Ischgler Bürgermeister: Saisonauftakt aus Solidarität zu Schweiz

03. Dez 2021 · Lesedauer 4 min

Laut dem Ischgler Bürgermeister Werner Kurz rechnet sich der Saisonauftakt nicht. Es handle sich dabei um einen solidarischen Akt mit dem angrenzenden Schweizer Skigebiet Samnaun. Die Buchungslage sei trotz des Lockdowns gut.

Die Auslastung "wird sich in Grenzen halten", sagte der Obmann des Tourismusverbands Ischgl, Alexander von der Thannen, am Freitag im PULS 24 Interview und stimmt somit dem Bürgermeister des Skiorts bei. Mit 2.000 bis 3.000 Gästen am ersten Tag wäre man schon zufrieden. Die Inbetriebnahme der Silvrettaseilbahn sei nur "ein Probebetrieb", sagt auch der Vorstand der Silvrettaseilbahn AG, Günther Zangerl, gegenüber PULS 24. Der Start der Wintersaison in Ischgl erfolgt vorerst nur für Einheimische und Tagesgäste. Außerdem gilt die 2G-Regel (geimpft oder getestet). 

Der Vorstand der Silvrettaseilbahn, Günther Zangerl, im PULS 24 Interview.

Lockdown-Ende am 13. Dezember gefordert

Dies soll sich aus Sicht des Bürgermeisters mit dem Ende des Lockdowns am 13. Dezember ändern. Im Interview mit PULS 24 Chefreporterin Magdalena Punz drängt er auf die Öffnung der Gastronomie und Hotellerie. "Irgendwann muss jetzt auch einmal aufgehen, weil es geht hier um Existenzen, es geht hier um Mitarbeiter. Es geht um Arbeitsplätze", sagt Kurz. Die Versäumnisse der Regierung dürften "nicht immer andere ausbaden". Auch von der Thannen möchte sich eine Lockdown-Verlängerung "gar nicht vorstellen".

Der Obmann des Tourismusverbands Ischgl, Alexander von der Thannen, im PULS 24 Interview.

Die Buchungslage sei "hervorragend", betont der Bürgermeister. Es gebe einen "großen Anteil an Stammgästen". Der Tourismus-Obmann merkt an, dass viele Gäste in die Schweiz ausgewichen seien. Die Weihnachtsbuchungen seien trotz einiger Stornierungen noch immer sehr gut.

Ischgl sei auf alle Fälle "gerüstet" und biete "höchste Sicherheit", sagt der Bürgermeister. Man haben gemeinsam mit den Schweizer Kollegen ein Sicherheitskonzept erarbeitet, erklärt Zangerl. "Im gesamtem Gebiet herrscht 2G und FFP2-Maskenpflicht in den Gondeln".

Ruhiger erster Skitag

Das Bild am Freitagmorgen bestätigt die Aussagen von Kurz und Zangerl in Bezug auf den unrentablen Saisonstart. Die Dorfstraße ist so gut wie menschenleer. Die vereinzelten Passanten, die man antrifft, sind meist Hotelmitarbeiter. 

PULS 24 Chefreporterin Magdalena Punz fragt Skifahrer zum Auftakt der Wintersaison in Ischgl, warum sie die Reise ins Skigebiet auf sich genommen haben.

Während sich im Verlauf des Tages zumindest ein paar Personen auf dem Platz vor der Silvrettabahn versammeln, laufen in den Hotels die Vorbereitungen. "Wir sind euphorisch", sagt Benjamin Parth vom Gourmetrestaurant "Stüva" in Hinblick auf die erhoffte Öffnung am 13. Dezember. Mit dem Alternativszenario der Lockdown-Verlängerung will er sich auf Nachfrage hin gar nicht befassen.

"Keine Beweise, dass irgendwas falsch gelaufen sein sollte"

Angesprochen auf die kürzlich abgewiesenen Zivilrechtsklagen und die Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen in der Causa Ischgl zeigt sich Bürgermeister Kurz erleichtert.

Zur Erinnerung: Zu Beginn der Pandemie war der Tiroler Wintersportort als Corona-Cluster international in die Schlagzeilen geraten. Von der Après-Ski-Szene in Ischgl ausgehend hatte sich das Virus Anfang März 2020 in mehrere europäische Länder weiterverbreitet, zunächst nach Island. Das Corona-Krisenmanagement der Verantwortlichen vor Ort geriet heftig unter Beschuss und hatte ein gerichtliches Nachspiel. 

Kurz sieht sich durch die Urteile in seiner Meinung bestätigt. "Es gibt keine Beweise, dass irgendwas falsch gelaufen sein sollte oder dass wir etwas unterlassen haben." Damals wie heute handle man "nach den Vorgaben der Behörden".

Kitzloch-Chef: "Einziger Schuldiger ist das Virus" 

In dieselbe Kerbe schlägt Bernhard Zangl. Der Gastronom erlangte mit seinem Lokal "Kitzloch" zu Beginn der Pandemie traurige Berühmtheit. In der Après-Ski Bar steckten sich viele Urlauber an und sorgten für ein Superspreader-Event. Zangl und das Kitzloch gerieten auch international in die Schlagzeilen.

Knapp eineinhalb Jahre später zeigt sich Bernhard Zangl erleichtert, dass die Gerichte zu dem Urteil gekommen sind, "dass man das bestmögliche getan hat". Er gibt zu, dass man gewisse Sachen zum jetzigen Zeitpunkt anders machen würde, nimmt aber vor allem die Politik in die Pflicht: "Die Frage ist, hat man die letzten zwei Monate alles richtig gemacht? Wir sind jetzt - nach knapp zwei Jahren mit Corona - wieder in einem Lockdown. Die Politik und die Behörden haben wahrscheinlich in dieser Zeit nicht viel gelernt, sonst wären wir nicht wieder in der Situation." Der erneute Lockdown treffe das Kitzloch hart, Zangl hofft jedoch auf ein baldiges Aufsperren und meint: "Wir sind für alles gerüstet."

Quelle: Redaktion / apb