Grazer Justizwachebeamtin wegen Schmuggels verurteilt
Neben der zweifachen Mutter hatten mehrere Häftlinge sowie auch ihr Ehemann auf der Anklagebank Platz nehmen müssen. Die Insassen, die teilweise in der Zwischenzeit schon wieder entlassen worden sind, sollen die Frau beauftragt haben, die Mobiltelefone samt Ladekabeln hineinzuschmuggeln. Sie erhielt dafür Geld von den Häftlingen, die die Schmuggelware großteils im Gefängnis weiterverkauften.
Sie gestand zum Prozessauftakt alles. Der Ehemann gab an, dass er vom gesamten Ausmaß nichts gewusst habe, aber er ahnte etwas und gestand auch, dass er zwei Mobiltelefone für den Schmuggel in Geschäften gekauft und dann seiner Frau weitergegeben hatte. Außerdem habe er ihr den Tipp gegeben, die Handys samt Kabeln in Frischhaltefolie zu wickeln und so in der Hose versteckt in die Anstalt zu bringen. Justizwachebeamte werden am Eingang im Gegensatz zu Besuchern nicht durchsucht.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft errechnete, dass die Justizwachebeamtin mehr als 41.000 Euro Gewinn mit dem Schmuggel erwirtschaftet haben dürfte. Wegen der bevorstehenden Hochzeit mit dem Mitangeklagten sowie einer eigenen Firmengründung habe sie das illegal verdiente Geld wohl gut gebrauchen können. Angeklagt waren der Missbrauch der Amtsgewalt sowie Suchtgifthandel.
"Habe mich gezwungen gefühlt"
Die Beschuldigte beteuerte vor Gericht, dass sie nie den Plan gehabt habe, in diesem Umfang zu schmuggeln. Je länger sich die Sache hingezogen habe, desto höher sei der Druck geworden, weiterzumachen. Immer mehr Häftlinge hätten gewusst, dass sie schmuggelt, und sie damit zu immer weiteren Handlungen aufgefordert. Ein Insasse habe konkret nach ihren Kindern gefragt und wie es ihnen gehe. Er wusste sogar deren Wohnort: "Ich habe mich dazu gezwungen gefühlt." Der Richter erwiderte: "Sie haben sich die Suppe aber selbst eingebrockt." "Ich weiß. Ich bereue es sehr. Mein ganzes Leben hat sich auf den Kopf gestellt", sagte sie unter Tränen. Ihren Mann nahm sie in Schutz. Er habe erst nach der Festnahme von der Vielzahl an Mobiltelefonen erfahren.
Der Großteil der mitangeklagten ehemaligen Häftlinge gestand, bei der Beamtin Mobiltelefone, Drogen, SIM-Karten, Alkohol oder auch Potenzmittel bestellt zu haben. Eine Vielzahl an Chat-Verläufen auf sichergestellten Handys und andere Beweise machten ein Leugnen sinnlos. Geständig war auch ein Komplize der Frau, der seinen Briefkasten als Übergabeort für Geld zur Verfügung gestellt hatte. Zudem belieferte er sie mit Cannabiskraut. Zwei der Angeklagten, sie sitzen immer noch wegen anderer Delikte in Haft, leugneten die Vorwürfe.
Am Ende fasste die Beamtin zwei Jahre Haft aus, wobei sie acht Monate unbedingt absitzen muss. Ihr Komplize erhielt die Strafe in derselben Höhe. Der Ehemann kam mit fünf Monaten bedingter Haft sowie einer Geldstrafe von 720 Euro davon. Zwei Beschuldigte wurden freigesprochen und drei teils ehemalige Insassen müssen wohl wieder ins Gefängnis. Sie erhielten zwischen 13 und 15 Monate Haft.
Zusammenfassung
- Eine Justizwachebeamtin der Grazer Karlau wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt, davon acht Monate unbedingt, weil sie zwischen Mai 2022 und Jänner 2024 mindestens 79 Handys und rund 500 Gramm Cannabiskraut in die Haftanstalt schmuggelte.
- Die Frau erhielt für den Schmuggel mehr als 41.000 Euro von den Häftlingen, wobei sie laut eigenen Angaben zunehmend unter Druck gesetzt wurde und schließlich alles gestand.
