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Lebenslang für Tochter nach Messerattacke auf Vater

06. Dez. 2022 · Lesedauer 4 min

Der 57-Jährige Vater verstarb. Die Tochter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Eine 29-Jährige hat sich am Mittwoch am Innsbrucker Landesgericht wegen des Verdachts des Mordes verantworten müssen. Sie soll im November 2021 in Neustift im Stubaital ihren Vater mit einem Küchenmesser attackiert und ihm zahlreiche Stich- und Schnittverletzungen zugefügt haben, an deren Folgen der 57-Jährige schließlich verstarb. Vor Gericht gestand sie die Tat. Sie habe "zugestochen und ihn getötet", sagte die Angeklagte. Laut Gutachten war sie zurechnungsfähig.

Angeklagte kann sich an Tat nicht erinnern

Der Vater sei bei ihrem Besuch in seiner Wohnung "betrunken gewesen und immer aggressiver geworden", gab die Beschuldigte vor den Geschworenen an. "Zuvor habe ich ihn mit verschiedenen Dingen im Gespräch konfrontiert und er wurde immer bösartiger". Sie habe schließlich "Angst gehabt", sei "immer wütender geworden" und schließlich "explodiert". An den genauen Tathergang im Anschluss habe sie aber "keiner Erinnerung", auch nicht wie das Messer in ihre Hand gekommen sei.

Auf diese Erinnerungslücken wies auch im Vorfeld bereits die Verteidigerin hin: "Die Angeklagte wird aussagen, woran sie sich erinnern kann." Klar sei jedenfalls, dass sie die Tat in einem "irrsinnigen Erregungszustand" begangen habe. "Ein Gefühlssturm hat sie beherrscht", erklärte die Verteidigerin. Direkt nach der Tat sei die Angeklagte dann "zusammengebrochen".

Diesen Ausnahmezustand im Affekt gestand auch der Staatsanwalt der Angeklagten zu. "Sie hat aber zu jedem Zeitpunkt gewusst, dass sie ein Unrecht begeht", so der öffentliche Ankläger. Die Frau sei zwar womöglich "in der Steuerung der Tat eingeschränkt gewesen", insgesamt aber zweifellos "schuldfähig". Daran schloss auch Richterin Helga Moser an, die danach fragte, ob sie gewusste habe, dass ihr Vater aufgrund der Messerattacke sterben könnte, was die Angeklagte mit einem "Ja" beantwortete.

Die einvernommenen Zeugen attestierten der Angeklagten einen "normalen Zustand" am Tag der Tat. Beim vorangegangenen Mittagessen sei "nichts bemerkbar" gewesen, sagte etwa die Mutter der Angeklagten: "Ich hatte einen guten Eindruck von meiner Tochter." Auch ihr Ex-Freund beschrieb sie beim gemeinsamen Essen mit der Mutter als "normal" und "wie immer".

Tochter sei Zurechnungsfähig gewesen

Über den genauen Zustand der Zeugin zum Tatzeitpunkt gab schließlich das Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen Adelheid Kastner Auskunft. Die Angeklagte sei ob der Trennung von Vater und Mutter und ihrem Wunsch, wieder ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater aufzubauen, zwar von dieser fixen Idee getrieben, aber zum Zeitpunkt der Tötung zurechnungsfähig gewesen. "Sie hatte zwar eine eingeschränkte Steuerung ihres Tuns, aber die Zurechnungsfähigkeit war zu keinem Zeitpunkt aufgehoben", erläuterte Kastner im Prozess. Die Angeklagte habe im "dynamischen Tatgeschehen viele Entscheidungen" getroffen.

Gerichtsmediziner Walter Rabl sprach schließlich in dieser Hinsicht von einem Tatgeschehen mit "massiver Wucht". "Zum Tode des Vater haben letzten Endes eine Kombination aus starkem Blutverlust und Luftembolie geführt". Letztere sei vor allem deshalb eingetreten, weil die "Halsvenen eröffnet waren". Die Halsverletzungen seien schließlich auch die "tödlichen Verletzungen" gewesen, so Rabl.

Tat soll "Gemetzel" gewesen sein

In seinem Schlussplädoyer plädierte der öffentliche Ankläger abermals auf schuldig im Sinne der Anklage: "Es hat sich bei der Tat um ein Gemetzel gehandelt, nicht um einen einzelnen Messerstich". Die Vorgeschichte mit den innerfamiliären Streitereien liege mit dem Jahr 2018 zudem schon etwas zurück, so der Staatsanwalt. Es gebe somit aus seiner Sicht "keinen Spielraum", was die richtige Rechtssprechung betreffe.

Dem widersprach die Verteidigerin der Angeklagten: "Mit dieser Familienvorgeschichte muss man absolut von Mord im Affekt ausgehen". Der Vater habe die Familie regelrecht drangsaliert und habe mehrere gefährliche Drohungen gegen diese ausgesprochen. Das und die Unbescholtenheit der österreichischen Staatsbürgerin müssten als "Milderungsgrund" unbedingt zur Geltung gebracht werden. Nach den Plädoyers zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück.

Die Tatverdächtige hatte nach den Messerattacken im November selbst die Einsatzkräfte verständigt. Sie sagte am Telefon, dass "etwas Schlimmes passiert ist". Die 29-Jährige erlitt selbst Schnittverletzungen an den Händen. 

Quelle: Agenturen