APA - Austria Presse Agentur

Kurz: Geringe Impfquote gefährdet Lockerungen

09. Juli 2021 · Lesedauer 4 min

Mit einem dringlichen Appell zur Impfung gegen Corona hat sich die Regierung nach der Arbeitssitzung der Taskforce an die Bevölkerung gewandt.

"Nehmen Sie das Impfangebot an", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). An der Lockerung der Maskenpflicht am 22. Juli will er festhalten, doch mit einer vierten Welle sei zu rechnen, und bei zu geringer Impfquote würden die Lockerungen wohl wieder verschwinden.

Herbst wie im letzten Jahr vermeiden

Davor warnte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne), der auf die inzwischen auch in Österreich dominante Deltavariante des Coronavirus hinwies. Er stehe jetzt hier, um vor einer Wiederholung einer Situation wie im vergangenen Herbst zu schützen: "Dieses Jahr wird anders gemanagt, das garantiere ich." Derzeit stehe man kurz davor, dass 50 Prozent der impfbaren Bevölkerung immunisiert sind. Allen, die bisher nur eine Impfung haben, rate er als Arzt und Minister: "Bitte lassen Sie sich vollständig impfen!"

"Ich möchte jedoch noch einmal deutlich aussprechen: Das Virus wird nicht verschwinden. Es wird bleiben, und nur wer geimpft ist, wird geschützt." Für Jahre werde SARS-CoV-2 wohl bleiben, und die Entscheidung, die jeder habe, sei "Impfung oder Ansteckung", unterstrich der Kanzler. "Ich verurteile auch niemanden, der sich nicht impfen lässt", jedoch hielt Kurz auch fest, dass staatliche Maßnahmen nicht auf Dauer gesetzt werden können: "Man kann nicht auf Dauer die Freiheitsrechte einschränken, wenn es durch die Impfung ein gelinderes Mittel gibt."

Man setze die Öffnungsschritte weiter fort, auch wenn "sonnenklar" sei, dass die Ansteckungszahlen wieder steigen werden, da die Pandemie ja in Wellen komme, so der Kanzler. 

Die Taskforce wurde von der Regierung zur Beobachtung über den Sommer eingerichtet, um sich über weitere Schritte abzustimmen und so auf den Herbst und die kältere Jahreszeit vorzubereiten. Um die Impfquote zu steigern, setze man auf eine Ausweitung der niederschwelligen Angebote. 

Was die Impfung gegen SARS-CoV-2 betrifft, so sei diese nicht nur ein Schutz für den Geimpften selbst, "sondern auch eine solidarische Leistung gegenüber der Gemeinschaft", hielt Tirols Landeshauptmann Günther Platter fest. Die 13.000 jungen Leute, die am vergangenen Sonntag in Tirol ihre Erstimpfung erhalten, diese hohe Zahl habe ihn überrascht. 

Mutation, gegen die Impfung nicht hilft

"Auch die Deltavariante entwickelt sich weiter", betonte indes Oswald Wagner, der Vizerektor der MedUni, und irgendwann könne eine Mutation entstehen, die durch die aktuellen Vakzine nicht mehr abgedeckt werden könne, doch auch da solle man keine Sorge haben, da vonseiten der Impfhersteller eine rasche Reaktion zu erwarten sei. 

Lukas Weseslindtner, Virologe an der MedUni Wien, betont gegenüber PULS 24, wie wichtig die zweite Impfung ist.

Rendi-Wagner will Maskenpflicht weiterführen

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner sagte, es sei "unbestritten, dass die Deltavariante über kurz oder lang die britische Variante verdrängen wird" und rechnet mit einem Anstieg der Erkrankungen spätestens im Herbst. "Um gröbere Schäden zu vermeiden, müssen das Impftempo, die Durchimpfung erhöht werden." Dafür müsse "die Impfung zu den Menschen kommen. Es braucht niederschwellige Möglichkeiten, sich ohne Anmeldung impfen zu lassen - bei Konzerten, auf Parkplätzen großer Supermärkte, in Fitnesscentern.

Um die Übersicht über andere Virusvarianten zu behalten, müssten PCR-Tests fortgeführt werden. In Öffis und in Supermärkten müsse die Maskenpflicht bleiben. Ein Hin- und Her wäre kontraproduktiv, so Rendi-Wagner. "Dann kennt sich keiner mehr aus; jetzt haben sich die Menschen aber daran gewohnt."

NEOS gegen weitere Gratis-Tests

Vonseiten der NEOS hielt deren Gesundheitssprecher Gerald Loacker fest, dass die Corona-Tests nach dem Sommer kostenpflichtig werden sollten, damit sich möglichst viele Menschen impfen lassen. "Solange man an jeder Ecke einen Gratistest bekommt, wird die Durchimpfungsrate nicht entscheidend erhöht werden können." Ein niederschwelliges Testangebot sei zweifelsohne zu einer Zeit, als der Impfstoff noch rar war, überaus wichtig gewesen. "Doch unser Ziel muss es ja sein, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen - besonders angesichts der Delta-Variante. Das Testen schützt nicht vor schweren Verläufen. Davor schützt nur die Impfung". Der Staat kaufe mit Steuergeld teuren Impfstoff. Wer sich freiwillig gegen dieses Angebot entscheide, dürfe nicht erwarten, auf Dauer alles gratis zu bekommen.

Quelle: Agenturen