APA/POLIZEI UNGARN

Kriminalität: 300 Kilo Drogen und 60 Waffen beschlagnahmt

21. Juli 2022 · Lesedauer 4 min

Im Rahmen der "Operation Joker" und damit verbundener internationaler Polizeizusammenarbeit hat es einen Schlag gegen die Suchtmittelkriminalität gegeben.

Getätigt wurden 32 Festnahmen in Österreich, der Slowakei und Ungarn, sieben davon hierzulande, wurde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in St. Pölten betont. Die Beschuldigten vertickten Drogen mit einem Straßenverkaufswert von über 21 Millionen Euro. Als Organisator gilt ein 37-jähriger Slowake mit Wohnsitz in Wien.

Insgesamt beschlagnahmt wurden fast 300 Kilogramm an Suchtmittel, betonte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Er sprach von einem "historischen Ermittlungserfolg". Die Exekutive ziele bei den Erhebungen generell "auf die großen Fische ab", diesen Weg wolle man auch mit dafür notwendiger internationaler Zusammenarbeit "in Zukunft fortsetzen".

Von Amsterdam nach Drasenhofen

Ein solcher "dicker Fisch" mit Bezug zu Österreich ging im Rahmen der "Operation Joker" ins Netz. Wie Ermittlungen des Landeskriminalamtes Niederösterreich ergaben, soll der 37-jährige Haupttäter als Drahtzieher - teils gemeinsam mit seiner um fünf Jahre jüngeren Ehefrau - zumindest seit 2014 den Transport von mengenweise Kokain und Methamphetamin mit speziell präparierten Lkw von Amsterdam über den Grenzübergang Drasenhofen (Bezirk Mistelbach) nach Österreich organisiert haben. Den Schmuggel selbst führten noch unbekannte Mitglieder von mexikanischen und rumänischen Tätergruppen durch, wurde betont.

Ziel sei gewesen, die Drogen in Niederösterreich zu entladen und zu bunkern. Später wurden die Suchtmittel in einer Menge von zehn bis 15 Kilo u.a. in verschiedenen Wiener Hotels über Vermittlung des 37-Jährigen an drei nunmehr in der Slowakei inhaftierte Personen und weitere Kriminelle übergeben. Die Preise: 40.000 Euro pro Kilo Kokain, 11.500 Euro für das Kilogramm Methamphetamin.

Die Abnehmer sollen die Drogen danach per Pkw von Österreich in die Slowakei überstellt haben. Am "Umschlagplatz Niederösterreich bzw. Wien" soll der 37-Jährige so seit 2014 etwa 60 Kilogramm Kokain, 210 Kilogramm Methamphetamin und etwa zehn Kilo Cannabiskraut bewegt haben. Der Beschuldigte bereicherte sich durch den Suchtmittelverkauf um rund 4,8 Millionen Euro.

Am Zweitwohnsitz des Mannes in Ungarn wurden zudem ungefähr 60 Schusswaffen von Pistolen bis Sturmgewehren gefunden - zudem fünf Kilo TNT-Sprengstoff und eine noch unbekannte Substanz.

Ehefrau wollte Drogenhandel fortsetzen

Die ebenfalls festgenommene 32-jährige Ehefrau des Mannes soll im Herbst 2017 in Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) an der Übergabe von einem Kilogramm Kokain im Gegenwert von 40.000 Euro beteiligt gewesen sein. Sie habe über die Drogenkontakte ihres Ehemannes verfügt und hätte den organisierten Handel fortsetzten können, wenn dem 37-Jährigen etwas zugestoßen wäre, wurde betont.

Für den 37-jährigen Drahtzieher große Mengen an Drogen gebunkert haben soll ein ebenfalls in Wien wohnender 38-jähriger slowakischer Staatsbürger. Einem 40-jährigen Slowaken mit Hauptwohnsitz in Hainburg an der Donau (Bezirk Bruck a. d. Leitha) wird vorgeworfen, ab Frühjahr 2014 rund 60 Kilo Kokain, 210 Kilogramm Methamphetamin sowie 17 Kilogramm Cannabiskraut nach Österreich eingeführt und letztlich weitergeben zu haben. Die Bereicherung wird in dem Fall mit 4,9 Millionen Euro beziffert.

Weiterer Verdächtiger festgenommen

Am Mittwochnachmittag wurde in Deutsch-Wagram (Bezirk Gänserndorf) ein zusätzlicher Verdächtiger geschnappt. Der Mann wurde bei der versuchten Weitergabe von sechs Kilogramm Methamphetamin vom Einsatzkommando Cobra festgenommen. Im Anschluss erfolgten Hausdurchsuchungen in Wien, Hainburg und Großengersdorf (Bezirk Mistelbach). Laut Stefan Pfandler, dem Leiter des Landeskriminalamts Niederösterreich, klickten noch für zwei weitere Personen die Handschellen.

Ermittlungen gehen weiter

Gestartet waren die Ermittlungen im März. Federführend waren neben dem Landeskriminalamt Niederösterreich, Ermittlungsbereich Suchtmittelkriminalität, die Nationale Kriminalagentur der Slowakei (NAKA) sowie das Nationale Ermittlungsbüro der ungarischen Polizeibehörden (NNI).

Die vier Beschuldigten des österreichischen Ermittlungsverfahrens - die Festgenommenen vom Mittwoch zählen vorerst nicht dazu - verweigerten bis dato jeweils die Aussage. Das Quartett wurde über Auftrag der Staatsanwaltschaft in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert.

Zu Ende sind die Ermittlungen in der Causa freilich noch nicht. Landespolizeidirektor Franz Popp sprach von einem "guten Zwischenergebnis" und verwies auf "umfangreiche Ermittlungen gegen vier Beschuldigte". Pfandler ergänzte: "Es wird nicht das Ende der Fahnenstange sein."

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp