APA - Austria Presse Agentur

Kinderpornoplattform mit 400.000 Mitgliedern im Darknet gesprengt

03. Mai 2021 · Lesedauer 2 min

Ermittler haben eine der weltweit größten Kinderpornoplattformen im sogenannten Darknet gesprengt. Wie das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) am Montag in Wiesbaden mitteilte, hatte die Darknetplattform "Boystown" zuletzt mehr als 400.000 Mitglieder.

In Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg kam es zu sieben Hausdurchsuchungen. Drei mutmaßliche Verantwortliche der Plattform aus Deutschland wurden festgenommen. Ein weiterer Deutscher wurde in Paraguay festgenommen.

Ihnen wird bandenmäßige Verbreitung kinderpornografischer Inhalte vorgeworfen. Auf der Plattform wurden den Ermittlern zufolge auch Aufnahmen von schwerstem sexuellen Missbrauch von Kleinkindern geteilt.

Bei den drei Hauptbeschuldigten handelt es sich laut BKA um einen 40 Jahre alten Mann aus dem Kreis Paderborn, einen 49-Jährigen aus dem Landkreis München und einen 58 Jahre alten, aus Norddeutschland stammenden Mann, der seit mehreren Jahren in Südamerika lebt. Ihnen wird vorgeworfen, die kinderpornografische Plattform als Administratoren betrieben zu haben.

Sie sollen maßgeblich mit der technischen Umsetzung der Darknetseite und der Einrichtung und Wartung der Serverstruktur befasst gewesen sein. Zudem erhielten die Mitglieder der Plattform von ihnen Sicherheitshinweise, um das Entdeckungsrisiko vor den Strafverfolgungsbehörden zu minimieren.

3.500 Beiträge gepostet

Ein weiterer Beschuldigter, ein 64 Jahre alter Mann aus Hamburg, soll sich im Juli 2019 als Mitglied auf "Boystown" registriert haben und als einer der aktivsten Nutzer der Plattform mehr als 3.500 Beiträge gepostet haben. "Boystown" und weitere Chatplattformen wurden nach den Razzien abgeschaltet. Die Plattform existierte den Angaben zufolge seit mindestens Juni 2019 und war ausschließlich über das sogenannte Darknet zu erreichen. In dem weltweiten Forum wurden hauptsächlich Missbrauchsaufnahmen von Buben ausgetauscht.

Die Beschuldigten wurden nach den Durchsuchungen ihrer Wohnungen festgenommen und befinden sich seit dem 14. beziehungsweise 15. April in Untersuchungshaft. Für den Beschuldigten in Paraguay lag ein internationaler Haftbefehl vor, auf dessen Grundlage er nach seiner Festnahme nun ausgeliefert werden soll.

Den Durchsuchungen und Festnahmen gingen mehrmonatige aufwändige Ermittlungen im Rahmen einer durch Deutschland initiierten Taskforce unter der Koordination der EU-Polizeibehörde Europol voraus. Beteiligt waren auch Strafverfolgungsbehörden in den Niederlanden, Schweden, Australien, den USA und Kanada.

Quelle: Agenturen