APA - Austria Presse Agentur

Kosten des Klimawandels könnten 2070 in die Billionen gehen

05. Okt 2020 · Lesedauer 2 min

Die Kosten des Klimawandels könnten einer aktuellen Prognose zufolge in den kommenden Jahrzehnten in die Billionen gehen. Im Jahr 2070 könnten sie weltweit bereits 5,4 Billionen US-Dollar (umgerechnet rund 4,6 Billionen Euro) betragen, wie Forscher des University College London und der Nichtregierungsorganisation Carbon Disclosure Projekt berechneten. Die Untersuchung fokussiert sich nicht auf die drohenden Umweltschäden, sondern auf die Kosten, die dadurch zu erwarten sind.

Zum Ende des nächsten Jahrhunderts, im Jahr 2200, könnten sie sogar die Schwelle von mehr als 30 Billionen US-Dollar (mehr als 26 Billionen Euro) erreichen, weil etwa Naturkatastrophen zu immer verheerenderen Schäden führen dürften. Zugrunde liegt dieser Berechnung ein "Weiter-wie-bisher"-Szenario mit einem ähnlichen Ausstoß von Treibhausgasen, das bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu einer Erderwärmung von 4,4 Grad führen würde.

Das internationalen Klima-Abkommen von Paris besagt, dass die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad gehalten werden soll. Dies ist das alternative Szenario, für das die Forscher in London die Kosten berechnet haben: Würde die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts also zwei Grad betragen, lägen die Kosten im Jahr 2070 demnach bei 1,8 Billionen US-Dollar und würden sich danach weiterhin auf einem ähnlichem Niveau bewegen. Das "Weiter-wie-bisher"-Szenario würde also bereits 2070 rund dreimal so hohe Kosten produzieren - 2200 lägen sie dann sogar rund 17-mal höher.

"Gesetzgeber, Unternehmen und die Finanzbranche sollten proaktiv in die Bekämpfung des Klimawandels investieren, um diese hohen Kosten für drohende Schäden zu vermeiden", appelliert Carole Ferguson vom Carbon Disclosure Project. Anders als viele andere Studien fokussiert sich die Untersuchung aus London nicht auf die drohenden Umweltschäden, sondern lediglich auf die Kosten, die dadurch zu erwarten sind - etwa für den Wiederaufbau von Städten, die von Naturkatastrophen getroffen werden. Dies liefere ein wichtiges Argument für politische Entscheider, schreiben die Forscher - da diese auch die Wirtschaft ihrer Staaten im Blick behalten müssen.

Führende Klimaschützerinnen um die Schwedin Greta Thunberg warfen der EU unterdessen Schönrechnerei bei ihren Klimazielen vor. Da das vorgeschlagene Ziel einer Emissionsverringerung um 55 Prozent auf dem Vergleichsjahr 1990 basiere, würden dabei die territorialen Rückgänge der vergangenen 30 Jahre - etwa 23 Prozent - miteingerechnet, schrieben Thunberg, ihre deutsche Mitstreiterin Luisa Neubauer und die beiden Belgierinnen Adelaide Charlier und Anuna de Wever auf der Plattform "Medium".

Damit sei das 55-Prozent-Ziel der EU-Kommission gemessen an den Werten von 2018 in Wirklichkeit eher ein 42-Prozent-Ziel. Hinzu komme, dass bei den vorgeschlagenen Emissionsminderungen nicht der internationale Flugverkehr, die Schifffahrt und auch nicht die Herstellung von Gütern außerhalb der EU dazugezählt werde.

Quelle: Agenturen