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Achtung!

Gefahr von Kinder-Fensterstürzen steigt im Frühling

Heute, 10:16 · Lesedauer 3 min

Mit dem frühlingshaften Wetter steigt die Gefahr von Fenster- und Balkonunfällen und Stürzen für Kinder deutlich an. Drei Viertel der Unfälle passieren gerade im Frühling und Sommer, informierte das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) in einer Aussendung am Dienstag.

Besonders gefährdet sind Kleinkinder, da sie von Natur aus neugierig sind, rasch klettern und Gefahren noch nicht einschätzen können. Kinder sollten auf keinen Fall alleine gelassen werden.

Das KFV hat APA-Berichte der Jahre 2016 bis 2025 ausgewertet. Die Altersspanne der Unfälle beträgt ein bis 13 Jahre, wobei in den vergangenen zehn Jahren am häufigsten Zweijährige betroffen waren (knapp 25 Prozent), gefolgt von Einjährigen (knapp 19 Prozent). 

Während Eltern bei Kleinkindern noch sehr wachsam sind, wiegen sie sich mit dem steigenden Alter des Kindes in falscher Sicherheit. 2025 verunfallte ein Siebenjähriger tödlich.

Auch Balkone sind Risikofaktor

"Neben den offenen Fenstern sind auch Balkone ein Risikofaktor. In den vergangenen zehn Jahren kamen zu den 102 Fensterstürzen noch 19 Stürze von Balkonen dazu - 63 Prozent davon bei Kindern unter fünf Jahren. 

Deshalb ist es ratsam, neben den Fenstern auch Balkontüren zu versperren", so die Empfehlung von Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV.

75 Prozent der analysierten Fensterstürze der Jahre 2016 bis 2025 passierten zwischen April und August. Besonders trügerisch sind Insektengitter, da sie keinen Schutz bieten. 

Sie reißen schon bei geringster Belastung. Laut KFV-Statistik waren Insektengitter in 17 Prozent aller Fenstersturzfälle der Jahre 2016 bis 2025 montiert. Fensterstürze passieren überwiegend in Wohnungen, häufig in Mehrparteienhäusern. Viele Stürze erfolgen aus dem 1. bis 3. Stock, vereinzelt auch aus deutlich größeren Höhen (bis über zehn Meter).

Bereits kurze unbeaufsichtigte Momente - etwa das Kind im Raum bei Haushaltstätigkeiten alleine zu lassen - können ausreichen, damit ein Kind auf eine Fensterbank gelangt und abstürzt, warnt das KFV. 

"Eine konsequente Sicherung von Fenstern in Haushalten mit Kindern und die Kinder wirklich nie alleine in einem Raum mit geöffneten Fenstern zu lassen, sind die zentralen Maßnahmen der Unfallprävention", sagte Trauner-Karner.

Versperrbare Fenstergriffe als Schutz

Typische Unfallsituationen sind laut KFV Klettern über die Möbelstücke auf die Fensterbank, Nachgeben der Fliegengitter, und oft werden die Fenster auch von den Kindern selbst geöffnet. 

"Einfache Maßnahmen wie Fenstersicherungen können Leben retten. Wenn Kinder im Haushalt leben, sollten versperrbare Fenstergriffe ein Standard sein. Diese können jederzeit nachgerüstet werden. Kombiniert mit der Kipp-Vor-Dreh-Funktion lassen sich Fenster und Balkontüren ganz einfach zum Lüften kippen, können aber nur mit dem Schlüssel komplett geöffnet werden", erklärt Miteigentümer Christian Klinger von Internorm in der Aussendung.

Neben der guten Sicherung rät Trauner-Karner, keine Möbel vor den Fenstern zu platzieren und die Gefahren immer im Kopf zu behalten: "Besondere Vorsicht gilt beim Lüften. 

Ein unerwarteter Anruf, Klingeln an der Tür oder ein Kochtopf auf dem Herd können uns für wenige Sekunden ablenken, doch bereits dieser kurze Moment ohne Aufsicht reicht für einen Unfall aus", warnte sie. Kinder sollten deshalb immer mitgenommen oder das Fenster geschlossen werden. Außerdem soll schon früh damit begonnen werden, den Kindern bewusst zu machen, dass sie sich von einem offenen Fenster fernhalten sollen.

Video: Unfälle in Österreich werden mehr: Zuhause ist es am gefährlichsten

Zusammenfassung
  • Im Frühling und Sommer steigt das Risiko für Fenster- und Balkonstürze bei Kindern deutlich an, drei Viertel der 102 Fensterstürze und 19 Balkonstürze der Jahre 2016 bis 2025 ereigneten sich zwischen April und August.
  • Besonders gefährdet sind Kleinkinder: Knapp 25 Prozent der betroffenen Kinder waren zwei Jahre alt, 19 Prozent ein Jahr alt, und 63 Prozent der Balkonstürze betrafen Kinder unter fünf Jahren.
  • Das Kuratorium für Verkehrssicherheit empfiehlt versperrbare Fenstergriffe, keine Möbel vor Fenstern sowie ständige Aufsicht, da bereits kurze unbeaufsichtigte Momente zu schweren Unfällen führen können.