APA - Austria Presse Agentur

Lob und Rufe nach Tempo zu Bericht der "Taskforce Pflege"

15. Feb 2021 · Lesedauer 3 min

Die großen Trägerorganisationen Caritas, Volkshilfe und Hilfswerk haben sich zu dem nun vorgelegten Bericht der "Taskforce Pflege" grundsätzlich positiv geäußert. Das Papier stelle "eine gute Zusammenfassung der Themen dar, die es durch eine umfassende Pflegereform zu lösen gilt", so Caritas-Präsident Michael Landau. Volkshilfe-Geschäftsführer Erich Fenninger sah eine "gute Grundlage", nun gelte es, die Pläne zu operationalisieren. Beide forderten eine Einbindung der Träger.

Der Bericht war am Sonntag von der "Taskforce Pflege" vorgelegt worden, die Anfang 2020 von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) eingerichtet worden ist - und die die Reform des Pflegesektors einleiten soll. Landau begrüßte in einer Aussendung am Montag das "erneute klare Bekenntnis zum Ausbau unterschiedlicher Pflege- und Betreuungsangebote", welches die Bedürfnisse der Betroffenen "ernst nimmt und in den Fokus stellt". Dies sei ein "wichtiger Ausgangspunkt für ein Pflegesystem mit Zukunft". Fenninger sagte im Gespräch mit der APA, in dem Bericht stehe "vieles drinnen, was wir uns wünschen und fordern - jetzt müssen die Taten folgen".

Fenninger erwartet sich beim weiteren Vorgehen unter anderem eine noch stärkere Einbindung der Träger als bisher. "Jetzt ist der Punkt, wo es wichtig ist, ganz konkrete, zielorientierte Gespräche zu unternehmen. Es ist bis jetzt noch keine Einladung ausgesprochen worden, ich würde davon ausgehen, dass das jetzt kommen müsste." Ähnlich der Caritas-Präsident: "Wichtig wird es jedenfalls sein, weiterhin alle Stakeholder einzubinden." Im Papier fehle allerdings "leider einmal mehr" ein konkreter Zeitplan, so Landau. Dafür, dass es von der Ankündigung bis zur Vorlage des Papiers rund ein Jahr gedauert hatte, zeigte Fenninger aufgrund der Corona-Pandemie Verständnis.

Inhaltlich verwies der Volkshilfe-Geschäftsführer etwa auf die Pläne hinsichtlich der Entlastung der pflegenden Angehörigen. Diese müssten nun "konkret gemacht" werden. So brauche es etwa mindestens zwei Mal im Jahr einen Hausbesuch, bei dem Gespräche geführt werden, wie die Angehörigen entlastet werden können. Als zweiten wichtigen Punkt nannte Fenninger die Lösung des Personalproblems. Zwar sei im Bericht eine Attraktivierung des Berufsfeldes festgeschrieben. Wichtig wäre seiner Ansicht nach aber auch, dass man Umschulungs-Willigen nicht nur die Ausbildungskosten ersetzt, sondern während der Ausbildungszeit auch ein Gehalt zahlt.

Etwas zu wenig beleuchtet wurde von der Taskforce nach Fenningers Geschmack das Thema der Entlohnung. Geld sei zwar "nicht alles" - es sei aber wichtig, dass man "auf die Bezahlung schaut". Auch Landau betonte, dass die im Katalog aufgelisteten Maßnahmen zur Attraktivierung der Pflegeberufe absolut prioritär zu behandeln sind.

Auch wies Landau auf die Notwendigkeit der Weiterentwicklung des Pflegegeldes "zu einer individuellen, multiprofessionellen Bedarfseinschätzung unter Einbeziehung von Pflegekräften, Angehörigen und Betroffenen" hin. Denn nur so könne gewährleistet werden, "dass Betroffene so lange wie möglich Zuhause, in ihrer gewohnten Umgebung leben können". Zukünftig müssten etwa auch die besonderen Belastungen und Einschränkungen, die beispielsweise mit einer demenziellen Erkrankung einhergehen, stärkere Berücksichtigung bei der Pflegegeld-Einstufung finden. Leider "gänzlich unerwähnt" blieb laut Landau der niederschwellige Zugang zu Pflegeleistungen etwa über die E-Card, wie sie im Regierungsprogramm festgehalten sei.

Als positiv begrüßte Landau, "dass etliche Punkte" aus dem "Pakt gegen die Einsamkeit", den die Caritas vor über einem Jahr präsentiert hat, zur Umsetzung kommen. Auch über das Bekenntnis zum flächendeckenden Ausbau (auch mobiler) Palliativ- und Hospizdiensten zeigte sich Landau erfreut.

Hilfswerk-Geschäftsführerin Elisabeth Anselm sagte in einer Aussendung, es sei klar, dass die anstehende Pflegereform "kein Spaziergang, sondern eine Mammutaufgabe" sei. Es brauche nun dringend eine "politische Bewertung unter konsequenter Rückbesinnung auf das Regierungsprogramm" sowie eine "entsprechende Entscheidungsfindung und Prioritätensetzung samt Zeitplan und Budgetansätzen". Auch Anselm bezeichnete die Personalfrage als "Herzstück" der Reform. "Wenn es uns nicht gelingt, genügend Menschen für die Pflege- und Betreuungsberufe zu gewinnen, bleibt die Reform Makulatur."

Quelle: Agenturen