Vor einem Computerbildschirm wird ein Smartphone hochgehalten, auf dem "Fake News" zu lesen istAFP

Kampf gegen Fake News: Was Österreich von Finnland lernen kann

24. Jan. 2023 · Lesedauer 4 min

Falschinformationen und Manipulationen sind die Kehrseite der sozialen Medien. Medienkompetenz schon ab der Kindheit zu erlernen wird daher immer wichtiger. Finnland ist hier europaweit Vorreiter, Österreich könnte viel von dort lernen.

Falschinformationen, Manipulationen und Verschwörungstheorien - spätestens seit der Corona-Pandemie sind auch hierzulande soziale Netzwerke voller bewusst gestreuter Lügen. Menschen können in einer regelrechten Parallelwelt aus "Fake News" (also gefälschten Nachrichten) versinken. Das hat immer mehr Einfluss auf die Politik und die demokratische Öffentlichkeit.

Jugendliche sind laut einer Studie im British Journal of Developmental Psychology besonders anfällig für Verschwörungstheorien. Dabei könnten soziale Plattformen wie Instagram oder TikTok mit ihrem Einfluss auf junge Menschen ein bedeutender Faktor sein, schreiben die Autoren. Der richtige Umgang mit Falschinformationen im digitalen Raum wäre daher besonders wichtig.

Im europäischen Ranking der "Fake News"-Resilienz belegt Österreich aber nur Platz 12 von 41 Ländern, so eine im Oktober veröffentlichte Studie des bulgarischen Open Society Institute. Österreich ist damit das am schlechtesten bewertete deutschsprachige Land. Den Grund dafür sieht Andre Wolf, Kommunikationsexperte von Mimikama, in einer "Wissenschaftsablehnung" und einem verstärkten Auftreten von Verschwörungstheorien seit der Pandemie. In Österreich glaube man laut Wolf stärker als in Deutschland oder in der Schweiz an den "eigenen Hausverstand" anstelle eines wissenschaftsfundierten Denkens.

Was Vorreiter Finnland richtig macht

Auf Platz 1 der Studie befindet sich zum fünften Mal in Folge Finnland. Überraschend ist das nicht: Medienkompetenz ist dort bereits ab der Vorschule Teil des Kernlehrplans. Das finnische Schulsystem wird zu den besten der Welt gezählt, Lehrer:innen sind in dem nordischen Land hoch angesehen.

Saara Martikka ist Lehrerin in Finnland und unterrichtet Unter- und Oberstufen-Klassen. Sie berichtet im Gespräch mit der "New York Times" dass sie mit ihren Schüler:innen etwa Videos auf TikTok diskutiere. Ähnlich handhabt das auch die Lehrerin Mari Uusitalo aus Helsinki.

Falschinformationen zu identifizieren sei umso wichtiger, als sie in ihrer 16-jährigen Tätigkeit als Lehrerin einen deutlichen Rückgang beim Leseverständnis ihrer Schüler feststellt habe, so Martikka. Sie führt dies darauf zurück, dass Jugendliche immer weniger Bücher lesen und durch Videospiele und Clips im Netz kürzere Aufmerksamkeitsspannen besitzen würden. Sie seien dadurch anfälliger, gefälschte Nachrichten zu glauben.

Vorbild für Österreich?

In Österreich hingegen sei nicht klar geregelt, welches Unterrichtsfach den Bereich der Medien abdecke, erklärt Wolf. Außerdem seien in vielen Schulen noch nicht die technischen Grundvoraussetzungen für einen medienbezogenen Unterricht geschaffen. Es benötige etwa Notebooks oder Tablets für alle Schüler:innen, um ihnen einen medienkritischen Umgang zu lehren.

Es gäbe zwar das Angebot von externen Organisationen wie "Mimikama" oder "SaferInternet" die auch Projekttage in Schulen durchführen, allerdings würde kein Geld dafür ausgegeben, kritisiert Wolf. Eher würden 450.000 Euro monatlich für Pressesprecher des Kanzleramtes ausgegeben als für Bildung – obwohl es dort unheimlich viel bewirken könne. "Bildung wird schlichtweg vernachlässigt", mahnt Wolf.  

Zuwenig Angebote für Erwachsene

In Finnland wurde der Erfolg des Medienkompetenz-Unterrichts zum Vorbild genommen, um ähnliche Projekte auch in der Erwachsenenbildung umzusetzen. In Österreich fehle es noch an umfassenden Angeboten, sagt Wolf. Es brauche mehr Info- und Edutainment-Programme – also Bildungskonzepte, die gleichzeitig unterhalten und Wissen vermitteln. "Wenn Menschen ein Wissenschaftsverständnis und eine gewisse Skepsis aufbauen, dann haben es Falschmeldungen schwer", meint Wolf im Hinblick auf "Fake News".

Medienkompetenz sei einhergehend mit dem Aufbau und der Stabilisierung von demokratischen Strukturen, erklärt der Faktenchecker. Man müsse Menschen beibringen, sich selbstständig zu informieren und Manipulationen zu erkennen. Das gehöre zwar in den Unterricht, aber auch über andere Formate in die Mitte der Gesellschaft gestreut.

PULS 24 hat beim Bildungsministerium nachgefragt, ob auch für österreichische Schulen Projekte oder Konzepte für den Kampf gegen Falschinformationen und Medienmanipulation nach finnischem Vorbild geplant sind. Bisher gab es keine Rückmeldung.

Valerie MazzucatoQuelle: Redaktion / vma