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Kryotherapie gegen kleine lokale Mammakarzinome

29. Juni 2022 · Lesedauer 3 min

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen und die zweithäufigste Todesursache bei Karzinomen unter der weiblichen Bevölkerung in den Industriestaaten, wie es am Mittwoch in einer Aussendung des Austria Center Vienna hieß. Anlass ist der von 13. bis 17. Juli dort stattfindende, jährliche europäische Radiologenkongress. Vorgestellt wird dort etwa eine neue Therapie, bei der mit extremer Kälte gegen kleine lokale Mammakarzinome vorgegangen wird.

Rund 25.000 Teilnehmende werden in Wien erwartet, die unter anderem neue Behandlungsmöglichkeiten gegen Brustkrebs und Diagnoseverfahren zu dessen Früherkennung diskutieren. In Österreich erkranken jährlich rund 5.500 Frauen daran, rund 1.500 sterben an dieser Krankheit in diesem Zeitraum. "Das muss aber nicht so sein, denn durch radiologische Früherkennungsuntersuchungen kann die Sterblichkeit um 20 bis 25 Prozent reduziert werden", sagte Michael Fuchsjäger, Klinikvorstand der Universitätsklinik für Radiologie in Graz und stellvertretender Vorsitzender des Europäischen Radiologiekongresses, im Vorfeld der Veranstaltung.

Im Screening und der Diagnostik von Brustkrebs ist die Radiologie ein wesentlicher Player. In den vergangenen 15 Jahren hat sich zudem auch die interventionelle - also behandelnde - Radiologie stark entwickelt, mit der bestimmte Arten von Brustkrebs erfolgreich behandelt werden können. "Kleine, lokale Tumore mit einer maximalen Größe von zwei bis drei Zentimetern können wir minimalinvasiv mit der Kryotherapie behandeln", erläuterte Fuchsjäger. Dabei wird unter Lokalanästhesie eine kleine, 1,5 Millimeter dünne Nadel im Tumor positioniert und dieser mittels Argongas oder flüssigem Stickstoff auf minus 186 Grad Celsius tiefgefroren.

Durch die Behandlung mit diesen "Eisbällen" stirbt das Tumorgewebe ab. "Die toten Tumorzellen bleiben zwar im Körper, aber mit dieser einmaligen, invasiven, präzisen und kurzen Behandlung kann die Belastung für diese Patienten gegenüber einem offenen chirurgischen Eingriff minimiert werden", erklärte Fuchsjäger die Vorteile dieser Therapieform.

Entscheidend bei der erfolgreichen Behandlung von Brustkrebs ist aber weiterhin seine Früherkennung. Und hier wird beim Radiologenkongress auch eine Verbesserung in der Diagnose präsentiert. Neben der klassischen 2D-Mammografie, einer speziellen Röntgenuntersuchung, bei der die Brust in zwei Ebenen aufgenommen wird, gibt es nun an speziellen Zentren und Instituten auch die 3D-Mammografie bzw. Tomosynthese. "Bei dieser Methode wird die Brust mit niedriger Strahlendosis aus unterschiedlichen Winkeln aufgenommen. Das Resultat sind bis zu 30 Einzel-Schnittbilder, auf denen auch sehr subtile Veränderungen genau erkannt werden können", sagte Fuchsjäger. Weitere Befundabklärung oder auch Steuerung der Gewebeentnahme (Biopsie) kann dann bei Bedarf mittels Ultraschall, Stereotaxie (Mammografie) oder Magnetresonanztomografie (MRT) erfolgen.

Der Grazer Radiologe wies auf die Bedeutung des nationalen Brustkrebs-Früherkennungsprogramms hin, das seit 2014 existiert. Frauen zwischen 45 und 69 Jahren werden automatisch alle zwei Jahre zur Mammografie eingeladen. "Alljährlich sollten so mindestens 700.000 Mammografien zur Früherkennung von Brustkrebs stattfinden. Eine Vielzahl der Früherkennungsuntersuchungen, die aufgrund der Pandemiebekämpfung in den ersten beiden Lockdowns verschoben werden mussten, konnten im Herbst und dieses Frühjahr aufgeholt werden", betonte Fuchsjäger. "Da jedoch dennoch die Anzahl der Früherkennungsuntersuchungen zurückgegangen ist, wäre es nun umso wichtiger, die Frauen wieder zur Mammadiagnostik zu motivieren, um einen Anstieg an Brustkrebserkrankungen in den nächsten Jahren zu vermeiden."

Quelle: Agenturen