Kindesmissbrauch - Symbolbild

Kindesmissbrauch: Sechs Polizisten für tausende Anzeigen

17. Jan. 2023 · Lesedauer 2 min

Tausende Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch werden jedes Jahr gemeldet. Beim Bundeskriminalamt arbeiten jedoch nur sechs Beamte an der Identifizierung der Täter.

Das National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) hat dem Bundeskriminalamt (BKA) im vergangenen Jahr über 10.000 Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch gemeldet. Bisher konnten laut BKA-Chefinspektor für Kinderpornografie, Jürgen Ungerböck, 780 Verdächtige identifiziert werden. Das hat er am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal" bestätigt.

2021 waren es noch rund 5.900 Meldungen. Der BKA-Ermittler nannte einen besonders schlimmen Fall in Oberösterreich, der bisher nicht öffentlich wurde: Ein erst sechs Monate altes Baby wurde von einem Verwandten schwer missbraucht. 

Personalmangel verzögert Aufarbeitung

Im BKA arbeiten nur sechs Polizisten an der Identifizierung von Tätern und Opfer. Einerseits fehle Personal, das sich mit diesen Themen auseinandersetzen wolle - aber auch fehlende Software und technisches Know-How verzögere die Ermittlungsarbeit. Deshalb müsse man sich auf klare Fälle konzentrieren. "Wir versuchen diejenigen herauszufiltern, wo ein Kind noch in Gefahr ist", so Ungerböck.

Fall Teichtmeister: Kritik an Anwalt

Ungerböck übt zudem scharfe Kritik an Michael Rami, einem Anwalt von Schauspieler Florian Teichtmeister. Nachdem öffentlich wurde, dass bei Teichtmeister rund 58.000 Mediendateien mit mutmaßlich kindesmissbräuchlichem Material gefunden wurden, sprach Rami von einem "rein digitalen Delikt". Ungerböck meint dazu im Ö1-"Morgenjournal": "Wenn man so eine Aussage vom Stapel lässt, ist das eine Bagatellisierung der Oberklasse und ein Schlag ins Gesicht für jedes Opfer". Hinter jeder Datei stehe das Leid eines sexuell missbrauchten Kindes. 

Zahlreiche Anlaufstellen

Die Geschäftsführerin der Kinderschutzorganisation Möwe erklärt im PULS 24 Gespräch, dass es zahlreiche Anlaufstellen für die Opfer von digitalem Kindesmissbrauch. In Kinderschutzzentren wie etwa Möwe seien auch immer Psychotherapeut:innen vor Ort, die "helfen können das schreckliche Erlebte auch zu verarbeiten, damit Kinder und Jugendliche trotzdem in ein gesundes und gutes Leben hineinfinden können", betont sie. 

In akuten Fällen sei die Rettung oder Polizei zu rufen, ansonsten ist die Kinder- und Jugendbehörde zu verständigen, erklärt Wölfl weiter. Bereits bei Vermutungen könne man sich im nächstgelegenen Kinderschutzzentrum beraten lassen. 

Wie reagiere ich richtig bei digitalem Kindesmissbrauch?

Wo Opfer von Kindesmissbrauch Hilfe finden können: 

  • Rat auf Draht:
    Telefonberatung: 147
  • Die Möwe:
    Telefonberatung: 01 532 15 15
    Onlineberatung: die-moewe.beranet.info
  • Beratungs- und Notfalltelefon Pro Juventute:
    Telefonberatung: 058 618 80 80
  • Der Weiße Ring:
    Telefonberatung: 0800 112 112
Michael ZehenterQuelle: Redaktion / zeh