APA - Austria Presse Agentur

Internes Strategiepapier: Zahlenmanipulation für Wintertourismus?

19. Okt 2020 · Lesedauer 2 min

In einem PULS 24 vorliegenden Strategiepapier fordert Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Roten Kreuzes, die Testungen einzuschränken, um Reisewarnungen zu schützen. Ebenfalls spricht er sich für eine andere Art der Kommunikation aus.

Bundesrettungskommandant Gerry Foitik schlägt dem Corona-Krisenstab in einem internen Strategiepapier vom 15. Oktober vor, die Testungen herunterzufahren, um die Situation Österreichs bei der EU-weiten Ampelschaltung zu verbessern. PULS 24 liegt das Dokument, wie mehreren heimischen Redaktionen, vor, darin steht:

"Wintertourismus: wenn Zahlen eine Zeit lang sinken, aber immer noch zu hoch sind, für eine 'grüne' Einschätzung der EU-Partner könnten wir innerhalb weniger Tage aufhören, Kontaktpersonen '1'  zu testen: die Inzidenz sinkt dann sofort um 500 täglich (absolut – Zahlen der vergangenen Woche) bei gleichzeitigem leichten Sinken der Positivitätsrate (vermutlich)."

Foitik rechtfertigt sich gegenüber der Tageszeitung "Kurier": Es gehe nicht um eine Manipulation der Zahlen, sondern um eine bessere Vergleichbarkeit in der EU. Er sagt aber auch: "Das war nicht für die Öffentlichkeit gedacht, auch nicht für die Medien. Fest steht, Sie sollten das jedenfalls nicht haben." Foitik betont, dass er die Bevölkerung gut durch den Winter bringen wolle und die Leistungsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft erhalten wolle. "Der Wintertourismus ist wichtig für die Volkswirtschaft", sagt er. 

Foitik fordert weitere Maßnahmen & Änderung der Krisenkommunikation 

In dem Papier fordert Foitik außerdem schnellere Tests von symptomatischen Personen und eine Ausweitung der Maskenpflicht etwa in Universitäten oder Schulen. Konkret schlägt Foitik vor: 

"MNS-Pflicht im Unterricht ab der Sekundarstufe für alle und in der Primarstufe für Lehrpersonen. Universitäten, Unternehmen: MNS-Pflicht in Innenräumen bei gleichzeitiger Anwesenheit mehr als 1 Person. Risikogruppen: Personen >65 Jahre bekommen kostenlos FFP-2 Masken (für jeden Tag eine) und eine Schulung, wie sie zu verwenden sind samt Anweisung sie bei JEDEM Kontakt (ausg. Angehörige des selben Haushalts) zu tragen.  Unterstützung prekär lebender Gruppen um Existenz zu sichern, damit sie nicht erkrankt arbeiten (…) müssen"

Laut Foitik brauche es außerdem eine Adaptierung der Krisenkommunikation. Er schlägt vor, über Peer-Groups zu "kampagnisieren", zum Beispiel über Sportvereine, Kirchen und Verbände. Diesen Gruppen würden die Menschen vertrauen. Schüler müssten in der Schule aufgeklärt werden und die "Aufklärung in die Familie transferieren".  

Diesen Empfehlungen ist die Bundesregierung bei den am Montag präsentierten Maßnahmen nicht nachgekommen.

Quelle: Redaktion / spe