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Italien plant Messerverbot für Teenager

Heute, 10:05 · Lesedauer 2 min

In Italien wächst die Sorge wegen Jugendkriminalität. Die Rechtsregierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni arbeitet an einem Sicherheitspaket, mit dem unter anderem ein Verkaufsverbot von Messern an Minderjährige eingeführt werden soll - auch im Onlinehandel. Das Paket sieht Geldstrafen von bis zu 1.000 Euro für Erwachsene vor, die Minderjährige nicht ausreichend beaufsichtigen, wenn diese ein Messer bei sich tragen, verlautete aus Regierungskreisen in Rom.

"Wir wollen die Verantwortung der Familien stärken", so Vize-Innenminister Nicola Molteni im Interview mit der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera (Sonntagsausgabe). Als strafverschärfende Umstände gelten, wenn die Tat von einer vermummten Person begangen wird, wenn sie in der Gruppe erfolgt und wenn in der Nähe von Schulen, Parks, Bahnhöfen oder Bahnlinien ein Messer eingesetzt wird, kündigte Molteni an.

Die Regierung reagiert auf zwei Fälle von Jugendgewalt, die die Öffentlichkeit schwer geschockt haben. Nach einer Messerattacke an einer Berufsschule in Liguriens Hafenstadt La Spezia ist ein 19-jähriger Schüler gestorben. Der junge Ägypter erlag im Krankenhaus den Folgen einer schweren Stichverletzung im Brustbereich, die ihm von einem marokkanischen Schulkollegen zugefügt worden war. Gegen den Tatverdächtigen wird wegen eines Tötungsdelikts ermittelt, auch der Vorwurf der vorsätzlichen Handlung wird geprüft. Mitschüler sagten aus, der Jugendliche habe bereits früher Messer mit in die Schule gebracht und andere bedroht.

Ein 17-Jähriger wurde am Freitag in Sora, 150 km südlich von Rom, nach einem Streit vor der Schule mit einem Messer attackiert. Der Angreifer, ebenfalls 17 Jahre alt, griff den Schüler an, indem er ihm das Messer an den Hals hielt und eine oberflächliche Wunde zufügte. Danach floh der Täter. Am Abend wurde der Verdächtige festgenommen. Er gestand weitgehend und übergab das Tatmesser. Die Ermittlungen werden nun von der Jugendstaatsanwaltschaft in Rom weitergeführt. Nach bisherigen Erkenntnissen kannten sich Opfer und Täter nicht. Der Streit soll aus einem banalen Anlass entstanden sein.

Der italienische Bildungsminister Giuseppe Valditara erklärte sich besorgt über die eskalierende Gewalt unter Jugendlichen. So will er besonders gefährdeten Schulen die Genehmigung zur Installation von Metalldetektoren erteilen. Damit soll verhindert werden, dass Messer oder andere gefährliche Gegenstände in die Schule gebracht werden.

Zusammenfassung
  • Italien plant ein Verkaufsverbot von Messern an Minderjährige, auch im Onlinehandel, und will bei Verstößen gegen die Aufsichtspflicht Geldstrafen bis zu 1.000 Euro verhängen.
  • Das geplante Sicherheitspaket ist eine Reaktion auf zwei schwere Fälle von Jugendgewalt: Ein 19-jähriger Schüler starb nach einer Messerattacke in La Spezia, ein 17-Jähriger wurde in Sora verletzt.
  • Der Bildungsminister kündigt an, dass besonders gefährdete Schulen die Genehmigung für Metalldetektoren erhalten sollen, um das Einschleusen von Messern zu verhindern.