IPCC-Bericht warnt vor "roten Ampeln"der Klimakrise

28. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Der neue Bericht des Weltklimarats IPCC warnt erneut vor den "roten Ampeln" der bereits gegenwärtig wirkenden Klimakrise. Ein Überschreiten droht die Erde in Zukunft zu einem für Menschen unbewohnbaren Planeten zu verwandeln. Die "Lücke in der Umsetzung" ist laut dem Ko-Leiter der IPCC-Arbeitsgruppe, Hans-Otto Pörtner, weiterhin das Problem. Der zweite Teil des Sachstandsberichts zeigt neben Folgen und Risiken der Klimaerhitzung, aber auch Möglichkeiten, mit diesen umzugehen.

"Dieser Bericht ist eine eindringliche Warnung vor den Folgen der Untätigkeit", so IPPC-Vorsitzender Hoesung Lee. Der Pariser Klimavertrag gibt vor, was zu tun ist, nämlich den CO2-Ausstoß insgesamt so weit zurückzufahren, dass die Erderwärmung bis 2050 möglichst unter 1,5 Grad bleibt. Doch bereits der im August 2021 veröffentlichte erste Teil des inzwischen sechsten Sachstandsberichts mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels zum Inhalt hatte eine alarmierende Aussage: Bei derzeitigen Entwicklung werde die Erde schon gegen 2030 um 1,5 Grad Celsius wärmer sein im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter - zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert. Ohne eine rasche und drastische Reduzierung der Emissionen droht das Szenario eines zunehmenden Verlusts von Menschenleben, biologischer Vielfalt und Infrastruktur.

Der heute, Montag, publizierte zweite Teil sei auch "eine Verstärkung der Botschaften" seines Vorgängers, sagte Pörtner in einem Hintergrundgespräch des deutschen Science Media Centers (SMC). Der Bericht legt dabei einen Schwerpunkt auf die wechselseitigen Wirkungen zwischen drei Systemen Klima, dem Ökosystem und seiner Artenvielfalt und der menschlichen Gesellschaft, die als Grundlage der aus dem Klimawandel entstehenden Risiken dienen. Das Denken über diese Wechselwirkungen sei in der Politik noch nicht so richtig angekommen, wenn man es mit dem Sachstandsbericht schaffe, die Sicht auf Biodiversität und Klimaschutz zu vereinen, dann hätte man etwas erreicht.

Veränderungen, Krisen und Probleme in einem der drei Bereiche bedingen Effekte in anderen Bereichen: "Häufig haben arme Menschen eine außergewöhnlich hohe Verletzlichkeit (Vulnerabilitäten) in mehreren der oben genannten Dimensionen. Menschen mit geringem ökonomischem Spielraum leben häufig in einer besonders geschädigten Umwelt, die weiterhin stark vom Klimawandel betroffen ist. Dies entspricht unseren empirischen Beobachtungen und wird sehr gut vom Report herausgearbeitet", stellt dazu der deutsche Experte für Soziale Systeme und Ökologische Ökonomie, Achim Schlüter, von der Jacobs University Bremen fest.

Der als Meeresbiologe am Alfred-Wegener-Institut tätige Wissenschafter Pörtner betont, dass die "Übernutzung" des Ökosystems dessen Empfindlichkeit gegenüber der Klimakrise erhöht. "Die Natur passt sich an den Klimawandel an, das musste sie im Verlauf der Erdgeschichte immer", so Pörtner. Jedoch habe sich dabei immer gezeigt, dass es Anpassungsgrenzen, bei deren Überschreiten ein Massensterben die Folge ist. Für den Sachstandsbericht wurden die Rahmenbedingungen definiert, wie diese Abwärtsspirale beendet werden kann. Und gerade im Schutz und der Stärkung der Natur liege ein Schlüssel zu einer lebenswerten Zukunft und zur Anpassung an die Klimakrise.

Noch ist das Gegenteil der Fall, denn "zunehmende Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen überschreiten bereits die Toleranzschwelle von Pflanzen und Tieren und führen zu einem Massensterben von Bäumen und Korallen", teilt der Weltklimarat am Montag mit. Diese Wetterextreme treten gleichzeitig auf und mit immer schwieriger zu bewältigenden Auswirkungen. Schon jetzt sind so Millionen von Menschen vor allem in Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika sowie auf kleinen Inseln einer akuten Nahrungsmittel- und Wasserversorgungsunsicherheit ausgesetzt.

Quelle: Agenturen