Kucher verlangte, dass "endlich eine zentrale Beschaffung von der Schutzbekleidung, über die Test-Kits bis hin zu den Beatmungsgeräten funktionieren muss".

Das Gesundheitsministerium wies den Vorwurf, die täglichen Tests auf SARS-CoV-2 hätten im Verlauf der vergangenen Woche von knapp 5.000 auf 3.200 abgenommen, mittlerweile zurück. Diese Behauptung stimme nicht. "Viele neue kleine Labors, die seit kurzem neu Testungen durchführen, sind noch nicht per Schnittstelle mit dem elektronischem Erfassungssystem verbunden", hieß es aus dem Ministerium.

Das Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) - mit 1.763 Betten das größte Krankenhaus Österreichs - verfügt indes ab kommender Woche über drei Corona-Stationen. Das teilte Nina Brenner-Küng, interimistische Leiterin der Unternehmenskommunikation des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), der APA mit.

Demnach wurden am AKH in den vergangenen Tagen drei Stationen geräumt, die Patienten auf andere Stationen verlegt und Umbauarbeiten vorgenommen, um für Covid-19-Erkrankte gerüstet zu sein. Es mussten etwa zusätzliche Lüftungssysteme und Unterdruckvorrichtungen installiert werden.

Stationär aufgenommen werden dort ausschließlich Patienten, die an Krankheiten oder Gebrechen leiden, die nur im AKH behandelt werden können, weil es dort die nötige medizintechnische Infrastruktur gibt, und die zusätzlich positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden. Für eigentliche Corona-Patienten sei das AKH vorerst weiter nicht vorgesehen, betonte Brenner-Küng. Diese würden weiterhin primär im Kaiser-Franz-Josef-Spital (SMZ Süd) versorgt. Zusätzliche Kapazitäten gibt es im Wilhelminenspital, im Krankenhaus Hietzing und im Donauspital (SMZ Ost).

Zwei Quantenphysiker und ein Mathematiker sprechen sich unterdessen für eine Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie in Österreich aus. Notwendig sei etwa die Einführung einer Schutzmaskenpflicht im öffentlichen Raum und ein striktes Durchsetzen des "Social Distancing", appelliert der Quantenphysiker Hanns-Christoph Nägerl von der Uni Innsbruck in einem Offenen Brief an Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP).

Quelle: Agenturen