APA - Austria Presse Agentur

McAfee-Gründer tot in Gefängniszelle aufgefunden

23. Juni 2021 · Lesedauer 4 min

Der in Spanien inhaftierte Antiviren-Pionier John McAfee wurde starb am Mittwoch. Untersuchungen wurden eingeleitet, die Behörden gehen von Selbstmord aus. Davor entschied ein Richter, seiner Auslieferung in die USA stattzugeben.

Der Software-Entwickler McAfee war in seiner Gefängniszelle in der Haftanstalt Brains 2 etwa 30 Kilometer nordwestlich von Barcelona aufgefunden worden. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof Spaniens Grünes Licht für seine Auslieferung an die US-Justiz gegeben. Alles deute auf einen Suizid des 75-Jährigen hin, so das katalanische Justizministerium. Medienberichten zufolge ist die Todesursache noch nicht zweifelsfrei ermittelt worden.

Das berichteten spanische Medien wie "El País", "El Mundo" und "La Vanguardia" unter Berufung auf die Justizbehörden und die Polizei von Katalonien. Eine Autopsie solle nun Gewissheit bringen, hieß es weiter. Dem 75-jährigen Antiviren-Guru drohen in den USA bei einer Verurteilung jahrelang Gefängnis und hohe Geldstrafen.

Steuerhinterziehung

2020 wurde McAfee in Spanien verhaftet, nachdem die Justiz der USA ihn beschuldigt hatte, mehrere Jahre lang keine Steuererklärungen abgegeben zu haben. Der Software-Pionier habe Millionen mit der Werbung für Kryptowährungen, seiner Beratungstätigkeit, Redneraufträgen und dem Verkauf der Rechte an seiner Lebensgeschichte für einen Dokumentarfilm verdient, hieß es in der Anklageschrift. Dabei habe er versucht, mit den Methoden von Geldwäschern das Finanzamt zu umgehen.

McAfee sagte, er habe Steuern in Millionenhöhe gezahlt und sei nur aus politischen Gründen verhaftet worden, weil er es gewagt habe, die Korruption bei der Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten (IRS) anzuprangern. Außerdem habe er das traditionelle Währungssystem kritisiert und die Rolle von Zentralbanken wie der Federal Reserve bei der Steuerung der Geldmenge in Frage gestellt.

Das spanische Gericht sah allerdings keine Hinweise auf eine politische Verfolgung und gab dem Antrag auf Auslieferung statt. Nur Stunden später wurde McAfee leblos in seiner Zelle gefunden. Vor diesem Hintergrund forderte US-Whistleblower Edward Snowden auf Twitter, Auslieferungen von Menschen in die USA zu stoppen, denen kein Gewaltverbrechen vorgeworfen werde. "Europa sollte diejenigen, die gewaltfreier Verbrechen beschuldigt werden, nicht an ein Gerichtssystem ausliefern, das so unfair - und ein Gefängnissystem so grausam - ist, dass einheimische Angeklagte lieber sterben würden, als sich ihm zu unterwerfen." Wikileaks-Gründer Julian Assange könne der Nächste sein, so Snowden weiter.

Antiviren-Pionier

 McAfee gehörte zu den Mitgründern der Antiviren-Branche. In den 1980er Jahren gründete er die nach ihm benannte Firma McAfee und wurde zum Software-Millionär. Ähnlich wie Microsoft-Begründer Bill Gates erkannte er früh das Geschäftspotenzial der entstehenden Software-Industrie. Vor der großen Karriere verlief McAfees Leben äußerst schwierig: Er wuchs in einem zerrütteten Haushalt auf, mit einem gewalttätigen Vater, der sich das Leben nahm, als er 15 Jahre alt war, wie McAfee einem Reporter des Magazins "Wired" erzählte. Zeitweise konsumierte er große Mengen Kokain und Alkohol.

Schon als Unternehmer neigte McAfee zum großen Auftritt. Kurz nach der Gründung des Unternehmens stopfte er ein Wohnmobil mit Computern voll und fuhr damit bei Kunden vor. Diese "mobile Virenbekämpfungseinheit" sollte sie beeindrucken, war aber eher Show, wie McAfee später einräumte. Jahre später verschlug es McAfee ins zentralamerikanische Belize, wo er ein großes bewachtes Anwesen baute, mit jungen Geliebten prahlte und schließlich bei einer Razzia aufflog, weil er verbotene Waffen besaß.

Finanzkrise ließ Vermögen schmelzen

Nachdem McAfees Unternehmen in den 1990er Jahren an die Börse ging, stieg er aus dem Unternehmen aus. Sein Vermögen wurde danach zeitweise auf mehr als 100 Millionen Dollar geschätzt. Sein ausschweifender Lebensstil und Fehlinvestitionen in der Finanzkrise 2008 sorgten aber dafür, dass von seinem Geldberg nur noch ein Bruchteil übrig blieb.

Verwicklungen in Mord an Nachbarn vermutet 

2012 sorgte McAfee in Belize für Schlagzeilen, als nach einem Mord an einem Nachbarn nach ihm gefahndet wurde und er durch den Dschungel vor der Polizei floh. McAfee stand im Verdacht, einen Auftragskiller beauftragt zu haben, um den lästigen Nachbarn loszuwerden. Die Vorwürfe konnten aber juristisch nie erhärtet werden.

Die bis heute populäre Anti-Viren-Software McAfee gehörte etliche Jahre zum Konzern des Chip-Giganten Intel, bevor sie 2016 im Portfolio einer Finanz-Investorengruppe landete.

John McAfee versuchte nach seiner Flucht aus Mittelamerika mit mehreren Projekten in den USA wieder Fuß zu fassen. 2016 versuchte er, den Namen McAfee für eine neue Sicherheitsfirma zu verwenden, wurde aber von Intel vor Gericht daran gehindert. Im Sand verliefen auch die Versuche, eine politische Karriere zu machen. Als Libertärer wollte er für das Präsidentenamt kandidieren. Ein kritischer Dokumentarfilm der Filmemacherin Nanette Burstein über McAfee und seine möglichen Verstrickungen in Belize erstickte die politischen Ambitionen jedoch im Keim.
 

Quelle: Agenturen / koa